Tomorrow: Die Welt geht unter – ach nee, doch nicht

"Tomorrow" heißt ein Dokumentarfilm aus dem letzten Jahr, der zeigt, dass wir die meisten Probleme der Menschheit durchaus lösen können. Ob das stimmt, werden vermutlich erst die nächsten Jahrzehnte zeigen. Den Film "Tomorrow" selbst kann man sich zumindest jetzt schon kostenlos auf Amazon Prime ansehen.

Wenn der begnadete Henning May im K.I.Z.-Song “Hurra die Welt geht unter” genau diesen Satz singt, möchte man ihm kopfnickend beipflichten in diesen Tagen. Egal, wohin man schaut – ein bisschen Mad Max-Endzeitstimmung will schon aufkommen und immer mehr Menschen scheinen ein eher dystopisches Bild von der Welt zu zeichnen.

Das mag zu einem Teil daran liegen, was weltpolitisch derzeit auf unserem Planeten los ist. Wer hätte denn vor wenigen Jahren noch geglaubt, dass Trump US-Präsident wird, England für den Brexit stimmt, die AfD in die Landtage einzieht und in zivilisierten Ländern wie den Niederlanden oder Frankreich rechte Kräfte echte politische Schwergewichte darstellen und etablierte Parteien alt aussehen lassen?

Das liegt aber mit Sicherheit auch daran, dass wir die Welt, in der wir leben, in einem schlechteren Licht sehen, als sie tatsächlich ist. Es gibt natürlich immer noch unfassbar viele Baustellen und sieht man sich an, in welchem Ton Menschen – gerade online – miteinander umgehen, könnte man den Glauben an die Menschheit tatsächlich verlieren. Fakt ist aber vielmehr, dass wir trotz aller Kriege, Klima-Katastrophen und Populisten-Politiker in einer Welt leben, die uns so unfassbar viele Chancen bietet, in der viele Probleme wie der Welthunger in absehbarer Zeit erstmals wirklich in den Griff zu kriegen sind und in der sehr viele Menschen tagtäglich damit beschäftigt sind, den Planeten ein wenig grüner, gesünder und nachhaltiger zu gestalten.

Bleiben wir beim Beispiel Welthunger: Schauen wir auf dem Welthunger-Index, können wir feststellen, dass der Anteil der hungernden Menschen seit dem Jahr 2000 um 29 Prozent gesungen wird und vorausgesetzt, dass die Politik sich weiter reinkniet, wird sogar prognostiziert, dass der Welthunger bis zum Jahr 2030 Geschichte sein wird und wir am Punkt “Zero Hunger” ankommen.

Dem gegenüber steht aber die Vorhersage, dass die Menschheit bis zum Jahr 2050 auf über 10 Milliarden Menschen anwachsen wird. Wir können also auf der einen Seite dafür sorgen, dass die Ursachen für den Hunger in den Griff zu bekommen sind, müssen aber andererseits auch damit klar kommen, dass deutlich mehr Menschen ernährt werden müssen.

Dieses Dilemma zieht sich wie ein roter Faden durch viele Bereiche des Lebens: Immer wieder zeigen uns Technologien und neue Ansätze auf, wie wir bestimmte Schwierigkeiten in den Griff bekommen können. Gleichzeitig ist die Spezies Mensch scheinbar aber auch dafür prädestiniert, all das, was man sich aufbaut, kurze Zeit später mit dem Hintern wieder einzureißen.

So können wir Krankheiten heilen, die noch vor wenigen Jahrzehnten Epidemien ausgelöst haben, wir fliegen zum Mond, schauen in fremde Galaxien und bringen das Internet auch noch in den letzten Winkel des Planeten. Gleichzeitig schlachten wir immer noch millionenfach Tiere ab, lassen zu, dass Kriege Menschen, Regionen und Kulturschätze zerstören und treiben einen Raubbau an der Natur bzw. unserem Planeten, als hätten wir noch eine Ersatz-Erde in der Tasche.

Bleiben uns nur noch 40 Jahre?

Bereits vor fünf Jahren wurde im Fachmagazin “Nature” eine Studie führender Wissenschaftler veröffentlicht, die uns düsterste Zeiten voraussagt. Davon ausgehend, dass das Ökonetz kollabiert, wenn erst einmal 50 bis 90 Prozent der kleineren Ökosysteme auf der Erde zerstört sind, warnen diese Experten in ihrer Studie davor, dass unser Planet angesichts Klimawandel, Ressourcenverschwendung und Überbevölkerung bereits binnen 40 Jahren vor dem Kollaps stehen könnte.

