Und der grosse Verlierer 2016 ist… Apple!

Amazon, Facebook, Google und Microsoft zeigten in den letzten Monaten mehr als offensichtlich auf, warum Apple der grosse Verlierer des Jahres 2016 ist. Und wahrscheinlich auch in den kommenden Jahren. Der Versuch einer fuerchterlich subjektiven Analyse.

Microsofts BUILD Konferenz ist Geschichte, die Facebook F8 vorbei und heute neigt sich die Google I/O 2016 dem Ende zu. Zeit ein wenig Bilanz zu ziehen und schon vorab das Ergebnis dieser polemisch angehauchten und keinesfalls objektiven Analyse zu veroeffentlichen. Ja, bereits zum Ende des Wonnemonats Mai darf man wohl verkuenden, dass Apple als der grosse Verlierer des Jahres feststeht.

Aber die verdienen sich doch dumm und dusselig! Und ueberhaupt, selbst das medial so ausgeschlachtete letzte Quartal hat noch derartig viel Geld in Cupertinos Kassen gespuelt, dass sich diverse Konkurrenten wuenschen wuerden, dies in einer Jahresbilanz ausweisen zu koennen.

Steve-JobsAch, ich kann es nicht mehr hoeren. Profit als alleiniger Indikator fuer den Erfolg eines Projektes, einer Unternehmung, einer Idee. Ja, Idee. Denn damit fing schliesslich alles an. Bei Amazon, bei Facebook, Google, Microsoft und natuerlich auch bei Apple. Damals, in der Garage, als 2 Geeks die Welt veraendern wollten und die Gabe hatten, ganz weit in die Zukunft zu schauen. Kristallkugel-Alarm. Klar! Aber ohne eine waschechte Vision kannst du dich auch gleich einbuddeln oder auf die Couch verziehen und die vom Staat zugesicherte Grundversorgung geniessen. Dieser Antrieb die Welt ein Stueckchen zu veraendern, genau dies haben all die Gruender der zuvor genannten Firmen gemeinsam. Hatten… zumindest im Fall Apple.

Apple macht keine Fehler. Apple, das ist Perfektion!

Wozniak vor Dekaden ausgebootet und Jobs viel zu frueh aus dem Leben gerissen. Apple macht inzwischen auf mich den Eindruck eines “Dead man walking”, eines Industrie-Zombies, der vor Geld kaum laufen kann, von den Entwicklungen ueberholt wurde und dieses riesige Problem mit der Selbstreflektion mit sich rumschleppt.

Apple macht keine Fehler. Apple, das ist Perfektion. Und wenn euch Tim Cook sagt, dass Indien der naechste grosse Markt fuer Cupertino wird, dann nickt ihr das wie eine brave Herde Kuehe ab und schaut beruhigt aufs eigene Portfolio. “Hey, der Buffet ist ja auch eingestiegen und seitdem darueber berichtet wurde, geht es doch wieder aufwaerts!”. Ne, ist er nicht. Ein Manager seiner Firma Berkshire hat zugeschlagen und es gibt keinen Hinweis darauf, wann dies geschah. Vor 4 Wochen stand Apple noch bei $112 und jetzt bei 94. Wohlgemerkt ist die Aktie seit der Bekanntmachung des vermeintlichen “Buffet Investments” um $4 gestiegen. Aluhut auf und ab in die Kommentar mit euch… es gibt viel aufzuarbeiten.

The great India swindle

Inder kaufen ungern ihre Smartphones im Vertrags-Bundle! Eine vergleichbare Erfolgsstory wie mit China Mobile ist daher unmoeglich

Indien ist uebrigens ein ganz wichtiges Thema, denn das was Tim Cook da auf seiner PR-Tour in Interviews von sich gibt, das ist nicht mehr als eine billige Beruhigungstour fuer die Investoren und so fernab der Realitaet auf dem Subkontinent, dass es mir die Fussnaegel hochrollen laesst. Letzten Monat noch erklaerte Cook, dass Indien auf dem Stand Chinas vor 10 Jahren waere. Aehm? Wo war er denn dann bitteschoen? In nem 5-Sterne Hotel oder eine Shopping Mall? Die durchschnittliche Wirtschaftsleistung pro Kopf ist mal eben 1/3 niedriger als im China des Jahres 2006, aber nicht nur das…. Inder kaufen ungern ihre Smartphones im Vertrags-Bundle! Eine vergleichbare Erfolgsstory wie mit China Mobile ist daher unmoeglich. Zumal mehr als 2/3 der im letzten Jahr verkauften Smartphones unter $150 kosteten. Ja ich gehe sogar soweit und sage, dass die Musik in Indien weit unter $100 liegt. Kann man wissen Mr. Cook, nur dann muss man auch mal die Hotelanlage verlassen.

