Kampf der Lebensmittelverschwendung
Too Good To Go: Günstiges Essen per App

Hunger ist ein Problem, Lebensmittelverschwendung auch - und für beides bietet die App Too Good To Go eine feine Lösung. Bestellt euch vergünstigtes Essen per App, welches sonst weggeworfen würde.

Mahlzeit! Neben meiner hauptberuflichen Tätigkeit als Blogger bin ich auch noch ehrenamtlicher Lebensmittel-Tester und in dieser Eigenschaft gern in meiner Heimat- und Derby-Verlierer-Stadt Dortmund auf Achse. Heute ist einer dieser wenigen Momente, in denen mein Beruf und meine nebenberufliche Tätigkeit als Vielfraß sich überschneiden.

Der Grund dafür ist die App Too Good To Go, die ich euch heute vorstellen möchte. Diese Vorstellung beginne ich damit, dass ich als so eine Art erhobenen Zeigefinger eine Zahl in den Raum werfe: 19 Tonnen! Wofür die Zahl steht? Für die Menge der Lebensmittel, die in Deutschland binnen einer Minute verschwendet werden. Eine Minute — das dürfte ungefähr die Zeit sein, in der ihr unseren Link irgendwo seht, drauf klickt und bis zu dieser Stelle lest.

Diese Zahl stammt aus einer WWF-Studie von 2015 (PDF-Link). Summiert aufs Jahr sind es sogar unglaubliche 1,3 Milliarden Tonnen der für die menschliche Ernährung bestimmten Güter, die entlang der Wertschöpfungskette in die Tonne gekloppt werden. Mir persönlich ist diese Zahl zu groß und abstrakt, um mir noch einen Berg vorstellen könnte, der dieser Summe entspricht — aber zweifellos ist es irre viel.

Allein das Vermeidungspotenzial von Lebensmittelabfällen soll in Deutschland jährlich etwa 10 Millionen Tonnen betragen. Dabei sprechen wir also von den Brocken, die wir im Kühlschrank dummerweise verschimmeln lassen oder direkt wegwerfen, oder die in den Restaurants liegenbleiben.

Too Good To Go: Essen bestellen – und was Gutes tun

Genau da kommt jetzt die App Too Good To Go ins Spiel: Hier werden nämlich die überzähligen Köstlichkeiten der Restaurants und die hungrigen Mägen der App-Benutzer zusammengebracht. Oder anders ausgedrückt: Für kleines Geld könnt ihr euch eine Mahlzeit sichern, die sonst in den Müll gewandert wäre — gut für den Magen und fürs Gewissen.

Mein guter Freund Krücke ist nicht nur einer meiner liebsten Trinkgenossen, Lebemann und ein exquisiter Dartspieler — er ist auch echt immer für einen guten Tipp gut. In diesem Fall kam er also mit dieser kleinen App um die Ecke, die uns gleichzeitig Essen bescheren und das „wir retten die Welt“-Gen in uns bedienen soll und die für sowohl Android als auch iOS verfügbar ist.

Too Good To Go
Too Good To Go
Entwickler: Too Good To Go
Preis: Kostenlos

Technisch ist das alles keine Raketen-Wissenschaft. Nach dem Download legt ihr euch flott einen Account an und stimmt — logischerweise — zu, dass die Anwendung auf euren Standort zugreifen kann.

Ab da bekommt ihr dann eine Übersicht an teilnehmenden Gastronomie-Betrieben geboten, die nach der Entfernung aufsteigend sortiert ist. Außerdem seht ihr dort noch die Zahl der Menschen, die die jeweilige Bude favorisiert haben und auch, in welchem Zeitfenster ihr euch euer Essen abholen könnt.

Alternativ könnt ihr euch auch eine Karte von eurem Standort und den umliegenden Restaurants anzeigen lassen und auch auf den jeweiligen Restaurant-Seiten habt ihr die Möglichkeit, neben der Restaurant-Homepage auch noch den Standort per Google Maps aufzurufen.

Die Zeit, in der ihr das Essen abholen könnt, kann natürlich variieren, da ja auch die Öffnungszeiten der Läden unterschiedlich sind und das Essen jeweils kurz vor Ladenschluss herausgegeben wird. So müsst ihr bei der Grill-Theke im REWE schon ab 19.30 Uhr auf der Matte stehen, bei Restaurants mitunter ab 21 Uhr oder später.

Wie ihr auf dem zweiten Bild seht, könnt ihr auch ablesen, ob ein Restaurant geschlossen ist oder bereits ausverkauft für den Tag. Falls noch Essen verfügbar ist, seht ihr dort dann auch noch, wie viele Portionen am Start sind — natürlich gibt es keine unbegrenzten Mengen an übrig gebliebenem Essen.

Die Portionen können auch komplett unterschiedlich aussehen: Mal werden konkrete Speisen genannt, die übrig bleiben könnten, mal ist es ein reiner Blindflug. Je nach Restaurant gibt es dann fertig zusammengestellte Boxen oder Tüten mit Essen, in manchen Restaurants könnt ihr euch aus dem noch verfügbaren Essen das gewünschte sogar selbst zusammenstellen. All das erfahrt ihr, wenn ihr in der Liste auf ein Restaurant tippt und euch die Beschreibung reinzieht.

Wie ihr sehen könnt, wird euch da dann auch der Preis genannt. Generell sind die Mahlzeiten mindestens 50 Prozent günstiger als der Normalpreis. Jau, richtig gehört: Ihr beruhigt nicht nur euer Gewissen und bekommt was in den Bauch — ihr spart auch noch Kohle! Bezahlen könnt ihr via Kreditkarte oder Paypal und ein Euro des Preises wandert in die Tasche von Too Good To Go.

