Volkswagen BUDD-e Seitenansicht in Bewegung

Wolfsburgs Zukunft?!
VW BUDD-e – Volkswagens Elektro-Multivan im Video *Update*

Mit dem VW BUDD-e stellt der Konzern aus Wolfsburg seine Vision fuer die Zukunft des Konzerns vor und diese soll auf dem neuen Modularen Elektrifizierungsbaukasten aka MEB basieren. Wir haben den Volkswagen BUDD-e analysiert und sind durchaus angetan von dem Konzept.
X

Noch am gestrigen Montag hat die amerikanische Regierung verkünden lassen, dass sie Volkswagen im Rahmen des #Dieselgate verklagen wird, am heutigen Dienstag stellt Volkswagen nun in Amerika auf der CES 2016 den Volkswagen BUDD-e als Zero-Emission-Van vor. Die Volkswagen Studie ist das erste Fahrzeug auf der Basis des neuen Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB). Und das kann ja nur heissen, dass die Wolfsburger nun in Sachen Elektromobilität Nägel mit Köpfen machen wollen, um das leidige #Wastegate-Thema vom Tisch zu schubsen.

BUDD-e – alles Relevante zu dem Elektro-Minivan im Schnelldurchlauf

Für Euch schnell das wichtigste Stammtisch-Wissen zur Elektro-Bulli-Studie zusammengefasst: Der VW BUDD-e wird über einen Allrad-Elektroantrieb verfügen. Das ist im Bereich der Elektrofahrzeuge nichts Neues, auch Tesla liefert das Model S optional mit je einem Motor pro Achse aus. Im Volkswagen BUDD-e wird die vordere Achse von einer 150 PS / 110 kW starken E-Maschine angetrieben, der Elektromotor an der hinteren Achse zahlt mit zusätzlichen 170 PS / 125 kW in die Systemleistung ein. Die Batterie-Einheit hat man in Wolfsburg üppig dimensioniert – ganze 92,4 kWh stehen bei voll geladenem Akku zur Verfügung (in der Regel  werden auch hier nur 80% genutzt) und sollen eine Reichweite von bis zu 533 Kilometern gemäß NEFZ erlauben. Nun wissen wir, dass die NEFZ-Angaben bei Elektrofahrzeugen genauso mit Vorsicht zu geniessen sind wie bei den Selbstzündern und Verbrennern, aber lassen wir das erstmal so stehen.

Volkswagen BUDD-e Frontansicht

Eine Studie hebt sich von Serienfahrzeugen ab, indem auch zukunftsweisende Elemente verbaut werden. So realisiert Volkswagen im VW BUDD-e ein vollkommen neues Human-Machine-Interface (HMI) und bezeichnet dieses ganz unbescheiden als wegweisendes Anzeige- und Bedienkonzept. Als Teil dieses Konzeptes verschmelzen das Active Info Display (das digitale Cockpit, was wir aus dem Passat kennen oder unter dem Namen „virtual cockpit“ auch aus den neuen Audi-Modellen) und das Infotainmentsystem zu einer interaktiven Einheit. „BUDD-e zeigt das Auto im Internet der Dinge!“ erklärt man stolz auf der CES, das Smart Home erlaubt zudem aus dem Auto aus den Zugriff auf das traute Heim. Wie man sich in Wolfsburg den Einsatz von Gestensteuerung vorstellt, hatte man ja bereits im letzten Jahr mit der Golf R Touch Studie gezeigt. Im VW BUDD-e kommt nun die Gestensteuerung 2.0 zum Einsatz. Mittels Gestensteuerung soll das Fahrzeug intuitiv bedient werden können. Selbst die Türen sollen nach den Vorstellungen der Wolfsburger künftig per Geste geöffnet werden.

Volkswagen realisiert im VW BUDD-e ein vollkommen neues Human-Machine-Interface (HMI) und bezeichnet dieses ganz unbescheiden als wegweisendes Anzeige- und Bedienkonzept

Ein neues Touchsystem des Multifunktionslenkrads korrespondiert darüber hinaus mit dem Human-Maschine-Interface und soll die Bedienung intuitiver als je zuvor gestalten. Einen ersten Geschmack davon, konnte man auch schon bereits in der Golf R Touch Studie kosten. Eher unspektakulär, aber durchaus nennenswert: Mit Hilfe eines Tablets und der neuen Volkswagen „Reise App“ kann der Start von Songs gezielt exakten Routen-Punkten zugeordnet werden. Wer den Film „Elizabethtown“ gesehen hat, der weiss sofort, dass dies auf geplanten Roadtrips mehr als nur ein nettes Gimmik sein kann.

Bei allen futuristischen Ansätzen, Volkswagen will seinen Kunden auch zeigen, dass man die Geschichte der Marke nicht über Bord werfen möchte. Das Design des Volkswagen BUDD-e soll den Spagat zwischen Tradition und Moderne oder besser noch unmittelbarer Zukunft durch eine schlichte, saubere Designsprache ermöglichen.

Soweit zum Stammtisch- bzw. Cocktail-Klön-Wissen.

Wie jetzt? Du bist ein echter MobileGeek und willst mehr? Mehr Details? Na. Dafür bin ich ja hier. Da gehe ich doch gerne die relevanten Punkte noch einmal Schritt für Schritt mit ein wenig mehr Tiefgang für Euch durch:

Volkswagen MEB – die neue Architektur für VW E-Fahrzeuge

Wie oft wurde ein neuer Retro-Bulli schon angekündigt? Ich mag es nicht zählen, aber die Gerüchte, dass es einen neuen echten Bulli – im Gegensatz zum Multivan T6 – geben wird, haben sich lange Zeit gehalten und sind doch nie bewahrheitet worden. Nun, wir schreiben das Jahr 2016, ist es nun endlich so weit. Mit dem BUDD-e hat Volkswagen nicht nur einen Minivan entwickelt, er erinnert nun auch endlich wieder an den Bulli, den wir über mehrere Generationen hinweg so lieb gewonnen haben. Das Volkswagen dieses Retromobil nun als Technologie-Träger vorstellt, kann durchaus als clever bezeichnet werden. Aussen hui – ok, wir haben alle unseren eigenen Geschmack, meinen Geschmack trifft der Elektro-Buddy durchaus – innen vollgestopft mit moderner Technik. Alles richtig gemacht, möchte man da applaudierend jubilieren. Aber halt. Wir reden immer noch von einer Studie, die hier präsentiert wird.

Volkswagen BUDD-e Stromanschluss

Doch Volkswagen steht unter Druck. Das Jahr 2015 ist nicht so wirklich gut gelaufen für die Autobauer aus Wolfsburg, da will man sich jetzt mühen und punkten. Was selbstredend auch unglaublicher Unsinn ist, denn ein Konzept wie der Volkswagen BUDD-e entwickelt man nicht mal eben schnell aus der Hüfte, damit man einen Skandal egalisieren kann. Die Entwicklung hat natürlich schon lange vor den Tagen des Skandals begonnen. Hier trifft wohl eher der Ausspruch „Glück im Unglück“ zu.

