Tesla

Tesla, Twitter und wie der Boss lernte, die Bombe zu lieben

Die United States Securities and Exchange Commission - kurz SEC - befragt die Vorstände des Elektrobauers. Anlass ist der Asteroideneinschlag auf Twitter, das Unternehmen von der Börse zu nehmen.

von Robert Basic am 16. August 2018

Die SEC ist keine Aufsichtsbehörde für den US-Wertpapierhandel, die für ihre Samthandschuhe bekannt wäre. Doch die auch von Skandalen erschüttert wurde. Mit der bekannteste Fall waren die laufenden SEC-Untersuchung der Aktivitäten eines gewissen Bernhard Madoff. Der – wie es sich nachträglich feststellte – seine Klienten um 65 Milliarden US-Dollar betrogen hatte. Madoff wurde 2009 zu einer ordentlichen Haftstrafe verurteilt: 150 Jahre Knast! Während die besagten Untersuchungen des SEC zuvor immer wieder im Sande verliefen, kam später heraus, dass ein mit dem Fall beauftragter hochrangiger SEC-Mitarbeiter privaten Kontakt zur Nichte von Madoff (als Anwältin seiner Firma unterwegs) hielt, die er 2009 heiratete. Die generelle Nachlässigkeit der SEC im Madoff-Fall hängt der SEC bis heute nach.

Tesla, Twitter und wie der Boss lernte, die Bombe zu lieben

Der Tweet verbreitete sich wie ein Lauffeuer, als Amerika am Frühstückstisch sitzend gemütlich den 07. August 2018 beging:

Und ein weiterer Tweet folgte wenige Stunden später:

Die Börse spielte verrückt, der Handel mit Tesla-Papieren wurde kurzzeitig ausgesetzt. Nachträglich ist bekannt geworden, dass weder der Vorstand noch die Investoren vorher informiert waren. Von „Support“ konnte zu dem Zeitpunkt nicht die Rede sein. Ebenso ging aus einem nachfolgenden Schreiben des Unternehmen hervor, dass die angeblich gesicherten Financiers für das Vorhaben nicht wirklich feststehen. Dazu habe ich bereits etwas separat geschrieben, ob sich die von Tesla kolportierten Saudis das Vorhaben leisten könnten.

Hier kommt die SEC ins Spiel. Laut mehreren, aktuellen Medienberichten (siehe Wallstreet Journal und CNBC) hat die Aufsichtsbehörde von den Tesla-Vorständen verlangt, genauere Detailinformationen herauszurücken. Auch mit der mutmaßlichen Rechtsvorgabe, damit entsprechend die Saudis bzw. den Staatsfonds PIF befragen zu können. Die einzig relevante Frage ist, ob die Behauptung des Tesla-Mitgründers und CEOs den Tatsachen entspricht oder nicht: Waren die Finanzierung des Vorhabens und die dazu notwendigen Zusagen zum Zeitpunkt der Tweets gesichert?

Wie geht es weiter?

Wie und ob das SEC entscheidet, steht in den Sternen. Es kann im Sande verlaufen. Und bis dahin können Monate und Jahre vergehen. Dann juckt es sowieso niemanden mehr. Der US-Präsident selbst kann nicht direkt eingreifen, jedoch stehen ihm genügend Mittel und Wege zur Verfügung, die an sich unabhängige Staatsbehörde auf gewünschte Linie zu bringen. Andere Stimmen aus den USA betonen jedoch, es habe reiche Freunde getroffen und Donald Trump würde in diesem Fall eher dem Kapital zur Seite stehen als dem hoffnungsvollen Autobauer.

