Umwelt-Doku “2040 – Wir retten die Welt!”: Manchmal muss es eine Zuckerguss-Feel-good-Utopie sein

Wie könnte unsere Zukunft im Jahr 2040 aussehen? Diese Frage stellt Damon Gameau in seiner Doku und zeichnet ein hoffnungsvolles Bild. Ein vielleicht etwas naiver, zu positiver Blick auf die Welt von morgen - aber einer, der zwischendurch einfach mal gut tut. 

von Carsten Drees am 28. September 2020

Es ist derzeit einfach hart, wenn man aktuelle Nachrichten und Magazine verfolgt. Angesichts der aktuell wenig erbaulichen Nachrichtenlage bzw. der Situation, in der sich der Planet und die Gesellschaft befinden, pendle ich da ständig zwischen Decke-über-den-Kopf-Ziehen, Leute-in-Kommentarspalten-Beschimpfen und Amoklaufen.

Dabei ist es ja im Grunde gar nicht so aussichtslos, wie sich unsere Welt voller Nationalisten, Populisten, Umweltverschmutzern und Lobbyisten uns zumeist präsentiert. Man muss nur die richtigen Dinge tun, und mit “man” sind tatsächlich alle gemeint: Wir als Gesellschaft, vor allem aber eben auch die Regierungen dieser Welt und die Industrie.

Ich muss zugeben, dass mich die Nachdenkerei über viele der Probleme noch schlechter schlafen lässt als sowieso schon und so klammere ich mich an wirklich jeden Strohhalm, der mir verspricht, die Welt ein Stückchen besser zu machen. Wenn eine von Kindern gegründete Klima-Bewegung so groß wird, dass alle Regierungen diese nicht mehr ignorieren können, keimt bei mir die Hoffnung. Ebenso, wenn man sieht, wie Schwarze in den USA einen Protest initiieren, der um die ganze Welt zieht und der in der Tat dafür sorgt, dass wir alle uns bezüglich Rassismus hinterfragen.

Mit dieser Hoffnung kann es ruckzuck wieder vorbei sein, wenn man unter einem einschlägigen Bericht die Kommentare liest, klar. Aber genau deswegen brauche ich manchmal meine eigenen Utopie-Inseln, auf die ich mich zurückziehen kann: Leute, die mir gut tun und die ähnlich denken wie ich. Diese Arbeit hier, die mich eben auch über viele tolle Innovationen berichten lässt. Und manchmal reicht auch schon ein Dokumentarfilm, der mich 90 Minuten den ganzen Scheiß vergessen lässt und mir Hoffnung gibt, dass wir das Ruder doch noch herumgerissen bekommen.

Genau so eine Doku habe ich mir eben angesehen mit “2040 – Wir retten die Welt”. Damon Gameau wirft hier einen Blick in die Zukunft und zeichnet dabei ein sehr utopisches Bild, welches vielleicht ein bisschen blauäugig und naiv daherkommt ,aber genau dadurch einen schönen Gegenpol gegen die vielen Dystopien darstellt. Hier ist der Trailer:

Die Idee des Filmes: Damon Gameau, dessen Doku “Voll verzuckert” ihr vielleicht schon kennt, denkt darüber nach, in welcher Welt seine kleine Tochter mal leben wird. Wie wird die Welt aussehen im Jahr 2040, wenn sie bereits eine Frau Mitte Zwanzig ist. Angesichts unendlich vieler Dystopien und der erschreckenden Bilder aus den Nachrichten wollte er aber ein bewusst hoffnungsvolles Bild zeichnen. Er beschließt, einen Film zu machen, der so etwas wie eine Video-Botschaft an seine Tochter ist und zeigen soll, dass es viele Wege gibt, nachhaltiger zu leben und gesellschaftlich fairer miteinander umzugehen.

Deswegen hat er nicht einfach drauflos gesponnen, wie es 2040 um die Welt bestellt sein könnte, sondern konzentrierte sich auf Ideen und Technologien, die es heute bereits gibt und die irgendwo bereits zum Einsatz kommen.

Bis 2040 könnte das Zusammenleben auf der Erde nachhaltig verbessert werden, wenn Haushalte ihre eigene Energie herstellen, wenn der Autoverkehr durch Sharing-Modelle und selbstfahrende Autos ersetzt und Platz für Parkanlagen und Urban Gardening frei wird. Die Landwirtschaft könnte mit neuen Methoden einen erheblichen Beitrag leisten und den CO2-Spiegel in der Atmosphäre senken und auch im Meer könnten wir der akuten Bedrohung entgegenwirken. Wir müssen nur bereit sein, jetzt gemeinsam für eine bessere Welt zu arbeiten und neue Wege einzuschlagen. Mit verantwortungsvollem Handeln können wir eine lebenswertere Welt erschaffen.

