Baby bedient das Touch-Display eines iPads

Umfrage: Ist ein Apple iPad in Baby-Händen Kindesmissbrauch?

Gibt man Kleinkindern im Alter bis zu zwei Jahren ein iPad in die Hand, ist das vergleichbar mit Kindesmissbrauch! Diese These vertritt der britische Psychologe Dr. Richard House. Wir wollen von euch wissen, ab wann ihr eure Kinder an Touchscreens lasst bzw. lassen würdet.
von Carsten Drees am 24. September 2015

Schöne neue Welt – so denke ich zumindest, also derjenige, der hier jeden Tag über neue Technologien berichten darf und der in einer Zeit groß geworden ist, in der ein Atari 2600 das höchste der Tech-Gefühle war. Allerdings ging ich schon zur Schule, als mein Dad irgendwann diese Konsole anschleppte und ich hab keine Ahnung, ob er uns Jungs da ran gelassen hätte, wären wir noch jünger gewesen.

Heute werden Kids groß in einer komplett anderen Welt, die einem Technik-Wonderland gleicht. Spielzeug-Autos blinken und lärmen deutlich besser als früher, es gibt einen Berg unterschiedlicher Konsolen und Computer, die auch kindgerechte Inhalte am Start haben und nicht zuletzt gibt es die wundervolle Möglichkeit, mit lediglich einer Berührung auf dem Bildschirm Aktionen auslösen zu können.

Um Letzteres soll es hier jetzt auch in der Folge gehen bzw. um die Frage, wann man denn nun seinen Nachwuchs an so ein Tablet oder ein Smartphone mit Touchscreen heran lässt. Ich muss bei diesem Thema immer an Babies oder Kleinkinder denken, die in einem Magazin blättern und die gleichen „Touch“-Gesten ausprobieren, die sie vom iPad kennen.

Babies am iPad: Kindererziehung oder Kindesmissbrauch?

Die Meinungen gehen nicht nur auseinander bei der Frage, ab wann man seinen kleinen Sohn oder seine Tochter an ein Touch-Panel lassen darf, sondern schon an dem Punkt, ob kleinere Kinder überhaupt in Kontakt mit dieser Technik kommen sollten. Während Kunstpädagoge Prof. Dr. Georg Peez von der Frankfurter Goethe-Universität der Meinung ist, dass die Bedienung eines Touchscreens den  frühkindlichen Bewegmustern entspricht, wenn sie beispielsweise mit Brei auf dem Tisch herumschmieren.

Deutlich weiter verbreitet ist aber wohl der Standpunkt, dass die ganz Kleinen noch nicht ans iPad oder an andere Tablets gelassen werden sollten. Dieser Meinung ist auch einer der führenden britischen Kinder-Psychologen Dr. Richard House (Dr. House-Witze einfach dazu denken), der sogar davon spricht, dass ein Tablet in den Händen eines Babies gleichzusetzen ist mit Kindesmissbrauch:

To confuse children when they have hardly begun to get a handle on this world, by introducing them to virtual, techno-magical worlds, is surely an absurd reversal of the natural order of things. If this is the case with adults, how much more is it relevant to young children whose brains are still at very early stages of development. It seems that the arrogance of modern technology (together with ruthless commercialism) knows no bounds. On the basis of what I’ve argued here, giving iPads to babies is tantamount to child abuse. Dr. Richard House, Kinder-Psychologe

Er spricht davon, dass Eltern russisches Roulette spielen mit der Entwicklung ihrer Kinder, weil sie auf diese Weise ein gestörtes, falsches Bild ihrer Umwelt erhalten. In einem Alter, in dem ein Kleinkind jeden Tag für sich neue Wunder entdeckt und jedes Anfassen, jeder Griff nach einem Objekt etwas aufregend Neues ist, wäre es also kontraproduktiv, wenn dieses Lernen auf einem Touch-Display stattfinden würde. Bei Angeboten, die explizit für kleine Kinder gedacht sind, spricht Dr. House daher von der Arroganz der modernen Technologie, gepaart mit rücksichtsloser Kommerzialisierung.

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Wie ihr vielleicht wisst, bin ich kein Vater, kann seiner Argumentation aber in weiten Teilen folgen. Zum Lernen und Begreifen gehört für mich dazu, dass man auch andere Erfahrungen macht: Wie fasst sich etwas an, wie schwer ist es, was kann ich in meiner Hand damit machen und – gegebenenfalls – wie schmeckt irgendwas? Haptik kann man so eben nicht auf einem Touch-Display simulieren, und das ist eben der Punkt, an dem ich auch denke, dass zumindest die ganz Kleinen nicht an ein solches iPad gehören. In die gleiche Kerbe haut auch die deutsche Initiative Schau Hin:

Mit Apps für Tablet und Smartphones ist der elektronische Spielspaß schon für die Allerjüngsten leicht erreichbar. Doch ist es ratsam, dass Kinder unter drei Jahren auch ausreichend Zeit und Möglichkeiten haben, zunächst die Welt um sich herum mit allen Sinnen wahrzunehmen und zu erkunden. Vorrangig für eine gesunde Entwicklung sind direkte Erfahrungen und der direkte Austausch mit Eltern, Erziehern und anderen Kindern. Konfrontieren Sie Ihr Kind deshalb nicht zu früh mit elektronischen Medien. So kommen die Erfahrungen in der realen Welt nicht zu kurz und die digitale Spielewelt überfordert nicht. SCHAU HIN! empfiehlt: Spielen am Tablet oder Smartphone nicht unter drei Jahren.

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Drei bis sechs Jahre als Alter, in welchem man den Nachwuchs erstmals auf Touch-Devices loslässt? Ja, mit der Empfehlung kann ich mich – wie gesagt als Außenstehender – absolut anfreunden. Nachdem ihr jetzt wisst, wie ich darüber denke, möchte ich nun aber eure Meinung dazu hören bzw. lesen. Allerdings frage ich jetzt nicht explizit danach, ob ihr die iPad-Nutzung ebenfalls für Kindesmissbrauch haltet, sondern frage stattdessen ab, ab welchem Alter ihr es für richtig haltet, dass sich Kinder zusammen mit ihren Eltern mit so einem Tablet- oder Smartphone-Display auseinandersetzen dürfen. Wenn ihr eure Erfahrungen diesbezüglich schon gemacht habt, könnt ihr uns die in den Kommentaren selbstverständlich gerne mitteilen. Bei den Optionen gebe ich einen Spielraum von 0-9 Jahren vor – ab zehn Jahren denke ich, dass man keine Bedenken mehr haben dürfte, Kinder zumindest kurzzeitig und unter Aufsicht an solche Geräte zu lassen, damit sie sich eben auch mit diesen Technologien vertraut machen können.

Quelle: Sun via Cult of Mac