Transsion: China-Smartphones ziehen armen Nutzern per Malware das Geld aus der Tasche

Harte Vorwürfe gegen das chinesische Unternehmen Transsion: Per Malware sollen die Smartphones der Chinesen den Besitzern das Geld abluchsen. 

von Carsten Drees am 25. August 2020

Denken wir an chinesische Smartphones, fallen uns jede Menge absolut hochwertige Handsets von Unternehmen wie Huawei, OPPO, Xiaomi, Vivo, OnePlus und so manchem mehr ein. Die Zeiten, in denen man nur billigste Plastik-iPhone-Lookalikes veröffentlichte, sind zumindest für diese Marken längst vorbei.

Das bedeutet aber nicht, dass es nicht immer noch diese chinesischen Hersteller gibt, die äußerst günstige Handsets produzieren. Transsion hat es auf diesem Weg sogar zum Handy-Giganten gebracht. In Deutschland kennen vermutlich die Wenigsten den Namen des Unternehmens oder ihrer vielen Marken, von denen Tecno wohl noch die prominenteste darstellt. In Afrika jedoch ist man ein Smartphone-Riese und hat sogar Schwergewichte wie Samsung und Huawei hinter sich lassen können. Wir berichteten bereits letztes Jahr über Transsions Erfolg in Afrika.

Das funktioniert, weil das Unternehmen preislich so deutlich unterhalb der Konkurrenz agiert, dass viele der bitterarmen Afrikaner zu den Transsion-Geräten greifen. Mittlerweile lassen die Chinesen sogar in Produktionsstätten in Afrika fertigen, um besser auf die afrikanischen Märkte reagieren zu können.

Im Grunde könnte die Geschichte hier zu Ende sein: Chinesisches Unternehmen baut sehr preisgünstige Einstiegs-Smartphones und erobert damit den afrikanischen Kontinent. Aber leider fängt die Story hier im Grunde erst an — bei der Frage, wieso man überhaupt so günstig anbieten kann bzw. wo das Geld stattdessen herkommen könnte, damit Transsion rentabel arbeitet.

An diesem Punkt setzt die Recherche von BuzzFeed News an. Dort wird der Fall des Südafrikaners Mxolosi erzählt, der sich ein sehr preiswertes Tecno W2 zulegte, ein Smartphone von Transsion für umgerechnet etwas mehr als 25 Euro. Der arbeitslose Mann ist eigentlich Samsung-Fan, aber der niedrige Preis, kombiniert mit dem durchaus ansprechenden Design, überzeugte ihn schließlich und er griff zu.

Schon bald merkte er aber, dass mit seinem Smartphone etwas nicht stimmte: Während seiner Chats ploppten Werbebanner auf, selbst Anrufe wurden durch Werbung unterbrochen. Er musste feststellen, dass sein Datenvolumen über Nacht ohne sein Zutun aufgebraucht wurde und er jede Menge Mitteilungen hatte von Apps, die er selbst nicht installiert hatte, die ihn aber dazu drängen wollten, ein kostenpflichtiges Abo abzuschließen.

BuzzFeed News hat sich für seine Recherche auf die Expertise von Secure-D verlassen können und die konnten bei einer eigenen Untersuchung nachweisen, dass auf vielen Smartphones von Transsion bereits Malwares — xHelper und Triada — auf den Geräten vorinstalliert waren bei der Inbetriebnahme. Der harte Vorwurf demnach an Transsion: Die Hardware wurde bereits mit vorinstallierter Malware ausgeliefert.

Die Chinesen weisen natürlich jede Schuld von sich und verweisen darauf, dass jedes Gerät vor der Auslieferung durch mehrere Kontrollinstanzen geht — natürlich durch interne Tests, aber auch externe wie Google Play Protect. Selbst habe man natürlich nichts derartiges vorinstalliert, behauptet ein Sprecher des Unternehmens. Wie man sich das Ganze dann erklären kann? Der Sprecher tippt darauf, dass nicht identifizierte Anbieter im Lieferkettenprozess für die Installation der Malware verantwortlich wären.

