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Volkswagen: Der (hoffentlich) heilsame Wake-up Call

Auf der Volkswagen Hauptversammlung enthschuldigte sich der Vorstand der Wolfsburger bei seinen Aktionaeren und versprach neben einem radikalen Strategiewechsel, in Zukunft als ein Vorbild fuer Gesetzestreue gelten zu wollen. Aber dafuer muss man auch intern Zeichen setzen!

von Sascha Pallenberg am 22. Juni 2016

VW-Aufsichtsratchef Poetsch und Konzernchef Mueller haben es endlich getan. Sie haben sich entschuldigt und zwar auf eine Art und Weise, wie ich es mir bereits vor Monaten gewuenscht haette. Dennoch, die Worte auf der Hauptversammlung der Aktionaere fuehlten sich direkt, ehrlich und vor allen Dingen selbstreflektierend an. Man moechte und muss es diesem Rueckgrat der dt. Industrie abnehmen, wenn dafuer geworben wird, dass man in Zukunft ein Musterbeispiel fuer Gesetzestreue sein will.

Wir können die Vergangenheit nicht ungeschehen machen. Was in unseren Händen liegt, ist, verantwortungsvoll damit umzugehen. Dieser Aufgabe stellen wir uns Matthias Mueller

Die angekuendigte strategische Neuaufstellung ist nicht nur moeglich, Volkswagen wird die Transformation in Richtung Elektromobilitaet wohl radikaler als andere Konzerne angehen. Mit dem Ex-Daimler/Apple Manager Johann Jungwirth hat man sich fuer den “Mobility as a Service”-Markt den wohl zur Zeit besten Mittelstuerme auf diesem Gebiet geschnappt. Ein Coup der zeigt, wie attraktiv VW die zukuenftigen Aufgabengebiete fuer derartige Topleute gestaltet.

Genau dort muss nun naemlich der dicke Hebel angesetzt werden. Ich erwarete Innovationszentren und Inkubatoren von den Wolfsburgern. Uebernahmen von spannenden Startups sind angesagt und neue, externe Ideen muessen her. Wer Mobilitaet als Service und das Auto als naechste Plattform definieren will, der muss dies auch kundtun und der Branche dort draussen in die Roadmaps schreiben. Was bitteschoen haelt VW davon ab, einmal im Quartal einen Hackathon fuer Hard- und Software-Entwickler durchzufuehren? Ich biete mich dafuer gerne als Moderator oder Juror an. Es gibt so viele Talente und ungefoerdete Ideen weltweit, nur muss VW nun auch endlich in diesen Pool springen bevor andere hier die Sahnestueckchen abfischen.

Das Potenzial ist da und wenn erst einmal die passende Infrastruktur geschaffen ist, werden die Wolfsburger hier viele Ausrufezeichen setzen koennen.

Aber die muessen sie auch in der Konzernstruktur setzen. Gerade jetzt! Waehrend Volkswagen 2016 den hoechsten Verlust seiner Geschichte verzeichnen wird, sacken sich Manager dort Rekord-Boni fuer 2015 ein.

Wer in diesen schweren Zeiten des Umbruchs auch nur ansatzweise zu erklaeren versucht, warum er darauf ein Recht hat, der ist menschlich nicht fuer eine Fuehrungsposition bei Volkswagen geeignet. Diese Attituede ist gegenueber den mehr als 600 000 Mitarbeitern nicht vermittelbar.
Und genau dies sollte auch VW-Aufsichtsratchef Poetsch erkennen, der sich zwar heute medienwirksam fuer die Diesel-Affaere entschuldigte, aber nach Insider-Informationen fuer seinen Wechsel von der Position des Finanzvorstands an die Spitze des Aufsichtsrats, mit einem zweistelligen Millionen-Betrag liess.

Dies ist der Filz der Diesel-Affaere und kann nicht fuer das VW-Konzern der Zukunft stehen.