Was ein Auftritt bei „Die Höhle Der Löwen“ für PR, Marketing und Sales bringt – Too Good To Go

Welchen Impact hat eigentlich so ein Auftritt bei "Die Höhle der Löwen" für die Teilnehmer? Markus erklärt es am Beispiel von "Too Good To Go".

von Markus Sekulla am 2. September 2020

Disclaimer: Diesen Text hatte ich vor einiger Zeit für die WuV geschrieben, da ist er aber irgendwie verschütt gegangen. Interessant finde ich ihn trotzdem, da er zeigt, wie groß der PR und Marketing-Wert eines Auftritts bei Die Höhle der Löwen sein kann.

 

Es ist eine gute Idee. Die Rede ist von Too Good To Go, eine App, die Lebensmittel vor dem Wegwerfen bewahren möchte. Das Konzept ist so simpel wie genial: Unternehmen, die oft Lebensmittelüberschüsse verzeichnen, zeigen diese über die App an und verkaufen sie täglich kurz vor Ladenschluss zu einem geringeren Preis. Um das bloße Anpreisen einer App soll es aber heute nicht gehen. Falls ihr mehr über die Funktionsweise erfahren wollt, schaut doch einfach in Casis Artikel über Too Good To Go rein. Mich interessiert aber viel mehr der kürzliche Raketenschub, den das Unternehmen durch die TV Sendung „Die Höhle Der Löwen“ (kurz: #DHDL) erfahren hat.

Wie so viele Start-ups vorher haben die Jungs aus Dänemark nicht vom Deal an sich, sondern durch die Reichweite der Show profitiert. Doch ist das wirklich nachhaltig und geschäftsfördernd wie man an deutschen Kantinen-Tischen jeden Mittwoch diskutiert? „Alles nur Show“, habe ich schon mehrfach lapidar dahingesagt gehört. Doch was ist dran am PR Wert für die Start-ups? Zum Glück gibt es Peter!

Einer meiner Squash-Buddies, Peter Wiedeking, ist einer der dienstältesten Mitarbeiter bei Too Good To Go in Deutschland und stand mit den dänischen Gründern bereits zur Aufzeichnung im April 2017 vor den Löwen. Er hat nicht nur zur Ausstrahlung des Too Good To Go Pitches zum Rudelgucken mit Hintergrund geladen, sondern stand mir auch zwischen zwei Squashspielen ausführlich Rede und Antwort zur Show, die erst am 7.11.2017 ausgestrahlt wurde.
Als erstes die Zahlen:

Hier erweist sich DHDL als absolute Sales Maschine. Viele der mehr als 3 Mio Zuschauer der Show haben die App fleißig runtergeladen und ausprobiert. Die Zahlen sind beeindruckend. Von 400k Downloads vor der Show, konnte die App jetzt 700k Downloads verzeichnen. Das hat sich natürlich auch im App Store  ausgewirkt und man ist sehr schnell hoch in den Rankings geschossen. Dieses Bild wird den Jungs aus Dänemark gefallen haben …

Und nicht nur im App Store bestand Interesse. Peter berichtet von einem Postfach voller Interviewanfragen von kleinen wie großen Medien. Von RTL bis zur Leib- und Magen-Zeitschrift der Ravensburger „Schwaebische“ haben so gut wie alle über die gute Idee berichtet. Das Ergebnis: Reichweite ohne Ende.

‎Too Good To Go
‎Too Good To Go
Entwickler: Too Good To Go
Preis: Kostenlos

Ebenso ist die Zahl der verkauften Deals nach der Show mit einer Steigerung von bis zu 150% von Woche zu Woche zu Buche geschlagen. Ist das nachhaltiger Erfolg? Ja. Rund 2 Wochen nach der Show konnte man sich auf ein tägliches Verkaufslevel einpendeln, welches weit über der vor DHDL Zeit liegt (+75%-+100%). Die App konnte darüber hinaus weitere Unternehmen als Kooperationspartner gewinnen. „Vor allem aus ländlichen Gebieten haben sich Firmen gemeldet“, berichtet Peter.

Macht #DHDL alle Startups zum Erfolg, auch wenn es keinen Deal gibt? Einfache Antwort: Nein. Wichtig zu erwähnen, dass DHDL nicht für alle mutigen Vortänzer den gleichen positiven Effekt hat. Peter und ich sind uns einig, dass es diese riesigen PR- und Saleseffekte vor allem für die Unternehmen gibt, die bereits massentauglich sind, am besten überregional und mit ersten Erfolgen. „Die „Gute Sache“ ist sicher auch nicht von Nachteil“, ist er sich sicher.

Auf meinem Weg nach Hause denke ich über einige der anderen Startups bei DHDL nach. So viel Aufmerksamkeit die Show selbst auch hat, aus einem Haufen Codemist kann sie auch keinen Goldklumpen machen.

Vor einige Wochen habe ich ich Too Good To Go das erste Mal selbst getestet. Das Bild zeigt meine Beute vom REWE zum Kostenpunkt von 3,90 Euro. Die Verkäuferin hat schon mitleidig über ihre Brille ein „Heute haben Sie leider eine Niete erwischt“ geflüstert. Egal. Die Lebensmittel habe ich sozusagen wirklich gerettet und das gibt ein gutes Gefühl. Dass die App auch genutzt wird um günstig Sachen zu schnappen, die man sonst ggf. auch gekauft hätte, aber eben zum günstigeren Preis ist für mich Nebensache. Und die nächsten „Einkäufe“ bei REWE waren mit Sushi, Paprika und Sandwiches alles andere als Nieten…

Ergänzung:

Nach der Show ist der Deal aber geplatzt wie eine Sprecherin von Too Good To Go der Gruenderszene mitteilte.