Den 40-jährigen Afrikaner dürfte es vermutlich auch herzlich egal sein, wer genau jetzt dafür verantwortlich ist, dass auf einem neu erworbenen Gerät Malware vorinstalliert ist, die dafür sorgt, dass ihm unerwünschte Apps und Werbeeinblendungen das Volumen weglutschen, ohne dass er das Smartphone überhaupt in der Hand hat. Dabei hat Mxolosi noch Glück im Unglück gehabt, weil sich in diesem Fall die Kosten nur auf das verbrauchte Datenvolumen begrenzen. In anderen Fällen wurden eben auch kostspielige App-Abos abgeschlossen, die nochmal größere Löcher in die Kassen der Nutzer reißen.

Und wenn wir schon von den Nutzern sprechen: Zusammen mit den in Südafrika identifizierten Devices wurden Tecno W2-Telefone in Äthiopien, Kamerun, Ägypten, Ghana, Indonesien und Myanmar infiziert. Das sind die Ärmsten der Armen, denen hier das Geld aus den eh schon tendenziell leeren Taschen gezogen wird und der Verdacht steht zumindest im Raum, dass das Teil des Transsion-Geschäftsmodells sein könnte. Bestätigen sich also diese Vorwürfe, würde das bedeuten, dass die niedrigen Preise der Hardware nur dadurch möglich werden, weil man weiß, dass man sich die Kohle auf unschönen Umwegen wieder zurückholen kann.

Der Secure-D-Geschäftsführer Geoffrey Cleaves stellt gegenüber BuzzFeed News fest, dass Transsion-Hardware in Afrika für vier Prozent des erzeugten Traffics verantwortlich ist, die Geräte gleichzeitig aber für über 18 Prozent aller verdächtigen Klicks sorgen. Diese Zahl erhärtet den Verdacht gegenüber Transsion, wenngleich das Unternehmen das selbstverständlich weit von sich weist.

Wenn wir berücksichtigen, dass die Smartphones technisch durchaus mit teureren Modellen mithalten können, stellt man sich zwangsläufig die Frage, woher die Einnahmen generiert werden können. Wohin das Geld fließt, das durch die unerwünschten Apps generiert wird, lässt sich nicht ermitteln, aber damit ist Transsion noch längst nicht aus dem Schneider. Ich schließe mich da den Worten meines Kollegen Christian von WinFuture.de an — der schreibt drüben:

Und selbst wenn Transsion nicht direkt Schuld an dem Problem wäre, wäre Kritik an dem Unternehmen mehr als angebracht. Denn es handelt sich hier keineswegs um einen kleinen Nischen-Anbieter. Durch den Vertrieb billiger Geräte in Entwicklungs- und Schwellenländern gehört man von den Stückzahlen her zur Spitze des Smartphone-Marktes und hat entsprechend auch eine Verantwortung gegenüber den Kunden, dass diese nicht von Schadsoftware ausgenommen werden.

Sehe ich absolut genau so! Transsion hat sich nach Versuchen auf dem heimischen Markt sehr schnell ganz bewusst für günstigste Smartphones in Schwellenländern entschieden, weil man gesehen hat, wie gut das funktioniert. Da man diese Märkte in- und auswendig kennt, weiß man auch, dass viele der Käufer Menschen sind, die sich zum allerersten mal durch diese Smartphones einen Zugang zum Internet verschaffen können und dementsprechend unerfahren sind. Auch hier sehe ich die Verantwortung bei Transsion — selbst, wenn man nicht für das Vorinstallieren der Malware verantwortlich wäre, hätte man dafür Sorge zu tragen, dass die in dem Fall einwandfreie Ware auch genau so einwandfrei und frei von Malware beim Käufer ankommt.

Quelle: BuzzFeed News