Das klingt dystopisch, ist aber eigentlich nur die nüchterne Analyse dessen, was auf der guten, alten Erde passiert. Das wirkt erst einmal, als könnten wir uns direkt alle von der nächsten Brücke stürzen, weil der Planet ja eh im Eimer ist, aber ganz so wild ist es dann – zum Glück – doch nicht. Es gibt noch Hoffnung und diese Prognose ist nicht in Stein gemeißelt, sondern trifft dann ein, wenn wir einfach so weitermachen wie bisher.

Werden aber in bestimmten Bereichen des Lebens signifikante Änderungen vorgenommen, haben wir tatsächlich eine Chance, diesen Karren noch aus dem Dreck ziehen zu können. Genau das ist der Punkt, an dem der Dokumentarfilm “Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen” aus dem Jahr 2016 ansetzt. Oben genannte Studie hat auf die Schauspielerin Mélanie Laurent (Inglourious Basterds, Beginners) und den französischen Aktivisten Cyril Dion einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Sie wollen sich aber eben nicht mit diesem Schicksal abfinden und machen sich rund um den Globus auf den Weg, um zu verschiedenen Themen – Landwirtschaft, Energie, Wirtschaft, Demokratie und Bildung – mit Experten zu sprechen und sich von ihnen Szenarien aufzeigen zu lassen, wie man den Kollaps noch verhindern kann.

Das genau ist nämlich die Kernaussage von “Tomorrow” und macht den Film so besonders: Während es genügend Dokus gibt, die uns klipp und klar aufzeigen, dass die Welt am Arsch ist, steht hier die Vision im Vordergrund, es eben doch noch schaffen zu können. Was ist dafür notwendig? Dass wir alle zusammen die Hintern hoch bekommen. Jeder Einzelne ist gefragt und das macht der Film deutlich.

Zudem werdet ihr im Film sehen, dass die verschiedenen Themen wie eben Agrarwirtschaft, das jeweilige politische System und die Finanzwirtschaft nicht verschiedene Hebel sind, von denen wir nur an einem einzigen ziehen müssen, damit es klappt: Alles hängt miteinander zusammen, so dass wir an allen Stellschrauben gleichzeitig drehen müssen, damit wir den Karren nochmal aus dem Dreck gezogen bekommen.

Wollen wir also beispielsweise die Energiewende schaffen, sind dafür Investitionen der Industrie und vor allem der großen Konzerne nötig. Gleichzeitig müssen wir aber auch neu über Demokratie nachdenken, wenn genau diese großen Konzerne immer mehr Einfluss auf politische Systeme nehmen. Ihr seht also: Alles hängt mit allem zusammen – aber unterm Strich könnte tatsächlich eine bessere Welt stehen.

Nicht DIE ultimative Lösung, sondern eine Vielzahl Lösungen möchte dieser Film bieten – ganz konkrete Ideen für sehr viele verschiedene Probleme. Das hätte ich euch auch in zwei Sätzen umreißen können und den Trailer dazu posten, klar. Mir war es aber wichtig, dass wir die ganze Nummer mal weniger dystopisch sehen und uns gedanklich darauf einlassen, dass man auch positiver an die Geschichte gehen kann.

Nur auf “die da oben”, auf Flüchtlinge oder auf Konzerne schimpfen und auf der Couch abwarten wird nicht mehr funktionieren künftig. Wir müssen alle die Hintern hochkriegen und der Film ist zumindest mal ein kleiner Fingerzeig, wie es gehen könnte.

Auf Netflix ist er leider nicht im Angebot, aber zumindest Prime-Kunden können ihn jetzt kostenlos bei Amazon Prime sehen. Alternativ könnt ihr den Film auch auf verschiedenen Plattformen downloaden bzw. ausleihen – oder ihr greift zur Blu-Ray:

Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen [Blu-ray]

Preis: EUR 18,99 oder gebraucht ab EUR 15,93

239 Kundenbewertungen 4.8 von 5 Sternen

Ich würde mich freuen, wenn ihr diesem starken Dokumentarfilm ebenfalls eine Chance gebt – und mich wissen lasst, was ihr a) vom Film selbst haltet und b) selbst erwartet, wie es in den nächsten Jahrzehnten weitergeht.