Ein Faktor, den ich gerne betone, ist: Amerika hat zu Beginn des 21. Jahrhunderts beinahe eine Implosion der zwei verbliebenen Autohersteller – Ford und GM – erfahren. GM war 2007 pünktlich zur US-Finanzkrise am Immobilienmarkt mit einem Schuldenstand von 185 Mrd. US-Dollar und insgesamt nach Aktiva mit 37 Mrd. US-Dollar überschuldet. Faktisch und offiziell pleite deklariert wurde GM 2009 zum Staatsbetrieb (wirklich, in den USA erfolgte die Verstaatlichung / zu der Zeit dann mit einem Restvermögen von 82 Mrd. US-Dollar und einem Schuldenzeiger, der bei 173 Mrd. US-Dollar stehenblieb / Obamas Kommando lautete, die US-Autoindustrie zu nahezu jedem Preis zu retten / auch Tesla bekam ordentlich Geld). Die USA durften letztlich mit rund 51 Mrd. US-Dollar aushelfen (auch Kanada half mit der Übernahme von 12% der GM-Aktien aus), wovon nach dem erneuten Börsengang anno 2010 bis 2013 durch Aktienverkäufe summarisch lediglich 39 Mrd. US-Dollar wieder in die US-Staatskasse zurückgespült wurden. Die USA hatten GM nach der Rettung wieder privatisiert. Ford selbst konnte sich ebenfalls nur noch mit Ach und Krach retten. Ach ja, Chrysler? Die sind Geschichte. Nicht als Marke. Aber sie gehören seit der Finanzkrise zur Mutter Fiat. Und sind seit fast 10 Jahren faktisch kein eigenständiges US-Unternehmen mehr. Bleiben nur noch GM, Ford und Tesla.

Amerika kann es sich nicht leisten, seinen neuen, dritten Star auch noch an den Rand der Vernichtung zu bringen. Ich persönlich gehe seit jeher davon aus, dass es Tesla entweder so schafft (trotz der gigantischen Geldverbrennungsanlage) oder ein US-Riese einschreitet. Ob Google oder Apple, beide könnten sich recht easy Tesla einverleiben. Gerade Apple, die eigentlich dafür bekannt sind, eigene Systemsphären aus Software und Hardware zu bauen. An der Software für autonomes Fahren sind sie nachweislich dran. Fehlt die Hardware. Die Cash-Reserveren von rund 285 Milliarden US-Dollar sind derart hoch, dass sie Tesla und gleich weitere Autokonzerne mit in einem Happen übernehmen könnten, ohne sich zu verschlucken.

Es steht außer Frage, dass zahlreiche Tesla-Anhänger das Vorhaben per se begrüßen, Tesla von der Börse zu nehmen. Die viel zu kurzatmig stoßatme und damit für das Langfristvorhaben Teslas kein guter Ort sei.

Laut US-Recht wird das jedoch nur gelingen, wenn das Unternehmen nicht mehr als 300 Aktionäre insgesamt hat und weniger als 500 Aktionäre mit entsprechend niedrigen Einkommen. Wallstreet Journal dazu:
Companies with more than 500 “nonaccredited” investors—individual investors below certain income and wealth thresholds—are required to register their securities with the SEC. In addition, a public company can’t go private and end its registration or filing obligations with the SEC if it has more than 300 shareholders.

Die Rätselschwaden der Wallstreet haben sich aufgelöst und die Hauptthese lautet Stand heute, dass tatsächlich der rund 18% Anteil von Tesla-Kleinaktionären gehalten einen Squeeze-Out erfahren wird. Rund 80% der Aktien würden sich damit auf wenige, institutionelle Investoren mitsamt den 20% des Mitgründers von Tesla konzentrieren. Das Ganze heißt allerdings nicht, dass Tesla die Buchhaltung einstellen kann und nicht mehr berichten muss. Im Gegenteil: es läuft genauso wie vorher weiter, nur eben mit dem Unterschied, dass die Aktien nicht mehr über die Börse gehandelt werden. Das ist bereits alles. Weniger Mitinhaber = mehr Power für den Rest.

Soweit so gut. Wir alle sind froh, dass uns Tesla an den Rand des Wahnsinns treibt. Das muss man einfach und schlicht honorieren.