Windows Phones mit Windows 10 for Mobile

Warum Microsoft Windows Phone nicht fallen lassen darf

Neue Gerüchte besagen, dass Microsoft über die Zukunft von Windows Phone nachdenkt. Warum ein Fallenlassen der Plattform nicht die richtige Entscheidung sein kann, erfahrt ihr hier.

Nachdem Satya Nadella Mitte der letzten Woche in einer Rundmail an die Belegschaft von Microsoft ein paar Änderungen angekündigt hat, häufen sich im Netz die Gerüchte, dass Microsoft die Strategie mit den Windows Phones überdenken könnte und sie schließlich einstampfen wird. Nadella schreibt nämlich am Ende seiner Mail von einigen Bereichen, die nicht richtig laufen und in denen schwere Entscheidungen getroffen werden müssen.

We will need to innovate in new areas, execute against our plans, make some tough choices in areas where things are not working and solve hard problems in ways that drive customer value. Satya Nadella

Diesen Passus muss sich auch der vermeintliche Microsoft-Insider MSFTNerd mehrfach zu Gemüte geführt haben, als er vor wenigen Tagen via Twitter ein paar Gerüchte in die Welt gestreut hat. Unter Anderem geht es in den Tweets darum, dass Microsoft über die Weiterführung von Smartphones und kleinen Tablets mit dem Windows OS nachdenkt und dass die Zusammenarbeit mit Google daraufhin verbessert werden soll. Dies soll in etwa so ablaufen, dass Microsoft ähnlich wie bei der Partnerschaft mit Samsung, Software wie Office und Co. für das Android OS liefert und Google im Gegenzug dafür Youtube, die Suche und den Kartendienst auch für Windows 10 anbieten soll.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, Microsoft soll also ihr eigens entwickeltes und stetig weiterentwickeltes Smartphone-Betriebssystem einstampfen und sich der Konkurrenz geschlagen geben und denen auch noch mit der eigenen Software den Rücken stärken und somit zu wohl möglich noch bessere Verkaufszahlen der Android-Geräte beitragen.

Aber warum sollte Microsoft das tun? Was hätte der Konzern aus Redmond davon?

Betrachtet man die Aussagen etwas näher, so ergibt das Ganze in meinen Augen wenig Sinn. Ja das Windows Phone ist immer noch nicht wirklich bei den Verbrauchern angekommen. Viele sträuben sich immer noch davor, eines der vielen Lumia-Smartphones zu besitzen, wenn auch der gefühlte Marktanteil etwas besser geworden ist (mir persönlich fallen immer mehr Menschen auf der Straße mit einem Windows Phone in der Hand auf). Aber dennoch ist die derzeit geringe Verbreitung von Windows auf Smartphones noch kein Grund das ganze Projekt wieder einzustampfen und sich nach knapp 5 Jahren geschlagen zu geben. Zumal Windows Phone auch in der aktuellen Windows Strategie – ein Windows für Alle Geräte – immer noch einen festen Platz hat. Windows 10 steht vor der Tür und es wäre denkbar schlecht, nun kurz vor dem Start zu sagen, dass es mit Windows 10 auf dem Smartphone leider doch nichts wird, da man sich nun dazu entschieden hat, keine Smartphones mehr zu bauen. Das Signal an die Verbraucher wäre fatal, denn damit würde die ganze Marketingstrategie von Microsoft hinfällig.

Des Weiteren stehen bereits neue Smartphones für den Launch von Windows 10 for Mobile parat. Diese sind bereits fertig, denn ursprünglich war ja geplant, das Windows Phone-Update zeitgleich mit dem Release von Windows 10 zur Verfügung zu stellen. Gerade wegen den neuen Features wie etwa Continuum wären dann auch neue Geräte fällig gewesen, die nun aber auf Grund der Verschiebung der mobilen Windows 10-Version auch noch ein wenig auf sich warten lassen. Microsoft hat sich zwar schon einmal von einem Produkt kurz vor der Vorstellung verabschiedet, damals war es das Surface Mini, welches mit Windows RT auf den Markt kommen sollte, dies galt zu diesem Zeitpunkt aber bereits als totes System. Man kann dies also nicht mit den Windows Phones vergleichen, da sich das Betriebssystem in den letzten Monaten alles andere als tot dargestellt hat.

Windows Universal Apps

Zudem kommt der Punkt, das Microsoft gerade erst auf der Build weitere Möglichkeiten für Entwickler angekündigt hat, Apps die für iOS oder Android geschrieben wurden, mit ein paar Klicks auch auf dem Windows Phone zum Laufen zu bringen. Der große Kritikpunkt, dass unter Windows Phone zu viele namenhafte Apps fehlen, dürfte über kurz oder lang auch der Vergangenheit angehören. Da spielt dann auch mit rein, dass Microsoft mit seiner Strategie der Universal Apps mehrere Formfaktoren mit ein und der selben App beliefern kann und die User Experience sich nicht mehr großartig unterscheidet.

Man könnte die Aussage von Nadella auch anders interpretieren und es so verstehen, dass Microsoft nur Abstand von den Lumias nehmen wird. Auch dieser Schritt scheint zunächst nicht verwerflich zu sein, aber dies wäre auch wieder gleichbedeutend dem Einstampfen des Smartphone-Betriebssystems, denn ohne Lumia gibt es derzeit auch nicht wirklich ein Windows Phone. Die Anzahl der OEMs ist derart klein, dass der Marktanteil im Vergleich zu dem der Lumias kaum eine Rolle spielt. Also besteht derzeit nicht einmal die Möglichkeit, sich auf ein Signature Device wie das Microsoft Surface zu konzentrieren und den OEMs den Windows Phone-Markt zu überlassen. Für mich ist Lumia Windows Phone und Windows Phone eben Lumia. Da können die Geräte von Archos und Co. auch nichts dran rütteln.

Microsoft hat es, anders als Nokia zu seiner Zeit, nicht so nötig, Geld mit den Lumias bzw. Windows Phone zu verdienen, die Haupteinnahmequellen liegen ganz wo anders. Vielmehr geht es darum, sich nicht von der Konkurrenz wie Google oder Apple abhängig zu machen. Denn ist Windows Phone einmal eingestellt, so gibt es kein zurück mehr. Man müsste sich fortan darauf konzentrieren, Software für fremde Plattformen anzubieten und steht immer vor der Gefahr, irgendwann ausgesperrt zu werden, da die anderen großen Unternehmen eigene Pläne haben. Und was macht man dann mit Office und der ganzen Software, wenn man diese nicht mehr auf Android oder iOS anbieten kann, oder der Kunde auf andere, systemeigene Anwendungen zurückgreift?