Der Volkswagen Konzern ist der Meinung, dass der neue modulare Elektrifizierungsbaukasten die Fertigung der Elektroautos und damit auch das Automobil generell und grundlegend verändern wird

Ok, der Volkswagen BUDD-e ist eine Studie. Ob nun seriennah oder nicht, hat Volkswagen bislang nicht durchblicken lassen. Wohl aber ist verbrieft, dass der BUDD-e quasi der Begründer einer neuen Plattform ist – er baut auf dem neuen Volkswagen MEB, dem VW Modularen Elektrifizierungsbaukasten, auf. Mit dem Modularen Querbaukasten (MQB), der 2012 die anderen Plattformkonzepte sukzessive ersetzte, hat Volkswagen es geschafft, sein Fahrzeugprogramm markenübergreifend deutlich einfacher und vor allem auch effizienter produzieren zu können. Das gleiche Prinzip hat man dann mit dem MIB, dem modularen Infotainmentbaukasten erfolgreich fortgeführt. Mit der Einführung des zweiten Generation des modularen Infotainmentbaukasten (MIB II) hat es der VW Konzern beispielsweise geschafft, innerhalb kürzester Zeit alle neuen Modelle der angeschlossenen Marken mit Apple CarPlay, Android Auto und MirrorLink auszustatten.

Volkswagen BUDD-e Konzeptzeichnung Allradantrieb

Der Volkswagen Konzern ist der Meinung, dass der neue modulare Elektrifizierungsbaukasten die Fertigung der Elektroautos und damit auch das Automobil generell und grundlegend verändern wird. Man habe mit dem MEB jeglichen Ballast der fossilen Gegenwart abgeworfen, heisst es aus Wolfsburg. Somit werden wohl eGolf und eUp alsbald aufs Altenteil geschickt, was wohl die wenigsten Autofreunde in Deutschland traurig stimmen wird. Zumindest in unseren Breiten haben sich die Fahrzeuge nicht allzu großer Beliebtheit erfreut.

Mit dem VW MEB werden sich das Karosseriedesign, das Interieurdesign, das Package und die Antriebscharakteristik der elektrisch angetriebenen Volkswagen signifikant ändern. Dies lässt durchaus vermuten, dass Volkswagen in Zukunft eher den Weg von BMW einschlägt und spezielle Elektrofahrzeuge bauen wird statt wie bislang – Mercedes macht es ja bislang noch ähnlich – vorhandene Modelle einfach nur zu elektrifizieren.

Sicherlich, auch Elektroautos haben ein Lenkrad, vier Räder, eine Knautschzone, wie auch Motoren und Sitze. Sieht man sich dann aber den so oft in den Vordergrund gestellten und als leuchtendes Beispiel hervorgebenen Tesla Model S an, so erkennt man schnell, dass Elektrofahrzeuge von den Vorteilen des elektrischen Antriebs schon im Aufbau profitieren können. Man hat dort einfach mehr Platz. Ob Front-, Heck- oder Allradantrieb, der Motor sitzt auf der jeweiligen Achse und braucht deutlich weniger Bauraum. Die Akkus müssen irgendwo untergebracht werden und brauchen aktuell noch reichlich Platz, wohl aber kann man sie auch voneinander getrennt verbauen. Telsa hat ja bereits gezeigt, dass die Montage am Fahrzeugboden durchaus Vorteile bietet, nicht zuletzt wird der Schwerpunkt der Fahrzeuges so dicht an die Strasse gebracht, was der Fahrdynamik zu Gute kommt.

Volkswagen hat eine Liste der MEB-Vorteile zusammengestellt, die wir Euch nicht vorenthalten wollen und somit ungekürzt wiedergeben:

  • Große Innenräume bei möglichst kleiner Verkehrsfläche, um das Handling überall auf der Welt einfach zu gestalten.
  • Hohe Agilität; kraftvolle Antrittsstärke gepaart mit Wendigkeit.
  • Durch die neue Fahrzeugarchitektur optimal nutzbare Innenräume mit einem positiven Raumgefühl.
  • Höchste Funktionalität und Vernetzung durch neue Anzeige- und Bedienkonzepte.
  • Ein Höchstmaß an konsequentem Insassenschutz.
  • Eine neue, wiedererkennbare und eigene Design-Identität durch neue Freiheiten bei Proportionen und Formgebung – jedes MEB-Fahrzeug wird als solches erkennbar sein.
  • Kostengünstiger Zugang zur E-Mobilität. Gleichzeitig große Reichweiten auf dem Niveau heutiger Benziner, um den Wagen als Erstfahrzeug nutzen zu können.
    Antriebsdaten – das erste MEB-Conceptcar. Der auf der CES in Las Vegas vorstellte BUDD-e ist wie skizziert der erste Volkswagen, der die Gene des neuen Modularen Elektrifizierungsbaukasten in sich trägt. Durch den MEB ergibt sich eine Antriebsarchitektur, die konsequent auf den Einsatz von kompakten Elektromotoren und Hoch-leistungsbatterien zugeschnitten wurde. Die Batterie mit einem Energiegehalt von 92,4 kWh ist flach und raumsparend im nahezu gesamten Fahrzeugboden des BUDD-e untergebracht. Sie versorgt zwei Elektromotoren, über die beide Achsen angetriebene werden.
  • Die vordere E-Maschine entwickelt 100 kW (200 Nm), die hintere 125 kW (290 Nm); als mechanische Systemleistung stehen 225 kW zur Verfügung.
  • Bei voll geladener Batterie ergibt sich eine Gesamtreichweite von bis zu 233 Meilen (USA / FTP 72) respektive 533 Kilome-tern (Europa / NEFZ). Damit liegt der BUDD-e auf dem Niveau heutiger Benziner.
  • Geladen wird die Batterie entweder per Stecker oder induktiver Schnittstelle. Bei einer Ladeleistung von 150 kW (DC) ist die Batterie nach etwa 30 Minuten wieder zu 80 Prozent geladen.
  • Das Allrad-Antriebssystem der Studie ermöglicht eine Höchstge-schwindigkeit von 112 mph / 180 km/h. Den Sprint auf 60 mph absolviert der Zero-Emission-Van in kurzen 6,9 Sekunden.

