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Vor dem Finale: “Game of Thrones” ist nicht mehr mein Game [Spoiler!]

Nächste Woche ist es soweit: Game of Thrones geht mit der letzten Folge der achten Staffel zu Ende. Viele Fans hat man mit dieser Staffel verschreckt, auch mich irgendwie.

von Carsten Drees am 17. Mai 2019

Nächste Woche habe ich Geburtstag. Helau! Erstaunlicherweise fiebert die Welt jedoch nicht diesem Termin entgegen, sondern dem Staffelfinale einer Serie, die das letzte Jahrzehnt TV-technisch geprägt hat wie keine andere Serie: Die Rede ist selbstverständlich von “Game of Thrones”.

Die Macher haben entschieden, dass die Show mit Staffel Acht zu Ende gehen soll und das bedeutet, dass am 19. Mai — bzw. dem 20. Mai in unseren Gefilden — Game of Thrones in die ewigen TV-Jagdgründe eingehen wird mit seiner letzten Folge. Ich schreibe hier sehr gerne über TV-Serien und Filme, die ich mir zumeist über Netflix und Amazon reinziehe. Als GoT 2011 an den Start ging, war die TV-Landschaft noch eine komplett andere, wie ihr wisst. Anlässlich des Staffelfinales befasse ich mich heute mal mit einer Serie, die im Original bei HBO ausgestrahlt wird und in Deutschland im Pay-TV von Sky zu sehen ist.

Eins vorweg, bevor ihr jetzt meine Einschätzung der achten Staffel lest: Natürlich ist mein Text nicht frei von Spoilern. Im Gegenteil: Ich scheiße euch förmlich zu damit, also wenn ihr nicht auf dem selben Stand seid wie ich — Staffel 8 inklusive Folge 5 — dann solltet ihr besser nicht weiterlesen.

Das Lied von Eis und Feuer

Schreibe ich sonst Rezensionen über Serien, nehme ich euch gewöhnlich von Anfang an mit. Erzähle euch was über die Handlung, über die Ausrichtung, über die Charaktere. All das ist bei Games of Thrones nicht nötig, klar. Die Serie ist das TV-Spektakel schlechthin und auch die achte und letzte Staffel beweist wieder, dass die Show sich technisch nicht hinter sündhaft teuren Hollywood-Filmen verstecken muss. Vermutlich nie zuvor wurde ein Fantasy-Epos oder sonst eine Geschichte so aufwendig und so technisch brillant in Szene gesetzt.

Aber ich möchte nicht darüber reden, wie überragend Game of Thrones über die Jahre gewesen ist, sondern wieso ich regelrecht schockiert über vieles bin, was ich in der achten Staffel zu sehen bekomme. Das hat — könnt ihr euch denken — weniger damit zu tun, wie die Bilder in Szene gesetzt, gefilmt und geschnitten wurden, denn das ist für mein Empfinden weiterhin herausragend. Es geht mir mehr darum, was die Showrunner erzählerisch anstellen, um alles in kürzester Zeit einzureißen, was man sich über ein knappes Jahrzehnt aufgebaut hat.

Kleiner Exkurs: LOST

Ich bin einer derjenigen, die der Meinung sind, dass die Serie “Lost” eine neue Generation von TV-Serien eingeläutet hat mit der Art und Weise, wie dramaturgisch und erzählerisch vorgegangen wird. Die Parallelen liegen auf der Hand: Sehr komplexe, verzweigte Story mit vielen Handlungssträngen, großer Erfolg weltweit und von Millionen Fans als “beste Serie überhaupt” geadelt. “Lost” hat diesen Titel mit der letzten Staffel bzw. explizit mit der letzten Folge verspielt, mit dem unsinnigsten Saisonfinale aller Shows, die jemals über die Mattscheiben dieses Planeten flimmerten.

Dazu muss man wissen, dass es den Showrunnern gelungen ist, mit den Jahren für jede der vielen beantworteten Fragen immer mindestens drei neue Fragen aufzuwerfen und schon vor der letzten Staffel schwante den Fans weltweit, dass die die Nummer irgendwie nicht mehr logisch zu Ende erzählt bekommen. Bei Game of Thrones war ich eigentlich der Meinung, dass es einfacher sein müsste, die Geschichte zu erzählen, trotz der großen Komplexität. Die Weißen Wanderer sind irgendwann besiegt und irgendjemand erobert den eisernen Thron — aus, Geschichte vorbei.

