Warcraft: The Beginning – Zwischen Fanfest, Fantasy und Belanglosigkeit

Warum wollen sich so viele Videospielverfilumgen nicht zwischen Hollywood-Klischees und nerdigem Fanfest entscheiden? Ein Kommentar über verschenktes Potenzial.

Mit Videospielverfilmungen ist es ja immer so eine Sache. In der Regel sind sie weder für Fans der Vorlage noch für den durchschnittlichen Kinobesucher ein besonderes Highlight. Mal klagt das Fan-Tum über fehlbesetzte Hauptdarsteller wie bei Hitman, mal wirft man wahllos Videospielcharaktere in eine komplett abgeänderte Story wie in Resident Evil 4: Afterlife.

Der größte aller Fehler, den man bei einer Gaming-Verfilmung allerdings machen kann: Uwe Boll Regie führen lassen. Gut, letzteres hat Blizzard zum Glück überdeutlich abgelehnt, und eigentlich begeht Warcraft: The Beginning auch keine der anderen genannten Fauxpas. Dafür hat es meiner Meinung nach ein Problem, an dem viele Verfilmungen großer Videospielwelten leiden: Es kann sich nicht zwischen Mainstream-Kino und Fanfest entscheiden.

Da waren Fans am Werk

Wenn man sich den Stab an Menschen ansieht, der an der Produktion beteiligt war, wenn man etwas auf die Vorabberichterstattung geachtet hat, dann weiß man: Hier waren Fans am Werk. Zumindest ist es das, was Universal immer wieder betont hat, das, was die Spieler-Community hören will. Tatsächlich schafft es Warcraft: The Beginning an jeder Ecke, Fans ein breites Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Sei es der fischende Murloc am Rande einer Szene, die unfassbare Detailverliebtheit, mit der Städte und Landschaften designt wurden oder die Fülle an Zitaten, die jeder Langzeitspieler nur allzu gut kennt. Wenn dann auch noch zum ersten Kameraschwenk über Sturmwind das dazugehörige Musikstück läuft, ist Gänsehaut vorprogrammiert.

Die Liebe zum Detail stimmt, warum gehen dann selbst Fans mit dem faden Beigeschmack von Belanglosigkeit aus dem Kino? Wenn ihr mich fragt, liegt es daran, dass Warcraft: The Beginning eben nicht nur versucht, Spieler glücklich zu machen, sondern krampfhaft Wert darauflegt, das allgemeine Kinopublikum anzusprechen. Natürlich ist das aus produktionstechnischer, schauspielerischer und vor allem finanzieller Sicht nachvollziehbar, aber es schränkt das Potenzial des Films ein.

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Liebesgrüße aus Draenor

Schon die erste Szene trieft vor kitschiger Ork-Romantik. Halt! Ork-Romantik? Die Orks, die eigentlich kaltblütige Kriegstreiber sein sollten, halten jetzt plötzlich Händchen und gestehen sich minutenlang ihre Liebe? Igitt! Doch nicht nur das wirkt deplatziert. Kitschige Liebesgeschichten, tiefe emotionale Traumata und bedeutungsschwangere Hintergrundgeschichten … All das braucht nun mal jeder Hollywood-Hit, also darf es auch hier nicht fehlen. Was dabei helfen soll, die Freundin mit in den Männerstreifen zu zerren, stößt bei World-of-Warcraft-Fans wiederum auf Unverständnis und Ablehnung.

Zurecht! Denn auch für den Ottonormal-Kinogänger ohne Kenntnis der Welt wirken diese Szenen unrund. Sie sind schlecht eingebunden, Hintergrundgeschichten werden nicht erklärt, Charaktere nicht eingeführt. Man fühlt sich, als müsste man etwas wissen, was einem der Film vorenthält, gleichzeitig ist es für das große Ganze so nebensächlich, dass man es nicht weiter hinterfragt. Irgendwer dachte wohl, dass man neben den ganzen Anspielungen für die Fans auch alle Klischees eines kommerziell erfolgreichen Fantasy-Blockbusters in den Film packen müsste, damit ihn sich mehr Leute ansehen. Selbst wenn dadurch eine in sich ausgearbeitete, funktionierende Welt wie die World of Warcraft in ein Hollywoodschema gezwängt wird, in dem sie sich nicht recht zuhause fühlt.

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Natürlich gibt es Filme, die sich klar auf einer der beiden Seiten positionieren und trotzdem in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Silent Hill: Revelation 3D legt vom Soundtrack über den Ablauf bis hin zur Kameraführung in jedem Moment Wert darauf, nah am Spiel zu sein. Genaugenommen haben sich die eineinhalb Stunden Kino mit Kamerafahrten aus der Egoperspektive stellenweise wie ein Spielerlebnis angefühlt – und das war toll! Trotzdem war er weder (kommerziell) sehr erfolgreich, noch kam er bei Kritikern gut an.

Seine Unentschlossenheit macht Warcaft: The Beginning also noch lange nicht zu einem schlechten Film – aber zu einem mittelmäßigen. Einem, dessen Welt für Nicht-World-of-Warcraft-Fans zu wenig tief ist, um ihn als alleinstehenden Fantasy-Film zu feiern und einem, der für World-of-Warcraft-Spieler an vielen Stellen zu sehr versucht, in den Mainstream zu passen, um eine wirklich tolle Spielverfilmung zu sein. Auf die Fortsetzung habe ich aber trotzdem jetzt schon Lust – vielleicht schlägt die ja dann eine klarere Richtung ein.