Analyse
War der Microsoft – Nokia Deal der groesste Fehler der Redmonder?

Microsoft entlaesst bis zu 7800 Mitarbeiter und CEO Satya Nadella gibt in einem Brief an die Mitarbeiter indirekt zu, dass die Uebernahme von Nokia ein kostspieliges Abenteuer war.

Die Zahlen sind nicht nur ernuechternd, sie sind erschreckend! Microsoft gibt nicht nur an, dass sie weltweit bis zu 7800 Mitarbeiter entlassen wollen, sondern auch, dass sie mal eben “ueberschaubare” $7.6 Milliarden nach der Nokia-Uebernahme abschreiben muessen. Das ist nicht nur ein Pfund, sondern vor allen Dingen auch ein Eingestaendnis der jetzigen Fuehrung, dass man in der Vergangenheit eine ganze Menge Fehler gemacht hat.

In einem “Brandbrief” an seine Angestellten legt Microsoft CEO Satya Nadella die Karten offen auf den Tisch und laesst vor allen Dingen auch durchklingen, wie man sich die Zukunft fuer Windows Phone vorstellt.

I am committed to our first-party devices including phones. However, we need to focus our phone efforts in the near term while driving reinvention. We are moving from a strategy to grow a standalone phone business to a strategy to grow and create a vibrant Windows ecosystem that includes our first-party device family.”

Was Satya da durch die Blume verkauft sind vor allen Dingen tiefe Einschnitte. Er gibt zu, dass man die Ausgaben in Relation zum bisherigen Erfolg einfach nicht mehr rechtfertigen kann und genau das ist auch vollkommen richtig so. Wenn wir uns die Marktentwicklung der letzten 3 Jahre anschauen, dann hat es Microsoft nicht geschafft den Abstand zu Android und iOS zu verkuerzen. Man duempelt schon seit Mitte 2012 irgendwo bei 3% Marktanteil rum und das trotz immer neuer Versuche den Markt aufzurollen.

Smartphone Markt IDC

Wer zu frueh kommt den bestraft der Markt

Wie das halt so ist … zeigt die Erfolgskurve Richtung Suedpol, dann sind die apokalyptischen Reiter von Bloomberg nicht fern und druecken dir noch richtig einen rein. In einem Blogposting auf der Webseite der Washington Post geht man noch einmal die letzten Jahre bei Nokia durch und kommt zu einem vernichtenden Urteil bezueglich Windows Phone: It’s over!

Looking at Windows Phone and its market share globally, there’s no other conclusion to be made — it’s over Jorma Malinen

Aber sind das nicht genau die Statements, die man damals bei Nokia in Bezug auf Symbian viel frueher haette treffen muessen? Waren es nicht die Finnen, die mit ihrem Tunnelblick des ehemaligen Marktfuehrers mit Volldampf Richtung Wand gefahren sind? Was waere denn passiert ohne Windows Phone?

Glaubt wirklich jemand daran, dass die Finnen von heute auf morgen auf Android umgeschaltet haetten? Sorry, dass kann ich mir nicht einmal ansatzwiese vorstellen, zumal man in dieser Zeit eher wie ein aufgeregtes Huhn durch die Gegend flatterte. Wie damals Intel und das MeeGo Projekt abserviert wurde, das gilt fuer viele in der Industrie noch immer als Paradebeispiel. Und zwar nicht dafuer wie man einen Vertrag unter Partnern beendet, sondern wie man es nicht macht. Nokia hatte ganz, ganz viel Reputation verloren.

Microsoft hingegen hat gepennt und zwar ueber viele Jahre hinweg. Mobile? Wasn das? Kann man das essen oder wo kann ich hier meine Cherry-Tastatur anschliessen? Mensch Microsoft … was war denn da nur los? Und dabei habt ihr doch mit den Pocket PCs und Windows Mobile eigentlich den kompletten Smartphone- und Handset-Markt vorhergesehen, ja faktisch definiert. Nur leider aber auch mindestens 5 Jahre zu frueh.

Irgendwie gibt es da durchaus Parallelen zur Entwicklung der Tablets. Auch hier hat Microsoft die ersten Ausrufezeichen gesetzt, um dann 10 Jahre spaeter zusehen zu muessen, wie das Apple iPad dann endlich den Markt belebte, ja komplett aufrollte.

Letzte Chance Windows 10 und Apps, Apps, Apps

Freunde in Redmond, Muenchen und all den anderen Standorten. Jetzt heisst es liefern und zwar auf eine Art und Weise, wie ihr es bisher nicht einmal ansatzweise umgesetzt habt. Ja, ihr habt da ein tolles Hardware-Portfolio, aber es fehlt letztendlich die Software. Apps, Apps und noch ein paar Apps muessen endlich auf den von Windows befeuerten Handsets gelangen. Und das muss schnell geschehen. Schnell, das heisst in den naechsten 18 Monaten. Der Markt wird euch nicht mehr Zeit geben.