Volkswagen BUDD-e – die Exterieur-Dimensionen

Volkswagen spricht bei BUDD-e von einer optimal genutzte Verkehrsfläche. Schaut man auf die Länge so findet man den elektrisch Volkswagen Minivan BUDD-e mit einer Gesamtlänge von 4.597 mm zwischen Volkswagen Touran und Multivan T6 wieder. Ein handlicher Stadtwagen sieht sicherlich anders aus, aber als Konzept für ein familienfreundliches Elektrofahrzeug steht er nicht schlecht da. Mit einer Breite von 1.940 mm benötigt er allerdings mehr Platz als der T6. Mir ist vollkommen unverständlich, warum fast alle Hersteller dazu übergehen, ihre Fahrzeuge immer breiter werden zu lassen. Selbstverständlich hat man in den USA oder meinetwegen auch China Platz ohne Ende. Aber bei uns in Europa wachsen weder die Strassen noch die Parkplätze mit den Fahrzeugen mit. Das stete Verbreitern ist ein Trend, den die Hersteller meiner Meinung nach sehr zeitnah genau überdenken sollten. Punkten kann der BUDD-e in diesem Fall höchstens durch die fehlenden Ausspiegel, sonst würde das Fahrzeug vermutlich deutlich über 2.100 mm breit sein und somit in den deutschen Autobahnbaustellen zukünftig auf der rechten Spur zwischen den LKWs Platz nehmen.

Die weiteren bekannten Zahlen liefere ich auch noch gerne nach: Der BUDD-e hat einen Radstand von 3.151 mm, die Überhänge sind vorne mit 694 mm und hinten mit 752 mm bemessen. Bezugnehmend auf die Gesamtlänge von fast 4.6 Metern ist der Wendekreis von 11,5 m durchaus als kompakt einzustufen. Hier punktet der BUDD-e durch die neu entwickelte Hinterachslenkung, die wir sonst nur aus exklusiven Premiumfahrzeugen wie dem Porsche 911 oder dem Audi Q7 kennen. Und zum Abschluss darf ich noch darauf hinweisen, dass der elektrische Minivan mit einer großen Heckklappe und einer Schiebetür an der rechten Fahrzeugseite ausgestattet ist.

VW BUDD-e – Exterieur-Design – Ästhetik der Funktion

Über Design muss man sich ja glücklicher Weise nicht streiten, sondern kann salominsch festhalten, dass unsere Geschmäcker eben verschieden sind. Dennoch schreiben sich die Designer ja immer etwas auf ihren Arbeitszettel. Zu oft heisst dies „form follows function“, selten darf die Ästhetik noch den vorrangigen Ton angeben. Der Volksmund quittiert dies dann in der Regel mit „Die sehen doch alle gleich aus!“ Die Designer des BUDD-e wollten ihre Schwerpunkt auf eine klare Ästhetik der Funktion legen. Für uns Normalsterbiche soll dies heissen, dass der Wagen sowohl funktional und progressiv wie auch clean und kraftvoll daher kommen, auf jeden Fall aber sympathisch rüberkommen soll. Letzteres hat man meiner Meinung nach durch die „ikonenhafte Anmutung“ geschafft. Und an dieser Stelle ein Indiz, dass die Leute in so eine Studie nicht nur viel Kraft und Energie, sondern auch Liebe zum Detail stecken – selbst die Lackierung der Studie bekam Namen. Die Dachpartie wurde im Goldton „Phoenix Copper“ lackiert, der Rest des Fahrzeugs in „Nevada White“. Ich frage mich nur kurz, ob die Farbe bei einer Weltpremiere in Detroit denn „Michigan White“ genant worden wäre …

Und weil ich ja schon festgehalten habe, dass Design eben ganz viel mit dem eigenen Geschmack zu tun hat und ich dazu neige, die Ausführungen der Hersteller immer einen guten Schlag zu ironisch zu kommentieren, erlaube ich mir, diesen Part ungekürzt aus der Pressemitteilung zu übernehmen. Ich möchte Euch keines Falls um den Genuss bringen, Euch die eine oder andere Formulierung auf der Zunge bzw. in den Augen zergehen zu lassen.

Volkswagen BUDD-e Zeichnung Front

Frontpartie: Mit seinem Frontpartiedesign macht der BUDD-e unmissverständlich klar, dass hier ein Volkswagen unterwegs ist. Besonders stilprägnant ist der Bereich rund um das VW-Zeichen: Das komplett in transparentem Kunststoff gehaltene Karosserieelement kann auf verschiedenste Art und Weise über intergierte LED-Module hinterleuchtet werden. Dabei entsteht ein Außen-Ambientelicht, das zu den Seiten hin als schmaler Streifen ein-mal um den Van herumgeführt wird. Die Hauptscheinwerfer, ebenfalls in LED-Technik ausgeführt, befinden sich weiten oben. Links und rechts von ihnen wird die transparente Fläche mit den dort eingearbeiteten LED-Blinkern bis weit in die Silhouette fortgeführt. Von vorn betrachtet, schlägt das v-förmige Design der transparenten Fläche eine Brücke zum Volkswagen Ur-Van und zum Käfer, transferiert das Thema aber mit einer völlig neuen Interpretation dieser Marken-DNA in die Zukunft.

Silhouette: Stilprägend sind in der Silhouette die flache und langgestreckte Dachlinie, die ebenso langen Fensterbänder mit verglasten A-Säulen, die 21-Zoll-Leichtmetallfelgen und die vorn bis in die Seitenpartie herumgezogenen Lichtmodule. Oberhalb dieses transparenten Leuchtkörpers ist wie skizziert ein schmaler LED-Streifen angeordnet, der als Charakterlinie und äußere Ambientebeleuchtung einmal komplett um den Wagen herumführt. Besonders clean wirkt die Silhouette zudem durch die nicht vorhandenen Türgriffe und Außenspiegel, da diese Module durch elektrische Lösungen neu konzipiert wurden. Folgt der Betrachter dem seitlichen Fensterband nach hinten, fällt der Blick auf die ausgestellten D-Säulen, in die seitlich nach oben hin zudem das LED-Band der Rückleuchten mit hineinläuft.

Volkswagen BUDD-e Zeichnung Heck

Heckpartie: Von hinten betrachtet wird deutlich, dass durch die in Hochglanzschwarz gehaltenen D-Säulen der Fahrwind strömt; die aerodynamische Konzeption reduziert den Luftwiderstand und optimiert gleichzeitig den Anpressdruck auf der Hinterachse. Die cleane und ikonenhafte Gestaltung setzt sich bis in das Heck fort. Dort sind es die großflächige und an den Volkswagen Ur-Van erinnernde Heckklappe, die bis in die D-Säulen hochreichenden LED-Bänder der Rückleuchten und das umlaufende Ambientelicht, die dem BUDD-e ein ganz unverwechselbares Charisma verleihen. Ein Kennzeichen der Volkswagen Elektro-autos ist last but least eine C-förmige LED-Signatur als Einfassung der ausfahrbaren Drop Box.

Volkswagen BUDD-e Zeichnung Innenraum

Volkswagen BUDD-e Interieur-Design – Das Auto als Lounge & mobil zuhause

Wie oben schon festgehalten, ändert sich durch die Architektur des neuen Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB) das Package, also die Raumnutzung, des Autos deutlich. Nur als ein kleines, erhellendes Beispiel vorab sei hier die Anordnung des Heiz- und Klimagerätes genannt. Durch den Wegfall des Verbrenners bzw. Selbstzünders konnte das System jetzt komplett in den Vorderwagen integriert werden. Somit entsteht zusätzlicher Platz im Wageninneren. Das wiederum fördert eine bessere Luftqualität, da nun Platz für den Einsatz von größeren Filtern vorhanden ist, und sorgt ebenso für einen deutlich ruhigeren Innenraum, da die Lüftergeräusche entfallen.

