Don Dahlmann
Verändert China den Automarkt?

Die Verkäufe in China dominieren den weltweiten Automarkt und die Hersteller sind hochgradig abhängig von diesem Markt. Das ist nicht ungefährlich.

Für alle Autohersteller ist China der wichtigste Wachstumsmarkt. Von VW weiß man, dass schon 45% der gesamten Produktion in China verkauft werden. Das sieht bei anderen Herstellern ähnlich aus. So verkauft zum Beispiel Audi in China mittlerweile mehr Kompaktwagen, als in Deutschland. Aber auf dem chinesische Markt herrschen andere Gesetze, als in Europa oder in den USA. Die Käufer sind jünger, der Anteil an Luxusautos ist größer. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass etliche Hersteller, die nicht nur als Importeure unterwegs sind, mittlerweile eigene Modellvarianten für den dortigen Markt herstellen.

Vor allem im Luxus-Segement kommt man gar nicht drumherum, eigene Modellvarianten herzustellen. Chinesische Käufer neigen dazu eher die „Lang“ Varianten von Audi, BMW und Mercedes zu kaufen. Je mehr Platz im Fond herrscht, desto besser und die quasi schon obligatorischen Bildschirme dürfen auf dem Rücksitz nicht fehlen, sonst hat man kein Premium Auto gewählt. Dementsprechend sieht zum Beispiel auch das Produktportfolio von Audi in China aus. Während es vom A1, A3 und A4 zusammen acht Modelle gibt, bekommt man vom A5 allein weitere acht Modelle. A6/A7 stellen weitere sechs Modelle, dazu vier Varianten des A8. Bisher passe das gut, denn der chinesische Autokäufer sei männlich, reich und lege Wert auf eine sehr gehobene Ausstattung, so Michael-Julius Renz, Leiter von Audi Sales.

Die Wünsche der chinesischen Käufer fließen schon seit einigen Jahren in die Planung der Neufahrzeuge ein. Allerdings sei der Unterschied zwischen Westen und Asien nicht so groß. Während im Westen eher schon mal gespart wird, wühlt sich der asiatische Käufer gerne durch die lange Ausstattungsliste. Ein Phänomen, dass man auch aus Russland kennt, wo der Kaufpreis mittels Zusatzausstattungen und Sonderwünschen gerne mal verdoppelt wird.

china mittelklasseautoDoch der chinesische Markt ist massiv in Bewegung. Schuld daran ist eine immer größer werdende Mittelschicht, deren mittleren Gehälter aber nicht für Autos der Premiumklasse ausreichen. Eine sichtbaren Wandel sieht man schon auf dem Gebrauchtwagenmarkt der Luxusautos, der seit 2011 stark boomt. Ein weiteres deutliches Zeichen für einen wachsenden Markt der Mittelklasse ist die Finanzierungsrate. Während 2011 nur 22% aller Verkäufe über eine Finanzierung liefen, waren 2014 schon 39%.

Die neue chinesische Mittelklasse etabliert sich erst und sie stammt vor allem vom Land. 1960 wohnten 80% der Bevölkerung in ländlichen Gebieten, 2012 waren es nur 47%. Bis 2050 steigt die Urbanisierungsrate laut Prognosen auf mehr als 75%. Das sind gute Nachrichten für die Hersteller, denn in Städten wird mehr Geld verdient und der Wunsch nach einem eigenen Auto, dass in China immer noch ein großes Statusobjekt ist, wird größer.

Demzufolge wundert es auch nicht, dass der Markt der Mittelklassewagen geradezu explodiert. 2009 lag der Anteil von Autos wie dem A3, der C-Klasse oder 3er Klasse von BMW bei mageren 2%. 2014 stieg er auf 15%, Tendenz stark steigend. Logischerweise haben Menschen mit kleinerem Einkommen, aber dem Wunsch nach einem Neuwagen, da nicht so viele Optionen. Im Grunde findet in China im Moment das statt, was Europa in den späten 60ern und frühen 70ern erlebt hat. Die Mittelklasse investiert ihr Geld in ein Auto.

Doch das führt zu Problemen. Schon jetzt ist der Verkehr in Mega-Metropolen wie Shanghai ein einziger Albtraum. Durchschnittsgeschwindigkeiten von unter 10 km/h sind am Tag keine Seltenheit, die Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt kann schon mal Stunden in Anspruch nehmen. Dazu kommt das Problem mit dem Smog. Zwar tragen die Autos nur einen Teil zur Luftverschmutzung bei (den größten Anteil haben die Kohlekraftwerke vor den Toren der Stadt), aber vernachlässigen kann man die Belastung durch die Autos nicht.

china bevölkerungDeswegen fordert die chinesische Regierung, dass bis 2020 mehr als 5 Millionen E-Autos auf dem Markt sein sollen. Diese Forderung unterstützt man mit massiven Subventionen und genau da liegt für die ausländischen Hersteller ein Problem, denn die Förderung gilt nur für Produkte inländischer Hersteller. Der BMW i3 wird zum Beispiel nicht in China hergestellt und ist somit in Sachen Preis gegenüber den inländischen Produkten nicht konkurrenzfähig.

Im Moment werden diese Probleme durch das starke Wachstum im Mitttelklasse-Segment überdeckt. Man geht davon aus, dass sich dies in den nächsten zwei bis vier Jahren auch nicht ändern wird. Doch je dringender das Problem mit der Umwelt wird und je näher sich das Jahr 2020 und die damit verbundenen selbstgesteckten Ziele rücken, desto größer dürften die Sorgen der Hersteller werden. Denn China geht es nicht nur darum, dass die Autos im Land hergestellt werden, sondern vor allem Fahrzeuge chinesischer Hersteller gekauft werden. Klar gesagt: man würde den Anteil im Verkauf ausländischer Hersteller gerne deutlich zurückschrauben.

Die Kombination aus der Forderung nach E-Autos und dem gleichzeitigen Wunsch, die eigenen Hersteller zu protegieren macht den deutschen Herstellern große Sorgen. Mehr dazu im zweiten Teil des Artikels, der die Tage erscheint.