Vermutlich wird es auch so kommen, aber im Gegensatz zu Lost geht es bei Game of Thrones auch um den Weg dahin. Der war bislang trotz gelegentlicher Logiklöcher erstaunlich konsistent, aber das gilt für Staffel Acht leider nicht mehr und so schickt man sich an, Lost tatsächlich den Titel für das schlimmstmöglich verkackte Serienfinale aller Zeiten abzuluchsen.

Die Showrunner

David Benioff und D.B. Weiss sind die Showrunner und werden gemeinhin auch als D&D bezeichnet. Viele Fans der Serie sind sich mittlerweile einig, dass es ebenso synonym für Dumb&Dumber steht, weil sie den beiden persönlich übel nehmen, die Serie zugrunde gerichtet zu haben.

Wie ihr wisst, tue ich mich immer schwer damit, wenn sich im Netz unangemessen laut zu Wort gemeldet wird und unnötig viel Hass versprüht wird. Von daher gehe ich diesen Weg nicht mit und würde niemals so drastische Worte wählen. Allerdings habe ich auch das Gefühl, dass die beiden wesentlich dazu beitragen, das Serienfinale zu verbocken. Hier finde ich, dass man jetzt zwei Dinge unterscheiden muss:

  1. Was haben sie tatsächlich verbockt?
  2. Was wird ihnen nur in die Schuhe geschoben, weil man persönlich mit dem Ende unzufrieden ist?

Zäumen wir das Pferd mal von hinten auf bzw. fangen mit dem zweiten Punkt an. Ich habe mich hier und da im Netz auch schon mit Kritik zur letzten Staffel zu Wort gemeldet. Fast reflexhaft wird mir dann von Verteidigern der Stafel unterstellt, dass ich nur verärgert wäre, dass die Geschichte nicht so verläuft, wie ich es mir wünsche.

Diesen Vorwurf weise ich entschieden zurück, denn an GoT mag ich ja gerade genau das so besonders, dass die Erzählung oft so andere Wege einschlägt, als man es sich vorher selbst gedacht hat. Es ist so wohltuend gewesen, von der ersten Staffel an zu sehen, wie auch wichtige Protagonisten einfach mal aus der Geschichte gelöscht werden. Die vermeintlichen Helden, die man für sich ausgemacht hat, verrecken elendig, bevor man auch nur “Staffel 2” flüstern konnte.

Aber ich denke gleichzeitig auch, dass es einen riesigen Berg an Fans gibt, die das anders sehen als ich. Viele davon haben sich auf Daenerys als gütige Herrscherin eingeschossen und können nicht einsehen, dass die Geschichte in den letzten Folgen so dramatisch in eine andere Richtung kippt. Dabei zeichnete es sich längst ab, dass auch die Mutter der Drachen gehörig was an der Murmel hat.

Wie gesagt: Für viele Kritiker mag das tatsächlich so sein, dass sich die Wut, die sich so millionenfach im Netz entlädt, damit zu tun hat, dass die Geschichte nicht den erhofften Verlauf nimmt. Bei allem, was man D&D vorwerfen kann, muss man dabei aber berücksichtigen, dass die die Nummer langfristig auf diese acht Staffeln angelegt haben, die Geschichte so zu Ende erzählen, wie sie es lange geplant haben und sich dabei auch mit dem Verfasser der Bücher, George R. R. Martin, sehr eng abgestimmt haben.

Sollte der jemals sein Epos zu Ende geschrieben bekommen, müssten diese Fans vielleicht erkennen, dass er die Geschichte gar nicht sooo schrecklich anders zu Ende erzählt, als es jetzt in der seit Staffel 6 von den Büchern abweichenden TV-Serie der Fall ist. Kommen wir also zu den Fehlern, die wir den beiden tatsächlich ankreiden können:

Game of Thrones: Die Spontan-Verblödung der Protagonisten in Staffel 8

Charaktere entwickeln sich im Laufe einer Serie. Das ist nicht nur legitim, sondern großartig. Wir lernen Personen kennen, erfahren von Folge zu Folge mehr von ihnen und können dabei zusehen, wie sie an Profil gewinnen. GoT ist eine der Serien, der das bestens gelingt. Selbst, wenn ein Charakter einen anderen Weg einschlägt, lässt sich aus den vorherigen Folgen ableiten, welches Motiv er oder sie hat, um jetzt vielleicht ein wenig anders zu agieren.