Wo bleiben die Design Wins? Windows muss endlich auch auf den Handsets von Samsung, HTC, Xiaomi und Lenovo laufen. Gerade der chinesische Markt sollte ohne wenn und aber angegangen werden. Ihr koennt doch nicht einen 1.3 Milliarden Einheiten Markt alleine stemmen. Da werdet ihr wohl oder uebel mal ein wenig in die Subventions-Schatulle greifen muessen, damit sich die “jungen Wilden” der Smartphone-Industrie fuer euch interessieren. Und die kommen nun einmal aus China.

Mit Windows 10 habt ihr die einmalige Chance mit ordentlich Momentum durch den Markt zu rauschen. Die User warten ungeduldig auf euer neues OS und das sieht bei den Entwicklern nicht anders aus. Auch wenn ihr in letzter Zeit nicht zu knapp Software-Startups uebernommen habt, ihr muesst die grossen externen Entwickler-Haeuser begeistern und wohl auch hier mal ein wenig Geld in die Hand nehmen. Anders wird das nichts!

Und wenn das alles nicht klappt?

Ich denke die Frage koennt ihr selber beantworten. Ein CyanogenMod ohne Google Services und Handsets, die all eure Dienste unter Android ausliefern werden. Letztendlich ist ein Betriebssystem doch auch nur eine weite Rasenflaeche. Spannend wird es, wenn man den Fussball und die Tore dafuer liefert!

Der Satya Nadella Brief im Wortlaut

Team, Over the past few weeks, I’ve shared with you our mission, strategy, structure and culture. Today, I want to discuss our plans to focus our talent and investments in areas where we have differentiation and potential for growth, as well as how we’ll partner to drive better scale and results. In all we do, we will take a long-term view and build deep technical capability that allows us to innovate in the future.

With that context, I want to update you on decisions impacting our phone business and share more on last week’s mapping and display advertising announcements. We anticipate that these changes, in addition to other headcount alignment changes, will result in the reduction of up to 7,800 positions globally, primarily in our phone business. We expect that the reductions will take place over the next several months. I don’t take changes in plans like these lightly, given that they affect the lives of people who have made an impact at Microsoft. We are deeply committed to helping our team members through these transitions.

Phones. Today, we announced a fundamental restructuring of our phone business. As a result, the company will take an impairment charge of approximately $7.6 billion related to assets associated with the acquisition of the Nokia Devices and Services business in addition to a restructuring charge of approximately $750 million to $850 million.

I am committed to our first-party devices including phones. However, we need to focus our phone efforts in the near term while driving reinvention. We are moving from a strategy to grow a standalone phone business to a strategy to grow and create a vibrant Windows ecosystem that includes our first-party device family.

In the near term, we will run a more effective phone portfolio, with better products and speed to market given the recently formed Windows and Devices Group. We plan to narrow our focus to three customer segments where we can make unique contributions and where we can differentiate through the combination of our hardware and software. We’ll bring business customers the best management, security and productivity experiences they need; value phone buyers the communications services they want; and Windows fans the flagship devices they’ll love.

In the longer term, Microsoft devices will spark innovation, create new categories and generate opportunity for the Windows ecosystem more broadly. Our reinvention will be centered on creating mobility of experiences across the entire device family including phones.

Mapping. Last week, we announced changes to our mapping business and transferred some of our imagery acquisition operations to Uber. We will continue to source base mapping data and imagery from partners. This allows us to focus our efforts on delivering great map products such as Bing Maps, Maps app for Windows and our Bing Maps for Enterprise APIs.

Advertising. We also announced our decision to sharpen our focus in advertising platform technology and concentrate on search, while we partner with AOL and AppNexus for display. Bing will now power search and search advertising across the AOL portfolio of sites, in addition to the partnerships we already have with Yahoo!, Amazon and Apple. Concentrating on search will help us further accelerate the progress we’ve been making over the past six years. Last year Bing grew to 20 percent query share in the U.S. while growing our search advertising revenue 28 percent over the past 12 months. We view search technology as core to our efforts spanning Bing.com, Cortana, Office 365, Windows 10 and Azure services.

I deeply appreciate all of the ideas and hard work of everyone involved in these businesses, and I want to reiterate my commitment to helping each individual impacted.

I know many of you have questions about these changes. I will host an employee Q&A tomorrow to share more, and I hope you can join me.

Satya