Virtual Reality braucht ein GTA oder World of Warcraft!

Die Claims beim Thema Virtual Reality sind weitgehend abgesteckt, die Hardware ist designt. Was nun fehlt, ist die Software. Wir brauchen dringend ein neues World of Warcraft, ein neues Grand Theft Auto - sonst gibt es für einige Player in der Szene ein ganz boeses Erwachen.

Virtual Reality hier, Augmented Reality dort. Wer in der 2. Dekade des 21. Jahrhunderts was auf sich haelt, der bestueckt seine Bullshit Bingo Praesentation mit ein paar schicken Slides rund um diese potenziellen Wachstumsmaerkte. Lasst uns einfach die Realitaet tunen, tweaken und in ganz neue Sphaeren katapultieren. Das schoene daran ist… es scheint keine Grenzen zu geben. Nicht fuer die Branche, aber vor allen Dingen auch nicht fuer diejenigen, die uns erklaeren wollen wie unglaublich einflussreich diese Technologien fuer unsere Gesellschaften sein werden.

An diesem Punkt muss ich dann auch ganz klar die Hand heben. Ja, ich gehoere auch zu diesen Evangelisten und bezeichne mich auch ganz gerne als Lobbyist fuer diese Entwicklung. Unbezahlt, bisher wohlgemerkt. VR und AR werden unsere Welt so fundamental veraendern, dass ich hier und da schon darueber nachdenke, moeglichst schnell eine Businessplan fuer eine zukuenftige globale Kette an Suchtkliniken zu schreiben. Wer glaubt, dass die Spiele- und Internetsuechtel der Gegenwart ein Problem sind, der sollte sich schon einmal warm anziehen. Die virtuellen Welten der Zukunft bieten ganz viel Raum fuer die Zeitgenossen, die sich gerne vor der Welt da draussen verkriechen und ihr ganz eigenes Glueck in der Pixelwelt finden wollen.

Aehnliches hatten wir ja schon einmal, wobei … bleiben wir doch einfach in der Gegenwart. Ich habe vor einem halben Jahr mal wieder World of Warcraft installiert. Nach ueber 8 Jahren! Irgendwie konnte ich mich sogar noch an den Namen meines Chars erinnern. Pallelu, ein Level 70 Hexenmeister (mehr ging damals einfach nicht)…. ach ja, es war ein Ork und damit befand ich mich auf Seiten der Horde. Niemals, nach so ziemlich allen Zelda Episoden, habe ich so vernarrt ein Spiel gedaddelt. Ok, Grand Prix Legends und Nascar 2003 wurden in meiner Simracing Phase aehnlich begeistert gestartet und zementierten damals nicht umsonst meinen Ruf als “Schrecken von T1” (an dieser Stelle die besten Gruesse an die Virtual Racing Crew). Wie auch immer, ich wollte mit meinem WoW-Comeback natuerlich auch auf die alten Charaktere zurueckgreifen und bemuehte den Support. Die fragten gleich nach meinem Battlenet Konto. Battle what? Wir hatten sowas doch damals nicht. Was letztendlich dazu fuehrte, dass der nette Support-Mitarbeiter mir sagte, dass ich bei ihm persoenlich nen neuen Rekord erreicht haette. Noch nie haette jemand nach so vielen Jahren wieder seinen Account reaktiviert und das wurde gleich mit 4 Wochen Spielzeit und einem kostenlosen Level 100 Upgrade belohnt. Mucha gracias.

Aber was will uns der Verfasser dieser Zeilen eigentlich damit sagen, ausser dass er ganz offensichtlich zu viel Zeit mit Pixelschubserei verbringt? Tief in meinem Herzen bin ich nun einmal Gamer. Kombiniere dies mit meinem Sternzeichen Skorpion und heraus kommt, wenn man den Astrologen glauben schenken darf, der perfekte Online-Suechtel, den man ordentlich melken kann. Klappt uebrigens seit mehr als 15 Jahren. Damals habe ich auf Ebay ein Set fuer Diablo erstanden, was meine damalige Freundin mit den Worten “du hast Geld bezahlt fuer so einen Helm in nem Spiel?” quittierte. Ich sehe es ihr inzwischen nach.

Und was hat das alles mit VR zu tun?

Ja, 2016 ist ein ganz wichtiges Jahr fuer Virtual Reality. Wuerde ich den Vergleich zur Drucker-Entwicklung ziehen, dann sind wir irgendwo zwischen Thermo- und Nadeldrucker angelangt, wobei das LQ-Feature, geschweige denn Laserdrucker, noch ganz weit weg sind.

Dennoch hat sich rund um die dicken Brillen eine Hype- und Buzzword-Blase entwickelt, die ihres gleichen sucht. Nein, das Argument der Skeptiker “das ist fuer mich der gleiche Quatsch wie 3D-TV” lasse ich nicht gelten. Denn es ist Bullshit. 3D war zum Scheitern verurteilt. Zumindest auf dem Fernseher und das bereits in den 80ern, als die tollen Versuchsendungen auf den 3. Kanaelen der ARD liefen und jede Programmzeitschrift Pappbrillen als Beilage anbot.

3D wird durch 4k und 8k aufgefuttert. Hohe Aufloesungen bieten ein “Tiefenerlebnis” und letztendlich ist der Content weitaus einfacher zu produzieren.

Womit wir final auch endlich mal beim eigentlichen Thema angelangt sind. Content. Die Geschichte mit dem Huhn und dem Ei … klar, das hatten wir bei FullHD und das wird fuer VR-Loesungen nicht anders sein. Um so wichtiger ist es, dass die Branche so schnell wie moeglich eine absolute Killer-Titel auf den Markt bringt, die uns dieses ganz besondere, “Presence” genannte Erlebnis bieten.

Ein Grand Theft Auto 360, ein Word of Warcraft VR, ein Minecraft, welches nicht nur schnell ein wenig angepasst wird, das waeren die Titel, die Spieler fuer Tage, Wochen und Jahre fesseln wuerden.

Wenn ich das Gefuehl habe, in eine voellig neue Welt transportiert zu werden. Wenn Raum und Zeit in der realen Welt auf einmal irrelevant werden und das, was sich vor den Augen (und vor allen Dingen auch auf den Ohren abspielt. Ein begleitendes Hoererlebnis wird zum Teil noch stark vernachlaessigt) abspielt, als Teil der erlebbaren Welt wahrgenommen wird, dann hat Virtual Reality eine Chance in wenigen Jahren die Medienbranche umzukrempeln. Ein Grand Theft Auto 360, ein Word of Warcraft VR, ein Minecraft, welches nicht nur schnell ein wenig angepasst wird, das waeren die Titel, die Spieler fuer Tage, Wochen und Jahre fesseln wuerden. Und meinen Businessplan fuer die VR-Rehab Kette durchaus lukrativ erscheinen lassen.

All die 360 Videos und Fotos auf Youtube oder Facebook. Freunde, das ist doch absoluter Kindergeburtstag. Wenn ich meinen Kopf in ein Goldfischglas stecke und mir dann mein Zimmer anschaue, dann simuliere ich in etwa das VR-Erlebnis, welches mir derartiger Content zur Zeit bietet. Voelliger Bullshit, der die User nach wenigen Tagen ratlos und frustriert zuruecklassen wird. Das soll VR sein?

Wenn die Branche nicht begreift, dass wir voellig neuen Content brauchen und dass dieser endlich der Demo-Blase entwachsen muss, dann fallen da einige Hersteller ganz gehoerig auf die Nase.

Und das waere fatal fuer diese Technologien … und meine Suchtkliniken!