Wenn man das berücksichtigt, muss man auch Daenerys Targaryen, Erste ihres Namens, Königin der Andalen und der Ersten Menschen, Khaleesi des Dothrakischen Meeres, Brecherin der Ketten und Mutter der Drachen zugestehen, dass ihre Veränderung nicht wirklich überraschend kommt. Die meisten Zuschauer haben sich darauf eingeschossen, dass sie tatsächlich als gütige und gnädige Königin die Sieben Königslande in eine bessere Zukunft führen kann.

Tatsächlich aber konnte man schon vorher zumindest erahnen oder befürchten, dass sie im Endeffekt genau den selben Hau hat wie ihr Vater, in dessen Fußstapfen sie niemals treten wollte. Kein Vorwurf also an die Showrunner, dass die Dame spätestens in Folge 5 der achten Staffel komplett eskaliert und Königsmund fast im Alleingang dem Erdboden gleichmacht.

Aber — und das ist ein fettes “aber” — das Tempo bei dieser Charakterentwicklung ist katastrophal, wenn ihr mich fragt. Klar hat sie viel ertragen müssen in diesen aktuellen Folgen. Gleich zwei ihrer “Kinder”, also zwei ihrer drei Drachen sterben, ihre Vertraute Missandei wird von Cersei hingerichtet, Jon, Tyrion und Sansa hintergehen sie (aus ihrem Blickwinkel betrachtet) — da kann man schon mal durchdrehen. Dennoch: Bis tief in diese Staffel ist sie diejenige, die Westeros zu einem sicheren Ort machen möchte, über den sie als sanfte, gerechte und gnädige Herrscherin regiert. Das scheint endgültig zu kippen, als sie im Gespräch mit Jon feststellen muss, dass das mit der gemeinsamen Zukunft an seiner Seite doch nicht so hinhaut. Dann soll eben doch die Angst regieren! Das mündet dann in eine der epischsten Stadt-Vernichtungs-Eskalationen, die ich jemals in einer TV-Serie gesehen habe.

Wenn ich also den Schreibern der Story bezüglich Daenerys etwas vorwerfen muss, dann nicht, dass sich der Charakter verändert hat, sondern in welchem Tempo und wie spät das geschehen ist. Und noch etwas kreide ich denen an, denn Daenerys teilt in der achten Staffel mit einigen anderen Protagonisten ein wirklich übles Schicksal: Die komplette Verblödung! War sie vorher eine sehr intelligente Person, agiert sie jetzt plötzlich völlig behämmert.

So scheint sie plötzlich nicht mehr zu wissen, was ihr mit der Eisernen Flotte noch in Staffel 7 widerfahren war. Das ist keine Spekulation, denn im Behind-The-Scenes-Video äußert sich einer der Showrunner ganz explizit und erklärt tatsächlich, dass sie das “irgendwie vergessen” haben muss. Und apropos Eiserne Flotte: Wie behämmert muss man sein, dass man achtlos mit seinen Drachen über die Meere fliegt und nicht schon von Weitem sieht, dass Ungemach in Form der Kriegsschiffe droht?

Die Schiffe sind mit den sogenannten “Scorpions” ausgestattet — mächtige Ballisten mit großer Durchschlagskraft. Wie aus dem Nichts wird ein Drache getroffen und in kürzester Zeit sitzen auch der zweite und dritte Schuss und Drache Rhaegal schmiert tödlich verwundet ab ins Meer. Allein hier stellen sich schon so  viele Fragen: Es ist ein knappes Dutzend Schiffe, denen sich Daenerys mit ihren zwei Drachen gegenüber sieht.