Verdammt, jetzt ist es also doch wieder geschehen. Ich lasse mich ueber den Aktienkurs aus und verlasse den Pfad der Visionaere, der Gruender und der Menschen, die das unmoegliche moeglich machen wollten.

Aber genau das beschreibt den Zustand Apples. Das unglaublichste Produkt der letzten Jahre ist etwas, das noch Steve Jobs mit auf den Weg gebracht hat und nein, ihr koennt es noch nicht einmal kaufen, geschweige denn im Apple Store bewundern. Es ist der neue Apple Campus, der aus der Vogelperspektive betrachtet aussieht, wie ein Hybrid aus einem in Beton gegossenen Mega-Donut und einem Bauwerks, welches ganz klar Hinweise auf einen extraterristrischen Architekten gibt.

Aber sonst? Die Cashcow iPhone befindet sich in einem globalen Abwaertsstrudel, das vermeintliche “next big thing” Apple Watch ist ein Rohrkrepierer und inzwischen werden schon mehr Chromebooks verkauft als Macs. Immerhin legt man bei den Services zu, was nicht zuletzt an dem Erfolg von Apple Music liegt. Einer Spotify-Kopie.

Amazon, Facebook, Google & Microsoft machen es vor

Und waehrend in Cupertino Kollege Cook durch den Geldspeicher krault, gestalten die Wettbewerber ihre und unsere Zukunft. Was Amazon, Facebook, Google und Microsoft in den letzten Monaten in Bezug auf AI, Machine-Learning, Chatbots, Ambient Computing, Virtual Reality und IoT gezeigt haben, das findet offenschtlich bei Apple nicht statt. Zumindest hat man nicht die geringste Vermutung, als dass die Kalifornier in diese Richtung grosses planen wuerden. Wobei, die WWDC steht ja vor der Tuer und Apple koennte mich dort Luegen strafen und auf einmal eine voellig neue Strategie praesentieren. Nur wer glaubt bitteschoen daran?

Der vermeintlich grosse Launch wird im September stattfinden. Cook praesentiert dann sein iPhone 7 und das schaut nicht nur genauso aus wie die Vorgaenger, man kann damit auch nichts anderes machen. Content, Apps und Services konsumieren. Am liebsten die Angebote von Apple natuerlich. Ach ok, ihr bekommt ne besserer Kamera, mehr Akkulaufzeit, es ist schneller und ueberhaupt, es ist irre amazing, awesome, incredible und… hach, was war noch einmal das Killerargument fuer Produkte aus Cupertino? Ich habs gleich… richtig, MAGICAL!

All dies findet statt, waehrend die Konkurrenz an der Welt von Uebermorgen arbeitet. Einem Zukunftsszenario, welches Informationen und Prozesse von derartigen Endgeraeten entkoppeln wird. Grundlagenforschung und Entwicklung, die uns naeher an diesen beruehmten Star Trek Computer bringen wird und der uns dann irgendwann einmal die vermeintlich wichtigsten Fragen beantworten und Aufgaben abnehmen wird.

Bleibt fuer Apple nur zu hoffen, dass sich folgender Dialog so niemals abspielen wird:

“Cortana, was ist eigentlich aus Apple geworden?”

Cortana: “Keine Ahnung, ich frag mal Google Home!”

“Google Home, was ist eigentlich mit Apple passiert?”

Google Home: “Uff, gute Frage. Ich ping mal Alexa an, die kennt sich damit aus.”

“Sag mal Alexa, wer oder was war noch mal Apple?”

Alexa: “Gibt es die noch? Ich hatte mal ne Freundin, Siri, die meinte sie haette keinen Bock mehr darauf bei nem Uhrmacher zu arbeiten.”

Update: Ich moechte an dieser Stelle nich auf einen lesenswerten Kommentar verweisen, der einen Tag nach meinem Artikel veroeffentlicht wurde. Marco Arment, der ehemalige Chef-Entwickler von tumblr und Macher von Instapaper, geht in einem Blogposting ebenfalls auf dieses Thema ein.