European Space Agency and Justyn R. Maund (University of Cambridge)
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Uber: Uberraschende Wende – statt Autosharing nun Bikesharing

von Robert Basic am 27. August 2018

Es gibt immer einen kleineren Fisch, der den Größeren frisst? So könnte die neue Geschichte lauten, die sich mit der strategischen Neuorientierung Ubers aufgetan hat. Der von Skandalen, Taxidemos und Behördenstreitereien weltbekannte Taxi-Dienst muss sich dem zweitmobilsten aller Bewegungsarten geschlagen geben: Dem Fahrrad!

Es begann in China an einer Uni (Manager Magazin):
Dort baute eine Studentengruppe um Dai Wei von 2014 an den Leihdienst Ofo auf – zunächst nur auf dem Campus. Parallel dazu begann Anfang 2015 das von Ex-Uber-Manager Davis Wang und der Journalistin Hu Weiwei angeführte Mobike mit dem Verleih von Fahrrädern mit GPS-Sender zu experimentieren.

Die ganze Story zum Wettrennen der Leihradanbieter beim Manager Magazin.

Und dann? Die Folge war eine explosionsartige und ziemlich chaotische Ausbreitung von unzähligen Leihdiensten. Erst ploppte ein Dienst nach dem anderen in China hoch. Dann schwappte der Hype über Asien nach USA und Europa über. Übriges, das dürfte eine historische Premiere sein: von China ging ein moderner Hype rund um den Globus. Von wegen Silicon Valley.

Wenn der Mensch eines mag, dann Bequemlichkeit in Armlänge Entfernung. So werden die Räder egal wo abgestellt und wieder benutzt. Sorgenlosigkeit fördert die Nutzung, so doof das auch klingen mag. Auf englisch wir das gerne unter Conveniance subsummiert. Eine Art Erfolgsgarant für die Durchsetzbarkeit von Ideen und Diensten. Aber es gibt ein Problem: Leider werden die Räder irgendwo lieblos liegen gelassen. Wir alle kennen die Straßenbilder von ätzend abgestellten Rädern der quasi-namenlosen Bikesharing-Dienste, die wie von Geisterhand eines Tages über die Stadt hinweg aufgestellt wurden. Wir kennen im heftigen Verdrängungswettbewerb der zahlreichen Copy-Cats die pleite gegangenen Dienste wie OBike Deutschland. Die von verärgerten Ordnungsämtern eingesammelt und für 69 Euro verscherbelt werden. Ofo, die globale Nr. 1, zieht sich aus Deutschland mangels Erfolg zurück. Warum das? Als Erklärung gilt die ähnlich aggressive Strategie Ofo, Städte wie OBike mit Rädern zu überfluten. Andere Bikesharer gehen nicht so überfallartig in die Städte rein. Und beißen sich mit dieser sanfteren Methode dauerhafter fest.

Was war aber der Effekt für Ridesharer wie Uber oder Didi? Neutronenbombe:=) „Der Bikeboom hat Didi & Co. kalt erwischt. Die Auslastung des chinesischen Taxidienstes soll in einigen Städten regelrecht eingebrochen sein. 30 Prozent der Radfahrten ersetzen einer Studie zufolge das Taxi. Bei Uber haben sie ausgerechnet, dass in Metropolen wie San Francisco bis zu 40 Prozent der Uber-Buchungen unter vier Kilometer liegen – jenem Bereich also, in dem die Leihräder hauptsächlich genutzt werden. Preislich haben die Fahrdienste gegen die neuen Angreifer keine Chance. Sie sind deutlich billiger.“ (Manager Magzin)

Und Uber hat jetzt reagiert. Der kürzlich installierte CEO und Aufräumer Dara Khosrowshahi hat gegenüber der Financial Times zugegeben (paid wall, siehe BBC), die Uber-Strategie auf längere PKW-Strecken zu fokussieren und dafür Kurzstrecken – die bisherige Domäne der PKW-Uber-Fahrten – auf Bikesharing umzustellen.

Unterm Strich? Wer hier mitgelesen hat, kennt unsere Trumpfzahl: Die meisten Wegestrecken in Deutschland sind deutlich unter 10 km lang, mit dem PKW um 6 km, zu Fuß und dem Rad noch kürzer. Dennoch macht die PKW-Kurzstreckennutzung den größten Anteil aus.

Genau darauf basiert das systemische Problem: Ohne hinreichende Fahrrad-Dichte wird das Rad ungerne genutzt. Genau das wird mit diesen chaotisch anmutenden Diensten bereinigt. QR-Code einscannen, Aufsatteln, Absteigen, fertig. Egal wo, egal wie.

Heißt für Uber: Geringere Umsätze pro Fahrt x Mehr Fahrten mit dem Rad pro Tag als mit dem Uber-Auto = mehr Umsatz unterm Strich. Geht die Rechnung auf, gewinnen wir etwas für die Umwelt. Verlieren etwas an aufgeräumten Stadtbildern. Und Uber steht etwas besser für den geplanten Börsengang da, da sie ähnlich wie Tesla Rekordverlustbringer sind.

Copyright Titelbild: European Space Agency and Justyn R. Maund (University of Cambridge). Das Bild zeigt einen  Roten Riesen, wie er von einem Blauen Zwerg förmlich ausgesogen wird. Es sind wie gesagt nicht immer die größeren Fische.