  • Wieso sieht sie den Feind nicht rechtzeitig?
  • Wieso kann Rhaegal nicht ausweichen?
  • Wieso können die Scorpions so schnell abgefeuert werden und wieso sind sie so zielsicher?
  • Wieso umrundet Daenerys die Schiffe nicht mit Drogon und entzündet sie von der anderen Seite aus?

Das sind alles Fragen, die ich mir gestellt habe, nachdem ich die vierte Folge gesehen habe bzw. direkt, nachdem ich explizit diese Szene gesehen hab. Man könnte noch die Frage ergänzen, wieso man das dramaturgisch nicht anders aufbereitet hat? Der Drache kassiert aus dem Nichts den ersten Treffer, Sekunden später die nächsten und das war’s. Das hätte man meiner Meinung nach anders inszenieren können oder sogar müssen — etwa so:

Richtig behämmert wird die Geschichte aber, wenn man sie rückblickend von Folge 5 aus betrachtet. Statt zwei Drachen hat die Mutter der Drachen nämlich nur noch den einen und mit dem ist es kinderleicht, die komplette Eiserne Flotte auszulöschen und nebenbei auch noch Königsmund. In Folge 4 waren es zudem lediglich 11 Schiffe, in Folge 5 deutlich mehr. Das ist einfach unsinnig, unlogisch und macht mir die Story echt kaputt.

 

Exkurs: The Return of the Plot Armor

Sagt euch der Begriff “Plot Armor” was? Falls nicht: Man verwendet ihn immer dann, wenn ein Protagonist nahezu übermenschlich stark bzw. unverwundbar erscheint. Ich hatte das Gefühl, dass man vor der Plot Armor gefeit ist bei Game of Thrones, zumindest weitestgehend. Aber mit Staffel 8 ist das auch hinfällig. Wie oft sind Jon oder seine Mitstreiter in aussichtslosen Lagen und überleben dennoch wie selbstverständlich? Wie einfach kann es sein, so unendlich viele Gegner wegzumetzeln, ohne dass die wichtigsten Protagonisten, die zufällig auch allesamt in vorderster Front kämpfen, auch nur ein bisschen verletzt werden? Klar gibt es wieder einige Opfer zu beklagen, aber wer vorneweg auf eine Übermacht zurast wie Grauer Wurm, kann so eine Schlacht eigentlich unmöglich überleben, oder seht ihr das anders?

Aber zurück zu den Logik-Fehlern und zur vierten Folge, wo mir noch so viel mehr Dinge unlogisch erschienen. Bei dem Angriff wird schließlich auch Missandei gefangen genommen und dann schließlich in Königsmund Daenerys präsentiert. Dass sie dort stirbt, ist zwar schade, aber nichts, was es zu kritisieren gibt aus erzählerischer Sicht.

Was ich hingegen nicht verstehe: Wieso präsentiert sich nach Daenerys nun auch Cersei so hirnamputiert? Sie will Tyrion tot sehen und der tut ihr den Gefallen und spaziert direkt vor ihrer Nase vor dem riesigen Tor auf und ab. Außerdem auf dem Präsentierteller: Daenerys samt Drogon, die von der Artillerie doch mindestens genau so einfach erledigt werden könnten, wie es in Folge 4 auf dem Meer mit dem anderen Drachen geklappt hat.

Aber das sind nur einige der Gedanken, die mich in den Folgen 3,4 und 5 schlicht in den Wahnsinn getrieben haben. Dazu gehören viele taktische Dinge wie das Platzieren der Dothraki-Armee VOR dem Tor und nicht dahinter oder das Attackieren der Weißen Wanderer, obwohl sie sich in drückender Überlegenheit präsentieren und man doch den Schutz der Festung ausnutzen sollte. Und wie kommt es, dass es in Folge 3 so aussieht, als würden die Dothraki bei dieser Schlacht nahezu komplett ausradiert — und hinterher bleiben aber doch die Hälfte von ihnen am leben?