Wer sich mit diesen Themen schon länger und eindringlich beschäftigt, wird vermutlich nicht Vieles in diesem Film finden, der sehr weichgespült diese Ansätze aneinanderreiht und zwischendurch Kinder in verschiedenen Ländern zu ihren Wünschen für die Zukunft befragt. Es ist eher ein Feel-Good-Film, der die Hoffnung verbreitet, dass Lösungen, die jetzt bereits im Kleinen funktionieren, binnen 20 Jahren zu globalen Lösungen anwachsen können, die wir selbstverständlich nutzen.

Ein Beispiel ist dabei die Stromversorgung in Bangladesch, wo die staatliche Versorgung mit Strom mehr schlecht als recht läuft. Als Folge daraus besitzt das Land die meisten Solarsysteme weltweit. Das Social Start-Up Solshare macht sich das zunutze und ist von Berlin nach Bangladesch umgezogen, um dort seine Idee unters Volk zu bringen: Die Möglichkeit, verschiedene Solarsysteme zusammenzuschalten und den Leuten innerhalb dieser Netze die Möglichkeit zu geben, mit Strom handeln zu können. Das hat die Vorteile, dass die Stromversorgung besser und unabhängiger wird und zudem neue Einnahmemöglichkeiten geschaffen werden. Vielleicht ein Thema, dem wir uns nochmal ausführlich annehmen sollten.

Im Laufe des Filmes wird über Ernährung gesprochen, über den Verkehr der Zukunft und über Lebensmittel, die direkt in den Städten angebaut werden können. Wie gesagt: Verschiedene Ansätze, die allesamt nicht neu sind, die hier aber sehr angenehm aneinandergereiht werden. Zwischendurch gibt es immer wieder fiktive Zeitreisen ins Jahr 2040, wo wir dann zu sehen bekommen, wie die Welt aussehen würde, wenn all diese Ideen auf globalem Level umgesetzt würden.

In der Summe ist das alles sehr kurzweilig erzählt, bisweilen aber auch ein bisschen naiv und zu übertrieben positiv dargestellt. Ich tippe aber mal, dass genau das die Intention war, um den Dystopien etwas entgegenzusetzen. Dennoch würde ich diese Doku aber jedem empfehlen, der sich für die Thematiken interessiert und der mal einen kleinen, erfreulichen Blick in die Kristallkugel werfen möchte.

Mag sein, dass die Welt im Jahr 2040 komplett anders aussehen wird als hier skizziert. Vielleicht haben wir den ganzen Bums auch schon 2030 komplett in die Luft gejagt. Aber darum geht es in dieser Doku nun mal nicht. Auch nicht darum, dass es vielleicht eher so mittel-konsequent ist, 90 Minuten von Nachhaltigkeit zu reden und dafür aber komplett um den Globus zu fliegen.

Für mich funktioniert “2040 – Wir retten die Welt” auf zweierlei Arten: Wer noch nicht gut im Thema ist, kann diesen Streifen quasi als Einstiegsdroge nutzen. Wer sich nach dem Schauen im Netz umschaut und sich dabei an den Beispielen aus dem Film entlanghangelt, bekommt jede Menge mit, um diese Themen zu vertiefen.

Wer sich aber schon länger mit den Themen Klimawandel, Urban Gardening, Städte von morgen usw befasst, bekommt hier einfach aufbereitet nochmal einen Gute-Laune-Push, so etwa wie eine Mischung aus einem Zuckerschock und einer wohlig warmen Kuscheldecke. Ich bilde mir ein, von den Themen ein bisschen Ahnung zu haben und fand dementsprechend nicht viel Neues in der Doku. Dennoch haben mich diese 90 Minuten komplett da abgeholt, wo ich war: Angenervt von dystopischen Prognosen, voller Zukunftsangst und wütend auf so viele dumme Kommentatoren im Netz. Mich hat der Film also wieder neu motiviert, mich künftig noch mehr mit diesen Themenfeldern zu beschäftigen und auch davon zu berichten und mich gleichzeitig auch wieder richtig aufs Gleis gesetzt in einer Phase, in der ich mir eigentlich lieber die Decke über den Kopf ziehen wollte.

Gebt dem Film also ruhig mal eine Chance, egal ob ihr euch noch nie großartig damit befasst habt, oder eben voll im Thema seid. Nehmt auch gerne eure Kids mit dazu — viel besser kann man seinen Nachwuchs vermutlich nicht dazu motivieren, selbst bereits im jungen Alter einen nachhaltigeren Lebensstil zu entwickeln.

Amazon-Prime-Mitglieder können sich den Film kostenlos auf Prime reinziehen, ansonsten bekommt ihr ihn aber auch online gekauft, beispielsweise bei Google/Youtube. Wer mag, kann natürlich auch zur DVD bzw. Blu-Ray greifen und ihr könnt sogar Glück haben, dass der Film in heimischen Kinos auf dem Programm steht.

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