Volkswagen BUDD-e Dashbord

Die veränderte Art der Innenraumnutzung lässt zudem die Interieur-Designer ganz anders arbeiten. Durch den Wegfall oder besser die Minimierung der Antriebseinheit haben sie viel mehr Platz im Innenraum zur Verfügung. Ich glaube, die haben jetzt mal so richtig Spass! So flog denn auch gleich beim BUDD-e die klassische Schalttafel mitsamt der klassischen Schalter aus dem Auto. Die Elemente sind einfach überflüssig geworden. In der Studie wurden die herkömmlichen Bedienelemente stattdessen durch das Human Machine Interface der nächsten Generation ersetzt. Sie wurde wie ein Tablet optisch freischwebend vor dem Fahrer angeordnet. In diesen Tablet sind zunächst zwei größere Displays vorgesehen – 12,3 Zoll stehen der Fahrerin oder dem Fahrer exklusiv zur Verfügung, der Blick auf das 13,3 Zoll große Infotainment-System ist dann für alle Passagiere zugänglich. Interessant finde ich hier, dass mir bei meinem letzten Besuch der Technischen Entwicklung am Beispiel der Golf R Studie noch einleuchtend erklärt wurde, dass VW nur sehr behutsam am Bedienkonzept der Fahrzeuge Änderungen vornehmen möchte, damit die Kunden die Chance bekommen, sich an die Neuerungen nach und nach zu gewöhnen. Dies scheint dann nur noch bedingt für die Volkswagen Stromer zu gelten. Vielleicht hat man in Wolfsburg für diese Fahrzeuge aber auch eine deutlich agilere und technikfreundlichere Zielgruppe ausgemacht.

Meine Frau hat mir in früher Vorzeit mal erklärt, dass man Gold nicht zu Silber tragen soll. Vielleicht gilt das heute nicht mehr, zumindest nicht im Automobilbau. Denn beim BUDD-e kombiniert man ein Gold/Weiss aussen mit einer blau-silbern-weißen Innenraumgestaltung. Aber dann, was weiss ich denn schon von Farben. Ich bin Autoblogger und kein Design-Experte.

Der Kollege Jens Stratmann schwärmt ja für Schiebetüren. Ihm wird es also gefallen, dass der VW BUDD-e zumindest an der rechten Seite, also der Kinderseite, mit einer Schiebetür ausgestattet ist. Ein weiterer Blick auf die Fotos und Zeichnungen der Studie zeigt dann auch, dass die Designer wohl auf die Türgriffe verzichtet haben. Früher überliess es man noch der Tuning-Szene die Fahrzeuge zu „cleanen“, in Zukunft rollen sie vielleicht schon direkt so vom Band. Geöffnet wird die Tür aber nicht konventionell (und somit auch zu langweilig für eine Studie) mit der Funkfernbedienung, sondern locker lässig mit einer Geste. Hat sich die Tür dann geöffnet und man ist eingestiegen, soll der Innenraum mit Loft-Charakter glänzen. Wie in einer Lounge sollen sich die Mitfahrer entspannen können.

Im Gegensatz zum Touran, der immerhin bis zu sieben, auf jeden Fall aber fünf Sitzplätze bietet, können im BUDD-e gerade mal vier Personen Platz finden.

Die Idee ist natürlich schrecklich hipp und sexy, ich hätte mir hier einen deutlich pragmatischeren Ansatz gewünscht. Schon Mercedes hatte im letzten Jahr mit dem Mercedes-Benz F015 ein großes Fahrzeug gezeigt, in dem gerade mal vier Leute Platz finden. Die Kollegen aus Wolfsburg haben wohl das eher leidliche Medienecho nicht für sich ausgewertet. Denn der BUDD-e ist von seinen Ausmassen zwar deutlich größer als der Touran. Im Gegensatz zum Touran, der immerhin bis zu sieben, auf jeden Fall aber fünf Sitzplätze bietet, können im BUDD-e gerade mal vier Personen Platz finden. Um die Mädels und Jungs aus Wolfsburg aber auch wieder ein wenig in Schutz zu nehmen. In der Pressemitteilung heisst es im Wortlaut „Der für die CES konfigurierte Zero-Emission-Van ist aufgrund seiner besonderen technischen Ausstattung ein Viersitzer.“ Demnach ist wohl auch ein deutlich praktischeres Raumkonzept in einer Schublade vorhanden.

Volkswagen BUDD-e Sitzbank hinten

Für die Vier hat man sich dann aber richtig ins Zeug gelegt. Während die vorderen Sitze auf einer Echtholz-Oberfläche inklusive drei-dimensionaler Maserung montiert wurden, findet sich im Fond eine weiche Teppichfläche. In Deutschland liegt Schnee, in Las Vegas regnet es. Weiche Teppichfläche, also ehrlich Leute … Na gut. Vielleicht lässt man die dreckigen Schuhe ja in der im Heckstossfänger integrierten Schublade und hat dort immer Puschen parat? Ich schweife ab!

Volkswagen BUDD-e Interieur Blick nach vorne

Die Passagiere im Fond sitzen klassisch auf einer Rückbank, der drehbare Beifahrersitz (die Vordersitze basieren auf heutigen Serienlösungen) ist auch keine bahnbrechende Neuerfindung. Die längs zur Fahrrichtung befindliche Sitzfläche darf nur im Stand genutzt werden. Sitzen dort dann aber großgewachsene Personen, so verdecken diese den Blick auf den ebenfalls längs zur Fahrtrichtung angebrachten 34 Zoll Monitor, der in die Seitenwand des Volkswagen integriert wurde.

BUDD-e – Human-Machine-Interface der nächsten Generation

Revolution statt Evolution beim Bedienkonzept. Diesen Claim hatte zuletzt Audi bei der Einführung des neuen TTs und der Vorstellung des „virtual cockpit“ genutzt. Volkswagen will also einen Sprung nach vorne machen, was das Bedienkonzept angeht. Alte Zöpfe sollen entfernt werden, alte Bestandskunden müssen danneben  auch etwas ganz Neues lernen.

Nicht nur die technische Architektur von Infotainment- und Steuerungssysteme sondern auch deren Design machen gemeinsam einen riesigen Satz nach vorne. Der Vergleich zum Generationswechseln von Handy zum Smartphone bietet sich da durchaus an. Kaum noch vorzustellen, dass ich SMS auf der Tastatur meines Nokia 7110 liebevoll mit Hilfe von T9 eingehackt habe, wenn ich heute nochmal schnell Siri ein paar Erinnerung diktiere und dann noch mal eben die letzten Updates bei MobileGeeks lese. Revolution statt Evolution – das passt schon gut!