Oder nehmt die Folge 5: Jaime will sich irgendwie in Königsmund reinschmuggeln, scheitert aber und findet zunächst keinen Weg ins Innere. Arya und Sandor hingegen — unauffällig wie sie sind — spazieren sogar bewaffnet einfach rein. Dann fällt wieder die nicht-mehr-so-pfiffige Cersei auf mit einem Spruch: “Der rote Bergfried ist noch niemals gefallen”! Das ist ungefähr so richtig wie “Die Titanic ist unsinkbar”. Besagter Bergfried ragt aus den anderen Behausungen von Königsmund deutlich hervor. Wieso sollte ein Drachen, der sogar Steine mit seinem Feueratem schmelzen kann, nicht über die Burgmauern hinwegfliegen und auch diesen Bergfried vernichten können?

Die mittlerweile komplett verrückt gewordene Daenerys wendet sich bekanntlich nach der Eisernen Flotte der Stadt zu und plötzlich bemerkt man auch wieder, wie schwerfällig die Waffen eigentlich zu bedienen sind, mit denen man in der letzten Folge noch wie selbstverständlich den Drachen aus der Luft pflücken konnte. Natürlich kann man Glück haben und natürlich trifft man mal besser und mal schlechter.

Aber Euron Graufreud, der Teufelskerl und Jack Sparrow für Anfänger, versenkt binnen Sekunde drei von drei Schüssen im Ziel und danach trifft die komplette Artillerie mit unzähligen Schüssen überhaupt nichts mehr bis zum Ende der Folge 5? Kommt schon! Und wie konnten Daenerys’ Truppen eigentlich so flott nach Königsmund gelangen? Vor Tagen noch haben ihnen die Weißen Wanderer mächtig in den Arsch getreten und plötzlich stehen sie quietschfidel Hunderte Kilometer entfernt bei Cersei auf der Matte? Aber fairerweise muss man dazu sagen, dass Game of Thrones bei den Entfernungen immer schon etwas suspekt agiert hat.

Ich merke, wie ich mich hier gerade in Rage schreibe,  weil man meiner geliebten Serie so unnötig in den Arsch tritt. Und damit meine ich nicht mal plötzlich auftauchende Starbuchs-Becher oder eine zu dunkle Folge 3. Es sind genau diese hier beschriebenen Logikfehler, die mir den Spaß rauben und mich denken lassen, dass man die letzte Staffel entweder ohne Hirn oder ohne Hingabe geschrieben hat.

Apropos Folge 3: Der Nachtkönig wird sekundenlang von Drogon gegrillt und es macht ihm so circa nichts aus. Das ist der selbe Drachenatem, der Königsmund einfach binnen weniger Minuten ausradiert und dabei Steinwände zum Explodieren bringt. Aber als der Nachtkönig dann vor Bran Stark steht, reicht der aus dem Nichts auftauchenden Arya ein einziger Dolchstoß, um ihm ein Ende zu bereiten und dadurch auch die kompletten Weißen Wanderer zu vernichten.

Acht Staffeln lang hat man so ein düsteres Bild dieser Untoten gezeichnet, viele Fragen aufgeworfen durch Symbole und die nicht geklärte Herkunft des Nachtkönigs usw. Und dann ist es das kleine Mädchen mit einem Messerstich und die ganze Nummer ist durch. In dem Zusammenhang fällt mir noch ein: Was ist eigentlich mit diesen ach so harten Wintern los? Bis zu einem Drittel der Bevölkerung auf dem Kontinent wurde ausgerottet, weil diese Winter mitunter so hart sein sollen — alles war in Angst und Schrecken vor diesem nächsten Winter, aber ehrlich gesagt hab ich hier in Dortmund-Stadtmitte schon deutlich schlimmere erlebt.

Irgendwo hab ich einen sehr schönen Vergleich gehört oder gelesen zu der Nummer mit Arya und dem Nachtkönig: Und zwar heißt es da, das wäre das selbe, als hätte bei Harry Potter in einem der früheren Teile Hermine Voldemort besiegt und im letzten Teil geht es dann nur noch darum, welches Haus den Hauspokal oder das Quidditch-Turnier gewinnt.

Genau so komme ich mir jetzt vor, denn letzten Endes war ja auch Königsmund keine wirkliche Hürde für Daenerys. Wie man die Weißen Wanderer nach einer zunächst so heftigen Schlacht dann doch so billig ausschalten konnte und wie einfach Königsmund einzunehmen war — das ist mir einfach alles zu billig. Aber immerhin sind zumindest diese beiden Dinge keine Logikfehler, sondern nur Punkte, die mir schlicht erzählerisch komisch vorkommen.