Krücke und ich haben uns jedenfalls für euch „geopfert“ und die ganze Nummer mal getestet. Okay, wir haben uns nicht geopfert, sondern waren einfach neugierig und hungrig. Die Wahl fiel aufs Bamboo, wo die „Ware“ ab 21.30 Uhr abgeholt werden konnte. Ich hab vor dem Testen der App mal im Netz geschaut, was andere über Too Good To Go sagen und da war es manches mal wohl der Fall, dass ein Nutzer vor verschlossenen Türen stand oder ein Mitarbeiter überhaupt nicht Bescheid wusste, dass da jemand kommt, der dieses vergünstigte, vorbestellte Essen abholen möchte.

Im Bamboo war das nicht der Fall: Die Angestellten waren auf die App-Nutzer eingestellt (außer uns waren auch noch andere da) und reichten uns gleich jeweils eine leere Box rüber, mit der wir uns dem Büfett zuwenden konnten. Im Spaß hab ich vorher noch gesagt, dass wir da vermutlich nichts vorfinden werden außer zwei Pilzen, ein paar Sojasprossen und einer Schubkarre voll Reis, aber so war es zum Glück nicht.

Wir konnten nahezu aus dem Vollen schöpfen: Knusprige Ente, Rindfleisch, Calamari, Shrimps, Frühlingsrollen, Reis, Kartoffeln, verschiedenes Gemüse und und und — wir konnten unsere Boxen für den Preis von 3,90 Euro also ordentlich vollknüppeln. Das Foto davon kann ich euch leider nicht zeigen, weil ich dumm bin und das Fotografieren vergessen habe ;)

Vermutlich war es nicht das beste asiatische Büfett aller Zeiten, aber alles schmeckte sehr ordentlich und war auch noch warm. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass es mit der Auswahl eng geworden wäre, wenn man 10-15 Minuten nach uns eingetrudelt wäre. Das ist aber auch zu erwarten, wenn man weiß, dass man Reste kauft und dementsprechend solltet ihr am besten zusehen, dass ihr nach einer Bestellung pünktlich auflauft, um euch eure Portion im Restaurant abzuholen.

Auf dem letzten Bild seht ihr unseren Kaufbeleg. Den zeigt ihr im Restaurant vor und lasst ihn entwerten, all das ging auch denkbar unkompliziert über die Bühne. Wir zwei waren jedenfalls für je 3,90 Euro pappsatt und diese Portionen wurden dank Too Good To Go und unseren selbstlosen Fress-Einsatz vor dem elendigen Mülltonnen-Tod bewahrt.

Ach, eins fällt mir noch ein: Sollte sich ein Restaurant mal verrechnen bei der Kalkulation bzw. mehr Essen vorab verkaufen als geplant, bekommt ihr natürlich rechtzeitig per App eine entsprechende Info und die Kosten werden logischerweise nicht berechnet. Ich werde das mal noch mit zwei, drei weiteren Buden ausprobieren, wie die Qualität und die Auswahl dort dann ist, aber ich gehe mal davon aus, dass ihr eben nicht schlimmstenfalls vier Euro für zwei große Löffel voll Reis ausgebt oder ähnliches.

Unser Fazit: Jau, kann man absolut machen – und die Idee dahinter ist großartig

Kommen wir also zum Resümee und das fällt — wie ihr euch denken könnt — sehr positiv aus. Immerhin konnten wir uns für kleines Geld den Bauch vollschlagen und haben dabei noch was Gutes getan, indem diese Lebensmittel nicht verschwendet wurden. Das China-Restaurant hat noch ein klein wenig Geld verdient, statt alles wegwerfen zu müssen, die App-Betreiber sehen auch je einen Euro fürs Vermitteln — eine Win-Win-Win-Situation, wenn ihr mich fragt.

Logisch — wenn man Pech mit den Restaurants hat, was sicher auch vorkommen kann, steht man blöd da. Beispielsweise, wenn eine Portion sehr dürftig ist, sich nichts in der Box findet, was man wirklich mag oder die Auswahl einfach zu gering ist. Bei unserem Test war das aber alles ausgezeichnet und man kann den App-Entwicklern ja sowieso nicht die Schuld in die Schuhe schieben, wenn bei den teilnehmenden Restaurants mal was schief läuft — ganz ähnlich wie bei normalen Bestell-Services wie Lieferando, Lieferheld usw. eben auch.

Ich werde es jedenfalls sicher weiterhin nutzen. Zu den bereits genannten Vorteilen gehört für mich nämlich auch noch dazu, dass man auf diese Weise für kleines Geld mal neue Restaurants ausprobieren kann, die man persönlich noch nicht auf dem Zettel hatte. Lasst mich gern wissen, welche Erfahrungen ihr mit Too Good To Go gemacht habt — von mir gibt es jedenfalls einen fettigen Daumen nach oben ;)

PS: Wer Spaß an dem Gedanken hat, gegen Lebensmittelverschwendung vorzugehen, sollte mal einen Blick aufs Too-Good-To-Go-Blog werfen. Dort gibt es Zahlen zum Thema, Tipps, wie ihr euer Essen zuhause vernünftig lagert und viel mehr Lesenswertes zum Thema.

 

Lieben Dank nochmal an Dennis „Krücke“ Krückhahn für den Tipp :)