Die Revolution vollzieht Volkswagen am Beispiel des BUDD-e in drei großen Bereichen: die Digitalisierung des Fahrerarbeitsplatzes, der Verschmelzung von unterschiedlichen Informationsquellen und der Gesten-, Touch- und Sprachsteuerung zur Interaktion mit dem Auto.

Mit dem neuen Interface-Design des BUDD-e hebt Volkswagen die klassische Trennung zwischen dem Fahrer-Kombiinstrument und dem Infotainmentsystem-Display in der Mittelkonsole auf. Beide Bereiche sollen auf dem Weg zu einer umfassenden Digitalisierung und Individualisierung des Fahrerarbeitsplatzes zusammengeführt werden. Die physische Trennung der beiden Displays wird optisch durch die Präsentationen der Informationen aufgehoben.

Warum muss ich bei Gestensteuerung nur immer an den alten Claim von Zewa denken? Mit einem Wisch ist alles weg …

Nicht mehr das Fahren selbst, sondern das Reisen oder auch die einzelne Fahrt soll auf den Displays in den Vordergrund rücken. Die komplette Panelfläche stellt nunmehr auf Wunsch eine verschiebbare 3D-Navigationskarte dar. Auf dem Active Info Display sollen zwar schwerpunktmässig weiterhin die klassichen Informationen ausgegeben werden, dennoch hat der Fahrer noch mehr Objekte aus der Schnittmenge zwischen Fahrerinformation und Infotainment erhalten. Als Beispiel: Für einen Lenker eines Elektromobils sind ja die Reichweite ebenso wichtig wie die Orte, an denen sich die nächsten Ladesäulen befinden.
So sollen die jeweiligen Nutzer bestimmen können, welche Elemente auf ihren Anzeigetafeln die höchste Aufmerksamkeit verdienen – hier kann dann gewählt werden: ist es die Navigationsgrafik und/oder die Anordnung medialer Inhalte wie die Darstellung von Points of Interest (POI), Playlists (Audio), Apps („App-Connect“) und Online-Diensten („CAR-Net“).

Warum muss ich bei Gestensteuerung nur immer an den alten Claim von Zewa denken? Mit einem Wisch ist alles weg … Aber ich sollte wohl lieber ernst und bei der Sache bleiben. Unlängst hat sich die Technik so fein weiter entwickelt, dass die Gestensteuerung im Auto nun wirklich nicht mehr in den Bereich „Witchcraft and Technology“ fällt. Zuletzt habe ich im Golf R touch gesehen, dass sie nicht nur zuverlässig funktioniert, sondern auch intuitiv bedienbar ist. Wer hier immer noch zweifelt, sollte es einfach selbst ausprobieren. BMW hat das Ganz ja nun unlängst zur Serienreife gebracht und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir in diesem Jahr auch im neuen 5er BMW diese Art der Technik als ergänzende Form der Bedienung sehen werden.

Das man die Sprachsteuerung mittlerweile zu mehr nutzen kann, als nur zur Adresseingabe, hat uns Siri ja unlängst gelehrt. Ich finde den Ausblick durchaus angenehm, dass die Autos wie BUDD-e noch mehr verstehen werden. Denn ich persönlich möchte nicht beim Fahren auf einem Touchscreen rumfingern, sondern meinem VW viel lieber sagen „Hallo Buddy, mir ist kalt, ich hätte es gerne 2 Grad wärmer.“ Und während man im Telsa als Fondpassagier noch jemanden auf den vorderen Sitzen bitten muss, die Sitzheizung zu aktivieren, soll BUDD-e das unlängst als Sprachkommando verstehen. Meldet sich also der Passagier auf die hinteren rechten Platz, soll BUDD-e verstehen eben nur ihm ein wenig Feuer unter dem Hintern zu machen und nicht dem Passagier auf der linken Seite.

Um die zur Verfügung stehenden Funktionen und Datenquellen vom Active Info Display (Fahrerseite) und der Head Unit (HU, Display in der Mitte) im Detail zu erklären, bediene ich mich noch einmal wörtlich aus der Pressemitteilung:

  • Bereich I, „Drive“: Im Zentrum des Active Info Displays sind als Teil einer 3D-Karte die aktuelle Strecke samt Gebäuden, die Points of Interest (POI) sowie die Navigationshinweise eingeblendet – die Randbereiche dieser Navigationsgrafik bilden gleichzeitig den Hintergrund des gesamten Displays.
  • Bereich II, „Control“: Links im Active Info Display befinden sich die Anzeigen zum Fahrzeugstatus und zu den Assistenzsystemen sowie die aktuellen Fahrdaten des Bordrechners.
  • Bereich III, „Consume“: Die Infotainmentinhalte wie „Audio“, „Messages“, „Kalender“ oder „Wetter“ sind rechts im Display angeordnet. Volkswagen bezeichnet diese konzentriert auf die Strecke zugeschnittene und in erster Linie vom Fahrer genutzte Anordnung als „Fahrmodus“.
  • Alternativ gibt es einen „Reisemodus“, bei dem unter anderem die detaillierte Streckenführung in die Head Unit verschoben wird; hier kann die Routenführung und -planung auch von den Mitreisenden genutzt werden.
  • Stets konstant untergebracht sind auf einer Ebene am unteren Rand des Displays die Verbrauchsanzeige (links), die Geschwindig-keitsanzeige (Mitte) sowie die Infos zur Energiereserve und Reichweite (rechts).
  • Die Head Unit, der auch für den Beifahrer und die Fondgäste einseh- und bedienbare Bereich des neuen HMI, ist in der Mitte der Schalttafel angeordnet. Wie skizziert, ist das 13,3 Zoll große Display grafisch und softwareseitig mit dem Active Info Display verbunden. In der Grundgrafik zeigt die Head Unit die erweitere 3D-Kartendarstellung der Navigation (inklusive Gebäude). Die Fläche selbst ist in der obersten Ebene mit frei belegbaren Kacheln ausgestattet. Sie stehen in zwei Größen zur Verfügung. Insgesamt können bis zu acht Kacheln nebeneinander angeordnet werden. Hier werden im „Fahrmodus“ zum Beispiel „Fahrdaten“ , „Audio“ (Playlist / Song / Cover) oder „Nachrichten“ eingeblendet. Alternativ gibt es wie skizziert den „Reisemodus“; in diesem Fall liegt der Schwerpunkt auf der grafisch perfekten Inszenierung von Reiseinhalten. Ein unten in der Mitte der Head Unit ange-ordneter Home-Button führt zielsicher aus jedem Menü heraus wieder in die oberste Menü-Ebene zurück.
  • Wie man es von der Smartphone-Software respektive -Bedienung kennt, ist oben im Screen eine Menü-Lasche integriert. Zieht man sie auf, gibt sie den Schnellzugriff auf wichtige Funktionen und Menü-Punkte frei. Im Detail sind es zum Beispiel Menü-Punkte wie „Music“, „Places“, „Images“, „Phone“, „Connected Home“ und „Videos“.
  • Im unteren Rand des Displays sind zudem Infos von Grundfunktionen wie der Klimasteuerung und der Sitzheizung integriert. Hier ebenfalls angeordnet ist der wichtige Button zum Wechsel zwischen „Reise-„ und „Fahrmodus“ und zum Verschieben der aktuellen Routen-Darstellung innerhalb der Displays.
  • Last but not least ist rechts im Display eine „In-Box“ angeordnet, über die Inhalte von anderen Gästen an Bord zur Head Unit gesendet werden können. Die Head Unit ist mit einer Annäherungssensorik ausgestattet: Sobald sich eine Hand nähert, geht das Display stufenlos vom Anzeige- in den Bedienmodus über, um etwa im Fenster „Audio“ durch die Playlist zu blättern.
  • Je nach Situation bietet es sich an, vom „Fahrmodus“ in den „Reisemodus“ zu wechseln. Und zwar dann, wenn die Reiseinhalte in den Vordergrund rücken. Im Active Info Display fokussiert sich die Anzeige dabei auf konkrete Navigationshinweise, während die Darstellung der zu fahrenden Strecke nach rechts in die Head Unit rückt und dort nun zum Beispiel mit den jetzt ausführlicher dargestellten Points of Interest korrespondiert – das Lokalisieren von Sonderzielen wird dadurch für alle Reisenden an Bord erleichtert und plakativer. Die Standardanzeigen im Active Info Display versorgen den Fahrer indes weiterhin mit den für die Fahrt wichtigsten Hinweisen. Der Wechsel erfolgt via Gestensteuerung, dem Home-Button oder über das ebenfalls komplett neu entwickelte Multifunktionslenkrad.

