Tinybop: Die bessere Lernsoftware für Kinder

Tinybop bringt Lernsoftware auf iOS-Geräte. Das ist erst einmal nicht ungewöhnlich, dennoch will man sich durch die Art der Apps von der breiten Masse an Lernsoftware für Kinder absetzen. Wir erklären euch, was Tinybop anders macht.

Ab wann gibt man dem eigenen Nachwuchs ein Tablet oder ein Smartphone in die Hand? Was lässt man sein Kind dann auf dem Gerät für Programme nutzen?  Ich glaube, an diesen Fragen scheiden sich derzeit noch die Geister und ich fürchte darüber hinaus, dass das auch noch sehr lange so bleiben wird. Teils nachvollziehbar, denn wie so oft gibt es auch bei diesem Thema nicht einfach nur richtig und falsch, sondern jede Menge verschiedene Nuancen, sprich: Dinge, die man berücksichtigen kann.

Gehören Smartphones und Tablets in Kinderhände?

Deswegen können wir diese Frage hier auch nicht pauschal beantworten und Eltern somit auch maximal eine rudimentäre Hilfeleistung bieten. Fest steht lediglich, dass man weder uneingeschränkt elektronische Devices in jede Kinderhand geben sollte, noch den Umgang mit diesen Geräten verteufeln darf. Das Alter spielt natürlich in erster Linie eine Rolle, die Software, die von den Kids genutzt werden darf und nicht zuletzt gehört dazu auch, in welchem Umfang Eltern den Zugang zum Smartphone bzw. Tablet ermöglichen, wie viele Stunden die Kinder sich damit beschäftigen dürfen, ob die Eltern das Tun beaufsichtigen und vieles mehr.

Es gibt unzählige Apps, die für das ganz junge Publikum gedacht sind und wie bei allen anderen Anwendungen ist sowohl die Bandbreite der Apps groß als auch die Qualitätsunterschiede darin. Was genau macht eine gute App aus? Raul Gutierrez hat sich diese Frage immer wieder gestellt, weil er sich mit dem größten Wunsch seines eigenen Sohnes konfrontiert sah: Er wollte unbedingt ein Smartphone.

Gutierrez ist einer der Väter, die ihr Kind nicht vor einem Fernseher parken, ihnen lieber eine Holz-Lokomotive in die Hand drücken als einen Controller für eine Spiele-Konsole. Jetzt musste er aber einsehen, dass sein sechsjähriger Sohn es wirklich ernst meinte mit seinem Wunsch. Er sparte ein Jahr lang jeden Cent und war sogar gewillt, auf seine Geburtstags-Party zu verzichten. Viel deutlicher kann man einen Wunsch als Sechsjähriger wohl nicht machen ;)

Gutierrez gab nach und lud sich in der Folge gleich mal über 200 Apps für Kinder herunter – wirklich gefallen hat ihm nahezu keine. Was überlegte er sich also: Klar – er musste selbst ran und begann damit, sich Konzepte für geeignete Software zu überlegen.

Spielen mit der Tinybop Lernsoftware für Kinder

 

Tinybop – Kinder-Apps der nächsten Generation?

Kann man das Rad neu erfinden? Nein, natürlich nicht – aber gerade im Tech-Bereich erleben wir aktuell eine so rasante Entwicklung mit und lernen selbst alle gerade erst, welche Möglichkeiten uns im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Smartphone an die Hand gegeben werden. Gutierrez’ Sohn sprach von der “Everything Machine”, wenn er über das iPhone redet und meint damit, dass man damit sowohl Fotos und Videos machen und anschauen kann, Games zocken, Lesen, seine Stimme aufnehmen – ein ganzes Füllhorn von Dingen also, für die man ein Kind leicht begeistern kann.

tinybop-play-02Genau da hat sein Dad angesetzt. Sowohl von der Konzeption als auch vom Design gefiel ihm nicht, was er bei den heruntergeladenen Apps zu sehen bekam, zudem wurden die technischen Möglichkeiten eines Smartphones nicht ausgereizt. Sein Unternehmen Tinybop ist mittlerweile über 20 Personen stark und im Herzen New Yorks entwickelt dieses Team Software, die durchaus anders aussieht als das, was wir an Lernprogrammen für mobile Geräte so kennen.

Es gibt prinzipiell zwei Arten von Apps, die von Tinybop veröffentlicht werden:

  • Apps für Entdecker, bei denen Kinder die Welt entdecken, beispielsweise unsere Erde oder auch den menschlichen Körper.
  • Apps für Bastler, bei denen der kleine Smartphone-Nutzer zum Nachwuchs-Entwickler wird und sich beispielsweise die Grundzüge des Programmierens erschließen kann oder Roboter konstruiert.