Dabei bin ich noch nicht mal ein Hardliner und viele Logik-Fehlerchen wären mir allein gar nicht aufgefallen. Beispielsweise bei Aryas Freund Gendry, der von Daenerys plötzlich zum Lord von Sturmkap ernannt und kurze Zeit später zu Arya sagt, dass er nun nicht mehr “Gendry Wasser” heißt. Hieß er aber eh nie, weil nicht legitimierte Bastarde im GoT-Universum schlicht keine Nachnamen erhalten. Das verändert die Story natürlich null und ist sicher nur eine Fußnote, weist für mich aber darauf hin, dass die da schlampig gearbeitet haben.

Ich hab mir so einige Videos reingezogen nach dem Betrachten der letzten Folgen und glaubt es mir: Die Dinge, über die ich mich hier echauffiere sind nur die Spitze des Logikfehler-Eisbergs. In der Summe macht mir das den Spaß an der Staffel doch ziemlich kaputt. Die Logikfehler, die Dummheit vieler Charaktere (wieso ist Tyrion plötzlich eigentlich so eine Taktik-Null und denkt sich nur noch Scheiße aus, die nicht funktioniert?) und die Tatsache, dass einige Dinge so unnötig schlicht und einfach zu Ende erzählt werden, machen mir reichlich zu schaffen. Andere Punkte werden einfach nicht mehr beachtet — beispielsweise Bran, der doch so unendlich wichtig sein sollte. Wofür nun eigentlich? Irgendwie sitzt der nur behämmert in der Gegend rum und ist alles Mögliche, aber sicher nicht in irgendeiner Form wichtig für die Handlung.

Trotz der Enttäuschung: Ein versöhnliches Fazit

Nachdem ich jetzt fertig bin mit Eskalieren, möchte ich abschließend aber dennoch ein paar positive Worte finden. Schließlich ist das ja keine Idioten-Serie sondern immerhin Game of Thrones und damit das feinste, was man sich an Fernsehunterhaltung grundsätzlich vorstellen kann.

Bei allem Quatsch, der erzählerisch verbrochen wird und beim wiederholt dummen Agieren vieler Protagonisten in dieser letzten Staffel, muss man der Serie aber auch bescheinigen, dass sie dennoch wieder Maßstäbe zu setzen vermag. Gerade, wenn Drogon Königsmund platt macht bzw. generell die Schlacht um Königsmund tobt, dann sieht das einfach viel besser aus als so ziemlich alles, was man sich im Fernsehen sonst so anschauen kann.

Die Spezialeffekte, der Schnitt, die Arbeit der Kameramenschen, das ist alles absolut herausragend und eine reine Augenweide. Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich wieder ein paar Sekunden zurückgehe, um mir eine Szene einfach noch einmal in Ruhe anzusehen. Das ist wirklich ganz großes Kino und zwar nicht mal nur im übertragenen Sinne, da sich diese Inszenierung nicht hinter Hollywood-Blockbustern verstecken muss.

Auch die Schauspieler selbst agieren gewohnt souverän und hochklassig — die sind ja auch nicht schuld daran, dass die von ihnen verkörperten Personen sich so dämlich anstellen. Game of Thrones ist also für mich auch in Staffel 8 immer noch eine herausragende Show, aber eben leider eine, die aus den beschriebenen Gründen ganz, ganz viel verschenkt hat. Mag sein, dass einige der Kritikpunkte obsolet sind, nachdem man die sechste Folge gesehen hat. Aber viel mehr befürchte ich, dass ich nach Folge Sechs wieder ratlos vor der Flimmerkiste stehe und mit dem Gedanken spiele, Gegenstände oder mich selbst gegen den Fernseher zu schleudern.

Der Rest Hoffnung, den ich noch habe? (Nein, ganz sicher keine beknackte Petition, die die achte Staffel anders zu Ende erzählen soll) Dass man mich irgendwie doch noch positiv mit der sechsten Folge überrascht — und dann auch noch der erste geplante Ableger, mit dem dann die Faszination der Geschichte wieder von neuem aufleben könnte.