Heureka. Ich vermute mal, dass sich alle Händler auf ihre zukünftigen Schulungen freuen und die Bedienungsanleitung mit dem Umfang eines Lexikons auch nur noch digital publiziert wird. Natürlich ist es immer schön, wenn man sich alles so individuell wie möglich gestalten kann. Aber allein bei der kurzen Lektüre bekomme ich leichte Kopfschmerzen. Vermutlich legen die sich auch erst wieder, wenn ich das System selbst mal ausprobieren konnte.

Und ich hadere noch mit mir selbst. Ich höre immer noch die Stimmen, die da meinen, dass man die Heizung am einfachsten mit einem Schieberegler bedient. Und ebenso, dass mechanische Elemente sich viel fehlerfreier bedienen lassen. Auf der anderen Seite – möchte ich mein iPhone wirklich wieder gegen ein Telefon mit Wahlscheibe oder das Nokia 7110 eintauschen?

Volkswagen BUDD-e Interier Fahrerplatz

Volkswagen e-Mirror

Zurück zum Protagonisten bei Volkswagen großer CES Showeinlage. Jupp, wer genau hingesehen hat, wird festgestellt haben, dass der VW BUDD-e gänzlich ohne Aussenspiegel daher kommt. Mir kommen ja immer die Tränen, wenn Konzeptfahrzeuge kleine schnittige Spiegel zeigen und das Produktionsfahrzeug, dann wieder mit Elefantenohren ausgeliefert wird. Der Wunsch der Industrie zeigt sich anhand der Spiegel immer wieder. Sie sollen entweder so klein wie möglich sein, denn sie nehmen dem Fahrzeug immer ein Stück weit die Aerodynamik, die ohne Spiegel möglich wäre, zu anderen erzeugen sie Windgeräusche, die auch nicht im Sinne eines Premium-Fahrzeugs sind.

Und da kleine Spiegel eben nicht den Anforderungen der Gesetzgebung entsprechen, will man jetzt eben ganz auf die Spiegel verzichten bzw. diese digitalisieren. Auf die Idee ist nicht nur Volkswagen gekommen, auch BMW zeigt auf der CES eine weitere i8 Spider Studie, die ebenfalls ohne Aussenspiegel daherkommt.

Der Volkswagen e-Mirror steht nun also für die elektronische Sicht nach hinten. Zwei Aussenkameras und zwei Displays im Innenraum ersetzen die klassischen Aussenspiegel. In wieweit sich dieses Konzept wirklich vernünftig realisieren lässt, wird die Zukunft zeigen. Auf der einen Seite zeigen schon heute einige Hersteller Rückfahrkameras deren Bild wirklich brauchbar ist, auf der anderen Seite kann die Kamera noch so gut sein, wenn es regnet sieht man in der Regel nichts mehr auf dem Display und auch bei Nacht kann eine Kamera kaum das menschliche Auge ersetzen. Die Idee ist dennoch charmant und wozu haben wir denn die ganzen hervorrangend ausgebildeten Ingenieure. Ich bin mir sehr sicher, dass sie schon seit an paar Tagen an cleveren Lösungen arbeiten.

Im VW BUDD-e sind die Displays der digitalen Außenspiegel (e-Mirror) pfiffiger Weise multifunktional ausgelegt. Wurde der VW BUDD-e abgestellt, so können Fahrer und Beifahrer über das jeweilige Display-Panel die elektrischen Türen öffnen wie auch schließen. Das Display auf der Fahrerseite misst übrigens 7,9 Zoll, der Screen auf der Beifahrerseite hingen noch 5,9 Zoll. Doch auch während der Fahrt kann man Teile des Touchscreens nutzen, im Konzept ist es beispielsweise möglich, die Farbe des Ambientlights zu verstellen.

Volkswagen BUDD-e Multifunktionslenkrad

Volkswagen Multifunktionslenkrad 3.0 – intuitiv bedienbar

Wenn hier von der Version 3.0 gesprochen wird, dann muss man schnell noch hinzufügen, dass die aktuell verbauten Multifunktionslenkräder allenfalls die Versionsnummer 1 tragen und das Lenkrad der VW Golf R Touch Studie des letzten Jahres die Version 2 darstellt. Für das Lenkrad des BUDD-e haben die Entwickler aus Wolfsburg noch mal kräftig weiter getüftelt. Das Lenkrad wirkt erst einmal, als wäre es komplett schalterlos.

Erst wenn man das Fahrzeug startet, kann man einzelne Funktionen per Druck oder Wischgeste aktivieren. Wie schon aus der Golf Studie bekannt, arbeiten die Schaltflächen mit haptischem Feedback. Sie suggerieren dem Benutzer quasi, dass mechanische Schaltflächen vorhanden sind. Und dieses haptische Feedback erfolgt in zwei Ausprägungen. Eine leichte Form um die Schaltfläche lokalisieren zu können, ein deutlich stärkeres Feedback, wenn die Funktion ausgeführt wird. Zudem bekommt der Fahrer über das Active Info Display ein visuelles Feedback. Das hört sich trocken herunter geschrieben wenig reizvoll und praktisch an, allein meine Erinnerung an meiner Erlebnisse im Golf R zaubert mir aber ein leichtes Lächeln auf das Gesicht, so dass mir der geneigte Leser einfach glauben möge, dass wir hier von einer ziemlich coolen Geschichte reden.