Bei diesen Anwendungen von Tinybop läuft alles ein wenig anders als bei der Lern-Software, die wir normalerweise zu sehen bekommen. Es gibt keine lustigen Level zu absolvieren, keine Hinweise wie beispielsweise Pfeile, wo man zu wischen und zu tippen hat, nicht mal eine musikalische Untermalung gibt es. Stattdessen überlässt man das Kind am Smartphone völlig sich selbst. Das kann manchmal ziemlich dauern, bis der kleine Nutzer dahinter kommt, was er zu tun hat, das konnte Gutierrez auch bei den Kindern beobachten, die man die Apps testweise spielen lässt.

Es gibt keinen herkömmlichen Anfang oder ein Ende des Spiels, keinen vorgezeichneten Spielverlauf, stattdessen werden alle technischen Hilfsmittel ausgenutzt, die euch das Smartphone bietet. In der Pressemitteilung zur App “Der Menschliche Körper” heißt es zum Beispiel:

In “Der Menschliche Körper” wird durchgängig auf innovative Weise das Abspielgerät als solches eingesetzt: über die Kamera wird die Funktionsweise des Auges verdeutlicht, über das Mikrofon die Bewegung des Schalls vom Ohr zum Gehirn und die Geräteorientierungsfunktion sensibilisiert den Körper für die Wirkung der Schwerkraft.

Der menschliche Körper
Der menschliche Körper
Entwickler: Tinybop Inc.
Preis: 4,49 €+
  • Der menschliche Körper Screenshot
  • Der menschliche Körper Screenshot
  • Der menschliche Körper Screenshot
  • Der menschliche Körper Screenshot
  • Der menschliche Körper Screenshot
  • Der menschliche Körper Screenshot
  • Der menschliche Körper Screenshot
  • Der menschliche Körper Screenshot
  • Der menschliche Körper Screenshot
  • Der menschliche Körper Screenshot

Es besteht jederzeit die Möglichkeit, sich über ein Aufnahme-Tool auszutauschen: Die Kinder können Fragen stellen, die Eltern antworten und sind somit auch wichtiger Bestandteil des Konzepts. Gutierrez erklärt zur Konzeption:

Wenn sich Kinder mit der App beschäftigen, sind sie die ersten paar Minuten ruhig, dann hört man sie kichern und schließlich fangen sie an, Fragen zu stellen. An dem Punkt wissen wir dann, dass wir es geschafft haben. Raul Gutierrez

Tinybop hat die Spiele mit sehr viel Liebe zum Detail umgesetzt. Wenn ihr (bzw. eure Kinder) im Spiel “The Earth” unterschiedlich schnell agiert, beeinflusst das zum Beispiel, wie heftig wie ein Vulkan ausbricht, oder die Kinder erzeugen durch die Interaktion mit Wolken Regen. Bei “Pflanzen”, welches von The Wired in den höchsten Tönen gelobt wird, wachsen beispielsweise Pflanzen einer Gattung mit exakt dem zulässigen Abstand voneinander, wie er auch in der Realität zu finden ist.

Pflanzen
Pflanzen
Entwickler: Tinybop Inc.
Preis: 2,29 €

Wir haben es also mit Apps zu tun, die einen recht hohen künstlerischen Anspruch haben, ebenso einen hohen erzieherischen Anspruch – und dabei die neuesten technischen Möglichkeiten mit ganz klassischen Lern-Philosophien verknüpfen, nach denen die Kinder genügend Freiraum erhalten, selbst die Welt erkunden zu können. Klingt für mich wirklich nach einer äußerst durchdachten Idee, bei der ich aktuell lediglich bedaure, dass ihr die Apps aktuell noch nicht für Android, sondern nur für iOS bekommt.

If all apps were like Tinybop’s, we wouldn’t worry so much about our kids staring at screens. In fact, we might even encourage it. Wired

Acht Apps hat das junge Unternehmen bislang veröffentlicht und in bis zu 60 Sprachen übersetzt, im Schnitt zahlt ihr zwischen drei und vier Dollar pro App, die aber auch allemal gerechtfertigt sind. Hier sollen Kinder nicht nur ruhig gestellt werden, die Tinybop-Spiele machen Kinder vielmehr zu Entdeckern, die gleichzeitig die Welt, die Technik als verbindendes Element und auch Vertrauen in eigene Fähigkeiten entdecken.

Ich hab gleich ein doppeltes Handicap: So habe ich weder ein iOS-Device noch Kinder, die ich mit einem solchen beschäftigen könnte. Wenn bei euch beides zutrifft und ihr euch zudem die ein oder andere App von Tinybop zulegt: Lasst uns in den Comments wissen, was ihr von dem Konzept und der Ausführung haltet.

Quelle: Tinybop via SZ