Kind auf Parkbank mit verpixeltem Gesicht

Umfrage der Woche: Darf man Kinderfotos im Netz veröffentlichen?

Aktuell macht ein Thema wieder die Runde im Netz: Dürfen wir Fotos unserer Kleinen bei Facebook oder im Netz generell veröffentlichen oder nicht? Die Polizei in Hagen hat mit einem Posting dazu einen viralen Erfolg gelandet und wir wollen nun eure Meinung dazu hören.

Man spricht so gerne von Säuen, die durch Internet-Dörfer getrieben werden und das Thema, ob Kinderfotos was bei Facebook oder sonstwo im Netz zu suchen haben, gehört zweifellos dazu. Nicht zum ersten Mal entbrennt diese Debatte, was Eltern tun sollen und was nicht, in diesem Fall wurde das Thema neu von der Polizei NRW Hagen auf Facebook aufgegriffen. Die Thematik scheint aktuell viele Menschen zu interessieren, denn dieser Beitrag wurde mittlerweile fast 245.000 Mal geteilt worden, es gibt über 137.000 Likes und mehr als 4.400 Kommentare unter dem Foto, welches mit folgendem Text versehen wurde:

Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook und Co zu posten! – Auch Ihre Kinder haben eine Privatsphäre! Ein Schnappschuss am Strand oder nackt badend im Planschbecken: Viele von Ihnen veröffentlichen Bilder von ihren Kleinsten bei Facebook und Co. Und das nicht selten für jedermann sichtbar, also völlig ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen bei den Privatsphäre-Einstellungen Vielleicht finden Sie die Fotos heute süß, Ihrem Kind sind sie in ein paar Jahren aber endlos peinlich. Oder Ihr Kind wird damit sogar gemobbt. Noch schlimmer: Pädophil veranlagte Menschen bedienen sich solcher Fotos und nutzen sie für ihre Zwecke bzw. veröffentlichen sie an anderer Stelle.

Auch ihre Kinder haben eine Privatsphäre. Kinderfotos haben in sozialen Netzwerken grundsätzlich nichts zu suchen. Denn das Internet “vergisst” nichts. Zeigen Sie die Bilder von Ihren Kleinsten der Oma, dem Opa, der Tante, dem Onkel, Freunden und Bekannten lieber persönlich. Es ist doch auch viel schöner, gemeinsam darüber zu sprechen und zu schmunzeln. Danke! Polizei Nordrhein-Westfalen Hagen

Kinderfotos auf Facebook

Wie ihr euch denken könnt, gab es riesigen Zuspruch: Gleich Hunderttausende pflichteten der Polizei bei und nicht wenige forderten, dass Bilder vom eigenen Nachwuchs pauschal so überhaupt nichts im Internet zu suchen hat. Dabei ist vermutlich dem ein oder anderen jedoch entgangen, dass die Polizei in Hagen in ihrer Botschaft eine Einschränkung formuliert und davon spricht, dass Fotos der Kinder lediglich nicht “für jedermann sichtbar” bei Facebook landen sollten.

Alles in allem wundert es mich nicht, dass so viele Menschen applaudieren und ihr “Richtig so” unter das Bild posten, mir ist das aber ehrlich gesagt eine Nummer zu platt und zu sehr auf Panikmache bedacht, was die im Social Media-Bereich nicht unerfahrenen Cops aus Hagen in Westfalen da veröffentlicht haben. Wieso geht man die Geschichte nicht differenzierter an? Spricht vielleicht weniger im Befehlston und nimmt die Eltern stattdessen eben nicht nur in die Verantwortung, sondern lässt nebenbei auch durchblicken, dass man verschiedene Möglichkeiten hat, damit umzugehen.

Ein lieber Freund aus Bremerhaven zum Beispiel (ich glaube, der macht auch irgendwas mit Tech-Blogging) zeigt seinen Sohn durchaus auf Facebook herum, achtet dabei aber stets darauf, dass das Gesicht des kleinen Mannes nicht zu sehen ist. Er sagt aber auch gleichzeitig, dass das eben seine Entscheidung und die seiner Frau ist und nicht etwa das, was allgemein gültig sein sollte – jedes Elternpaar muss das für sich selbst abwägen, was in Ordnung ist und was nicht.

Die Pädophilen-Karte kann man generell schon mal nicht ausspielen, wenn ein dick vermummtes Kind im Kinderwagen liegt oder ähnliches und ehrlich gesagt glaube ich auch nicht, dass ein Kinderfoto von mir im Netz dazu führen könnte, dass ich mich gemobbt fühle bzw. mobben lassen würde. Mag sein, dass man das als 12- oder 13-Jähriger ein wenig anders sieht, aber gemeinhin sind  Reaktionen auf Fotos von kleinen Kindern ja eher “oh wie niedlich” als “Haha, wie sieht er denn aus?”. Aber wie gesagt: Das seht ihr vielleicht komplett anders als ich und das ist Grund genug, dass wir in dieser Woche mal herumfragen, wie eure Meinung zu diesem heiklen Thema ist.

Glaubt ihr, dass Fotos eurer Kinder durchaus was im Internet was zu suchen haben oder nicht?

Ich habe beispielsweise Meinungen von Menschen gelesen, die sich wie folgt äußern: “Ich treffe jeden Tag Entscheidungen für meine Kinder und tue es auch in diesem Fall”. Damit widersprechen sie dem Ansatz der Fraktion von Menschen, die im Sinne der Polizei Hagen wünscht, dass es die Kinder eines Tages selbst entscheiden, ob sie diese Sachen im Netz haben wollen oder nicht. An diesem Punkt ist auch durchaus was dran: Wäre meine Mama nicht gewesen, wäre ich sicher auch mal mit den nagelneuen Fußballschuhen mit Schraubstollen in die Schule gegangen und hätte mich komplett zum Löffel gemacht – sich lächerlich machen geht nämlich auch prima ohne Internet. Eltern, denen was an den eigenen Kindern liegt (und das sollten ja im Grunde alle Eltern sein) sollten von Haus aus ein gesundes Maß finden: Wo muss man sein Kind schützen und was kann man ihm zumuten. Und mal ehrlich: Bei den öfters kruden Ideen bezüglich der Auswahl der Vornamen ist die größte zu erwartende Schande für so manche Kinder sicher kein im Netz veröffentlichtes Foto im Sandkasten.

Ich habe aber als Mann ohne eigenen Nachwuchs leicht reden und möchte das Feld deshalb nun euch überlassen. In unserer Umfrage der Woche möchte ich von euch wissen, ob ihr pauschal für oder gegen Kinderfotos im Netz seid, oder ob ihr das vielleicht lieber dosiert tut, indem ihr nur bestimmte Bilder hochladet und entsprechende Privatsphäre-Einstellungen nutzt, um die Bilder auch nur ausgewählten Kreisen zugänglich zu machen. Wir sind natürlich schwer gespannt auf eure Wahl und würden uns zudem freuen, wenn ihr eure Meinung dazu in unseren Kommentaren kundtut, da man dieses brisante Thema ja absolut unterschiedlich und differenziert sehen kann:

Artikelfoto: Vitalinka auf Fotolia