Volkswagen BUDD-e Infotainment

Ein Beispiel aus der Pressemitteilung zu Bereich „Audio“: Im entsprechenden Fenster wird das Cover des gerade eingespielten Songs angezeigt. Gleichzeitig sieht der Fahrer in diesem quadratischen Fenster an den Rändern – in allen vier Richtungen – Symbole. Diese vier Symbole (Blättern nach oben oder unten, Klang und Menü) korrespondieren direkt mit den entsprechenden Schaltrichtungen der Lenkradbedienfläche. Selbst komplexe Bedienabläufe sind dadurch intuitiv umsetzbar.

Auch der sogenannte Touchslider aus dem Golf R touch hat es als Weiterentwicklung in den BUDD-e geschafft. Die Auflösung der Sensorik ist jetzt noch höher, das ganze System noch performanter geworden. So erkennt der Touchslider (eine Art Annäherungssensor, wie wir ihn schon heute aus den Produkten des VW-Konzerns kennen) wie viele Finger zum Sliden genutzt werden. Nimmt man nur einen Finger ändert man einen Wert wie beispielsweise die Lautstärke des Infotainment-Systems, nimmt man hingegen zwei Finger kann man die Lüftung beeinflussen.

Volkswagen BUDD-e Türen öffnen per Gestensteuerung

Volkswagen Gestensteuerung 2.0 – digitaler Arm

Auch bei der Gestensteuerung hat man in Wolfsburg noch mal deutlich nachjustiert. Sie muss nicht mehr explizit aktiviert werden, sondern nimmt die Gesten jetzt unmittelbar wahr. Hinzu kommt, dass Gesten nun auch ausserhalb des Fahrzeuges genutzt werden können. Das ist auch nicht so richtig neu, denn die „Easy Open“-Funktion kann man ja schon heute in den Fahrzeugen ordern, um per „Fusswischer“ unterhalb des Stossfängers den Kofferraum zu öffnen. Hier hat man noch weiter an der Sensibilität der Sensoren gearbeitet. Zudem ist beim BUDD-e auch vorgesehen, dass man die Schiebetür mittels Gestensteuerung öffnen kann. Interaktive Displaydarstellungen und Projektionen unterstützen dabei den Kunden als visuelle Hilfestellung.

Volkswagen BUDD-e Kofferraum öffnen per Gestensteuerung

VW BUDD-e Ambientebeleuchtung – personalisiertes Licht

Die Ambientebeleuchtung ist ja dank LED-Technik heuer schon zu einem Liebling der Automobilindustrie geworden. Kein Wunder, kann man sie doch als nettes Individualisierung-Feature mehr oder weniger gewinnbringend an den Kunden bringen. Im BUDD-e soll sie aber nicht nur dafür sorgen, dass sich die Personen im Auto wohl führen, es gibt auch farbliche Inszenierung für das Öffnen, Starten, Abstellen und Schließen des Volkswagen. Das muss man nicht haben, aber gerade im Dunklen ist es zumindest sehr schön anzusehen. Als Highlight – haha – der Studie kann das Licht nun auch an die vorbeiziehende Landschaft angepasst werden.

Volkswagen BUDD-e x IOT – das Auto im Internet der Dinge

Warum ich mein iPhone so mag? Na ganz klar, ich habe meine komplette Kommunikation im Taschenformat immer bei mir. Ihr wisst schon – Adressen, Kontakte, Email und dazu noch meine Videos, meine Musik, mein Lauftrainer, sogar noch Spiele. Wenn ich mich jetzt erinnere, wie viel Zeit ich als Pendler damals in meinen Autos verbracht habe und wieder den iPhone/Nokia 7110 Vergleich anbringen darf, da ist es schon irgendwie wünschenswert, dass auch mein Auto cleverer wird. Mir einen Mehrwert bietet. Nicht nur ein Transportmittel ist, was mich von A nach B bringt. Sondern zukünftig – mit einem Blick auf die vollgestopften Strassen in Deutschland – auch eher vor allem, einfach mehr kann. Das Internet of Things kommt. Lässt man mal den Datenschutz ausgeklammert, dann schreie ich „JA!“ Ich will, dass mein Kühlschrank und mein Mülleimer intelligenter werden. Ich möchte, dass meine Einkaufsliste automatisch aufgestockt wird, wenn ich eine leere Milchpackung entsorge oder mir eine neue Klopapierrolle aus dem Regal nehme.

Volkswagen BUDD-e mit Smart Home Integration

Volkswagen will nun mit dem BUDD-e auch zeigen, wie das Auto sich sinnvoll in das Internet der Dinge einbinden kann. Hier noch einmal ungekürzt die Ideen und Ansätze von Volkswagen aus der Pressemitteilung:

