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Don Dahlmann

Was ist nur mit BMW los?

Unzählige Modellvarianten vom 1er bis zum Van. Riesige SUVs mit Dieselmotoren. Und eine nicht ganz durchsichtige Strategie in Sachen Elektromobilität. Was macht die Marke BMW heute noch aus?

von Don Dahlmann am 29. Januar 2015

Doug DeMuro von der wunderbaren “The Truth About Cars” Seite hat sich über BMW aufgeregt.  DeMuro, offensichtlich mal ein leidenschaftlicher BMW Fan, beklagt sich über die verlorenen Eigenschaften der Marke. Sie sei langweilig, vorhersehbar, die Modellpalette überbordend, die Autos meist von schwammigen Charakter. Wer so über BMW schreibt, der bekommt es in den Kommentarspalten um die Ohren gehauen. Dachte ich.

Tatsächlich finden sich sage und schreibe 335 Kommentare unter dem Text, aber, Überraschung, die meisten finden, DeMuro hat Recht. BMW habe sein “Mojo” verloren, spätestens, seit dem der freiatmende Reihen-Sechszylinder aus der Produktion und somit den Fahrzeugen verbannt wurde. Downsizing halt. Die Kommentatoren schwelgen in Erinnerungen, schimpfen über die ihrer Meinung nach nichtssagenden Autos und vermissen ganz allgemein das klassische BMW-Gefühl.

Vielleicht sind wir zu nostalgisch

P0036795-cropMir geht es da ähnlich und ich habe mit BMW seit einiger Zeit so meine Probleme. Seit Beginn der 2000er, um genau zu sein. Und nachdem sie beleidigt fast alle Motorsport Aktivitäten eingestellt haben (nein, die DTM zählt nicht) verliere ich die Marke auch immer mehr aus den Augen Der “2er Active Sports Tourer” ist für mich so eine Art Sargnagel der Marke BMW, so wie ich sie verstehe.

Aber vielleicht liegt der Fehler ja gar nicht bei BMW sondern bei mir. Wer bei der Marke immer an den E30 oder E46 denkt, sollte vielleicht mal seine innere Uhr neujustieren. Man hat ja auch irgendwann damit aufgehört “Duran Duran” zu hören und sich weiterentwickelt. Na, jedenfalls fast alle.

Marken verändern sich nun mal. Das müssen sie auch, sonst werden sie langweilig. Mercedes hat auch so eine Transformation hinter sich. Bis in die 90er war die Marke die Ausgeburt der deutschen Rechtschaffenheit, dann verlor man sich ein wenig im Technopop und verschiedenen Weltbeherrschungsvisionen der frühen 00er Jahre. Dann war man kurz sehr konfus, bis Dr. Zetsche kam und die Marke in den letzten Jahren auf den Kopf gestellt hat. Eine A-Klasse mit 360 PS steht da ganz selbstverständlich neben dem neuen GLE und der S-Klasse. Und dann gibt es noch die E-Klasse, die mittelklassigste Mittelklasse, die man finden kann.

Warum, habe ich mich gefragt, finde ich die Marke Mercedes gerade spannend, verstehe aber nicht, was BMW da gerade macht? Im Grunde genommen bauen beide Hersteller ähnliche Autos und belegen die gleichen Marktsegmente.

P90171363Kurzer Anruf bei P., einem Agentur gestählten Experten, dem es vermutlich gelingen würde, die Marke Monsanto zu einem liebreizenden Unternehmen zu frisieren, der Familien ihre Erstgeborenen schenken. “BMW,” doziert er am Telefon, “hat sich von einer Marke für sportliche Fahrer, zu einem multinationalen Konzern gewandelt, dass Autos für alle bauen will. BMW geht es nicht mehr um das kantige, raue, sondern um den Massenmarkt. Den M3 und M4 haben sie aus Imagegründen genauso im Portfolio, wie den Van. Und die “i-Serie” ist halt für die 50 jährigen Nerds mit randloser Brille. Die machen schon alles richtig, sonst würden sie auch nicht so viele Autos verkaufen.”

BMW ist erfolgreich – und langweilig?

Das stimmt natürlich. Im beliebten Vergleich mit Mercedes und Audi belegt BMW seit Jahren Platz 1. Mit weitem Abstand. Und die größten Gewinnmargen haben sie auch noch. Also macht BMW nichts falsch und ich bin doch irgendwie in den 90ern hängen und beim M3 mit V8-Saugmotor hängen geblieben? Und warum nehme ich die Veränderung von Mercedes als positiv wahr, aber die von BMW stört mich?

Vielleicht, weil Mercedes scheinbar im Moment die “eckigere” Marke ist, was man vor allem den markanten Modellen von AMG zu verdanken hat. BMW hat zwar durch alle Plattformen auch die “M” Modelle, die weiterhin zu den besten Sportwagen der Welt gehören, aber … ach, lassen wir kurz Chris Harris zu Wort kommen, über dessen Review über den BMW 435i das Wort “Aber” in blinkenden Neobuchstaben hängt:

Und es ist genau das Gefühl, dass Harris mit seinem “Super Auto… aber auch irgendwie langweilig” ausdrückt, was mich ebenfalls bewegt. Selbst die “M” Varianten der BMWs wirken wie ein konservativer Jungmanager auf Steroiden, der statt Bier lieber grünen Tee trinkt. Und so wirkt dann eben auch die gesamte Marke.

P90156395Audi leistet sich mit der Audi S1, RS3, RS6 und dem R8 zumindest ein paar Autos, die unter den Begriff “bescheuert” fallen. 362 PS in einem A3? Mercedes hat wie gesagt AMG und leistet sich den neuen AMG GT. Das sind Fahrzeuge, die vielleicht ein bisschen sinnlos sind, irgendwie ein wenig “over the edge” daher kommen, dafür aber Spaß machen.

Bei BMW wirkt dagegen alles ein wenig klinisch, von Managern in langen Meeting, nach monatelangen Verbraucherbefragungen gestylte Autos, bei denen der Motorsound künstlich generiert aus dem Lautsprecher kommt. Vielleicht ist es das, was Chris Harris, Doug DeMuro seinen Kommentatoren und mir fehlen. Ein richtig, dreckiges Auto. Einer, wie der erste M3. Ein echter BMW mit Freude am Fahren.