  • Smart Home / Home-Net – automobiler Lebensraum. Das komplett neue Infotainmentkonzept des BUDD-e macht nicht nur das Reisen interaktiver und Medien erlebbarer, es vernetzt den Wagen auch komplett mit der Welt seiner Nutzer. Mehr noch – BUDD-e selbst wird ein Teil des Internets und avanciert dabei zu einem Schlüssel in die digitalisierten Service- und Infotainmentwelten: Die Menschen werden von Autos wie diesem Volkswagen auf ihr Zuhause und die Arbeitswelt zugreifen und dort die Klimaanlage regeln, das Licht steuern oder einfach online nachsehen, ob die Kinder schon zuhause sind. @home in the internet. @home in the car.
  • Drop Box – mobiles Postfach. Gleichzeitig wird das Automobil interaktiv zur Schnittstelle für die Welt da draußen und damit Teil der Smart World: Denkbar ist, dass Verbrauchsmaterialien – etwa die Scheibenwischerblätter des Autos – und Einkäufe aller Art künftig nicht nur via Fahrzeug bestellt, sondern auch an das Auto ausgeliefert werden. Und zwar über eine von außen zugängliche Drop Box im Fahrzeug; der Volkswagen liest über den NFC den Zugangscode, um die Drop Box für den zugangsberechtigten Paketdienst via „Digital Key“ zu öffnen. Ein mobiles Postfach!
  • Connected Home – unterwegs zuhause. Gesteuert werden Smart Home-Funktionen heute über Smartphone-Apps der jeweiligen Hersteller. Doch Smartphones dürfen bekanntlich während der Fahrt aus Sicherheitsgründen nicht bedient werden. Volkwagen hat auch diese Herausforderung gelöst: Mit „App-Connect“ – der Volkswagen Schnittstelle für alle Apple- und Android-Smartphones – bietet der BUDD-e die Möglichkeit, bestimmte Funktionen von „Connected Home“ während der Fahrt vom Wagen aus zu steuern. Im Rahmen der CES zeigt Volkswagen zusammen mit dem koreanischen Elektronikkonzern LG, wie vom Conceptcar BUDD-e aus der Einblick in den Kühlschrank möglich wird. Genauso ist es machbar, via BUDD-e das ganze Haus in einen energiesparenden Ruhemodus zu versetzen. Künftig wird das Autos zudem automatisch dafür sorgen, dass das Licht im und am Haus angeht, sobald der Wagen vorfährt (Home-Net Automation).
  • Home-Net Viewer – Blickkontakt. Parallel zu „CarPlay™“ (Apple) und „Android Auto™“ (Google) ist „MirrorLink™“ (für Android-Telefone) eine zentrale Schnittstelle für die Nutzung von Smartpho-ne-Apps im Auto. In allen drei Fällen werden die mit dem Volkswagen kompatiblen Apps des Smartphones im Infotainmentsystem gespiegelt. Volkswagen bündelt diese seit 2015 in diversen Modellen angebotenen Smartphone-Integrationen unter „App-Connect“. Auf der CES wird zusammen mit dem deutschen Hersteller Doorbird demonstriert, wie über „MirrorLink™“ in Verbindung mit dem neu entwickelten Home-Net Viewer künftig auch Bilder der im und am Haus verbauten Kameras in einem der Displays des Autos angezeigt werden können (denkbar ist dieses Szenario ebenso mit „CarPlay™“ und „Android Auto™“). Ein Beispiel: Klingelt ein Besucher zuhause, wird dessen via Home-Kamera aufgenommenes Bild in den Screen des Infotainmentsystem eingespeist. Mehr noch: Über die App ist es zudem möglich, mit dem Besucher via Freisprechanlage des Fahrzeugs zu reden und ihm gegebenenfalls die Tür zu öffnen.
  • Home-Net Don’t forget – nichts vergessen. Es mutet schon ein wenig wie künstliche Intelligenz an: BUDD-e erinnert seine Nutzer daran, wenn sie etwas im Wagen vergessen haben sollten. Und zwar über die Smartwatch und / oder das Smartphone. Mit „Home-Net Don’t forget“ lassen sich auch Gegenstände im Auto lokalisieren. Über eine Inventarliste können Fahrer oder Mitreisende die im Auto deponierten Gegenstände einsehen. Und nicht nur das: Der intelligente „Reminder“ weist auch auf Dinge hin, die sich in bestimmten Situationen im Wagen befinden sollten. Kündigt die Wettervorhersage zum Beispiel Regen an, gibt BUDD-e dem Fahrer den Hinweis, dass sich aktuell kein Regenschirm im Wagen befindet. Die entspre-chenden Gegenstände werden zuvor mit einem Sender (kleinen Stickern) ausgestattet, der sie ortbar macht. „Home-Net Don’t forget“ nutzt eine verschlüsselte Funkschnittstelle. Von außerhalb des Fahrzeugs und von Unbefugten können die Gegenstände nicht lokalisiert werden.
  • Smart Gesture – Auto öffnet zuhause Haustür. Volkswagen wird die Gestensteuerung als einer der ersten Hersteller in erschwingliche Großserienautos integrieren. Wie groß dabei das Spektrum der Möglichkeiten ist, zeigt das Unternehmen in Las Vegas mit dem BUDD-e. Mit Hilfe des Wagens wird es künftig zudem möglich sein, dass die Gestensteuerung via Fahrzeug auch für bestimmte Funktionen am Haus genutzt werden kann. Und auch das erläutert Volkswagen ebenfalls auf der CES. Genutzt wird hier die bekannte „Easy Open“-Funktion, bei der BUDD-e auf Wunsch per Laser einen virtuellen Fußabdruck vor die Heckklappe des Wagens projiziert. Tritt der berechtige Nutzer auf diese Position, öffnet sich automatisch die Heckklappe. Genau das Gleiche funktioniert auch mit der Haustür: BUDD-e projiziert den Fußabdruck vor die Tür; stellt der Bewohner seinen darauf, wird sie geöffnet – praktisch, bei vollen Armen nach dem Einkauf. Natürlich müssen für diesen Ablauf zuvor Veränderungen an Haustür und eine Softwareanbindung erfolgen.

Volkswagen BUDD-e Bedienung mit Smart Watch

Volkswagen BUDD-e App Steuerung

BUDD-e – Teilautomatisierte Gegenwart

Natürlich sind auch alle aktuellen Assistenzsystem im BUDD-e verbaut. So auch beispielsweise der Volkswagen Stauassistent (automatisches Lenken, Bremsen und Beschleunigen bei Stop-and-Go bis 37 mph / 60 km/h), ACC als adaptiver Automat (automatisches Bremsen und Beschleunigen bei hohem Tempo auf dem Highway), das Umfeldbeobachtungssystem Front Assist inklusive City-Notbremsfunktion und Fußgängererkennung, Lane Assist plus Side Assist (automatisches Spurhalten plus Gegenlenken bei Spurwechsel mit Fahrzeugen im toten Winkel), Park Assist (automatisches Ein- und Ausparken inklusive automatischem Lenken und Bremsen), der Ausparkassistent (erkennt Fahrzeuge, die sich beim rückwärts Ausparken nähern und bremst daraufhin) oder der Emergency Assist (automatisches Stoppen des Fahrzeugs plus Aktivieren von Warnblinkanlage und SOS-Notruf, wenn der Fahrer ausfällt).

Teslas Marketing Abteilung würde ihn wohl als „AutoPilot Mach 2“ bewerben. Wir aber wissen, dass es noch mehr bedarf, um wirklich teilautonom fahren zu können. Sieht man sich aber das „Audi A7 piloted driving concept“ und die bei dem e-Golf Perfect Parking eingesetzten Assistenzsysteme genauer an, so wird schnell klar, dass es bei der heutigen Entwicklungszeit nicht mehr so lange dauern wird. Und ganz unter uns – wir schreiben heute bereits das Jahr 2016. Soweit ich es richtig verstanden habe, gehen die Hersteller heute davon aus, dass wir bereits 2020, also in 4 Jahren, uns zumindest teilautonom in den Fahrzeugen bewegen können.

Mir macht das auch ein wenig Angst, aber ich finde es auch richtig spannend. Abschliessend darf ich für mich zusammenfassen, dass der elektrische Minivan, der Volkswagen BUDD-e, für mich nicht den Gral darstellt auf den ich Jahre gewartet habe. Aber dennoch zeigt er mir, dass sich auch bei Volkswagen nun eine ganze Menge bewegt in Sachen Elektromobilität. Viele der vorgestellten Features des BUDD-e finde ich sehr anregend. Manches nervt mich – wie die Platzverschwendung im Innenraum. Werfe ich dann aber noch mal einen Blick auf das Faraday FFZERO1 Concept, dann kann ich gar nicht anders als Volkswagen zurufen: Alles richtig gemacht.

Volkswagen BUDD-e Heckansicht in Bewegung