IAA 2015

Was zeigt Automobil-Zulieferer Bosch auf der IAA 2015?

Ungünstiger Zeitpunkt? Winterkorn (VW Chef) wettert gegen Bosch, dass die Turbolader nicht rechtzeitig kommen und Bosch bringt die PM, dass sie den Druck steigern wollen. Wir haben einige IAA 2015 Highlights mal etwas beleuchtet.

von Jens Stratmann am 1. September 2015

Was wäre die Automobil-Industrie ohne die Zulieferer? Arm dran, mit geht es aber auch nicht immer gut, denn sind die Hersteller natürlich auch in einem gewissen Grad abhängig von der Lieferfähigkeit der Zulieferer. Im Automobil-Bau hat sich die Just in Time Produktion durchgesetzt, sprich die Fahrzeuge werden konfiguriert und die passenden Bauteile zu passender Zeit angeliefert. Das gilt z.B. für Stoßstangen, Radsätze, aber auch für spezifische Bauteile. Kommt ein Bauteil zu spät, dann muss das Fahrzeug warten, der Kunde wird sauer, denn der Auslieferungstermin kann dann schon in der Regel schon nicht mehr gehalten werden.

Aktuelle Gerüchte: Das Magazin Bilanz soll erfahren haben, dass VW Chef Winterkorn sauer ist auf den Zulieferer Bosch. (Quelle: Bericht – Automobil-Produktion vom 01.09.2015) Bosch fertigt, neben vielen anderen Teilen, auch mit dem Partner Mahle die Turbolader. Volkswagen dürfte einer der größten Kunden sein von Bosch, die Werke sollen aufgrund der positiven Auftragslage weiter ausgebaut werden. Kein einfaches Geschäft, aber ohne Unternehmen wie Bosch hätten wir auf der 66. IAA auch weniger Innovationen zu sehen, denn auch daran arbeitet Bosch mit Hochdruck.

Diese Innovationen präsentiert Bosch auf der 66. Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt:

Wir sehen die Themenfelder: Elektrifizierung, Automatisierung und Vernetzung für die Mobilität von morgen. Bei den Diesel und Benzin-Aggregaten wird der Druck steigen, durch einen – und jetzt wird es smart – vernetzten Antrieb soll der Verbrauch gesenkt werden und auch das Thema Elektrefizierung hat Bosch noch nicht begraben. Wir werden auch neue Assistenzsysteme sehen, so soll es Hilfe geben beim Ausweichen, beim Abbiegen und im Stau. Viele Systeme kommen schon bald in die Fahrzeuge.

Beleuchten wir einmal kurz die Themenfelder: Bosch erhöht den Druck beim Diesel auf 2 700 bar. Einfache Regel, je höher der Druck, desto feiner kann der Kraftstoff zerstäubt werden. Je feiner der Kraftstoff zerstäubt wurde umso besser ist das Kraftstoff-Sauerstoff-Gemisch im jeweiligen Zylinder und dementsprechend sauber ist dann auch die Verbrennung.

Ziel? Emissionen, Verbrauch und Geräuschentwicklung reduzieren. Das gilt übrigens auch für die Benziner die über eine Direkteinsprizung verfügen, hier wird der Druck auf 350 bar erhöht und natürlich werden auch die, gerade schon angesprochenen, Turbolader stets weiter überarbeitet.

Doch werten wir mal smart, so z.B. stellt Bosch sich den vernetzten Partikelfilter vor: “Durch Vernetzung kann Bosch die Regeneration des Partikelfilters über den elektronischen Horizont steuern, also auf Basis vorausschauender Navigationsdaten. Das kann zum Beispiel heißen: Der Filter regeneriert sich vorausschauend auf der Autobahn, um im Stadtverkehr mit seiner vollen Leistungsfähigkeit zur Verfügung zu stehen.”

Aber nicht nur der Partikelfilter soll in die Zukunft schauen, auch der Antrieb. So bekommt das Fahrzeug einen elektronischen Horizont und der erhält eine detaillierte Vorschau der Strecke. Dank Navigations-Software weiß das vernetzte Fahrzeug wann eine Kurve kommt, wann eine Stadt, wann eine Tempo 30 Zone oder eine Spielstraße und kann schon vorher z.B. auf den Elektroantrieb umschalten. Zukunftsmusik: Auch aktuelle Verkehrsgeschehen werden dank Internet ins Auto geholt, ausgewertet und verwendet.

Bosch präsentiert auf der IAA 2015, übrigens genau wie Mitbewerber Schäffler, die zweite Generation seines 48-Volt-Hybrids. Doch wir befinden uns nicht nur auf dem Weg zur Elektrifizierung der Fahrzeuge, nein sondern sind auch auf dem Wegzum automatisieren Fahren. Was natürlich auch weiter geht? Es werden viele weitere Apps ins Auto einziehen.

1-CM-21209

Von Bosch bekommen wir den Ausweichassistenten: “Autofahrer, die einem Hindernis ausweichen müssen, unterstützt der Ausweichassistent. Dazu erkennen und vermessen Radar- und Videosensoren das Hindernis. Mit einem gezielten Lenkeingriff unterstützt der Assistent auch ungeübte Fahrer beim Ausweichen. Dadurch wird der maximale Lenkeinschlag 25 Prozent schneller erreicht und ein sicheres Fahrverhalten in einer für den Fahrer sehr komplexen Situation ermöglicht.”

1-BBM-21235

Doch auch um versehentlich übersehene Verkehrsteilnehmer beim Linksabbiegen kümmert sich die Technik in Zukunft: “Der Linksabbiegeassistent überwacht mit zwei Radarsensoren in der Fahrzeugfront den entgegenkommenden Verkehr. Ist die Lücke zum Abbiegen zu klein, hindert das System das Fahrzeug am Losfahren. Oder der Abbiegevorgang wird rechtzeitig vor einer drohenden Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug mit Hilfe einer automatischen Notbremsung abgebrochen.”

1-CC-21164

Warum funktionert sowas eigentlich heute noch nicht wenn ein Einfahrt-Verboten Schild irgendwo steht, könnten so nicht auch Geisterfahrer gestoppt werden? Bis dato gibt es z.B. bei Mercedes-Benz Warnungen, aber keine automatische (kontrollierte) Verzögerung des Fahrzeuges.

Ein System was wir schon bald bei vielen Fahrzeugen erleben dürfen ist der Stauassistent: “Der Stauassistent basiert auf der Sensorik und Funktionsweise von ACC Stop & Go und dem Spurhalteassistenten. Bis Tempo 60 folgt das System in dichtem Verkehr selbstständig dem vorausfahrenden Fahrzeug. Dazu übernimmt der Stauassistent das Gasgeben und Bremsen. Zudem hält er das Auto mit Lenkkorrekturen in der Spur. Der Fahrer wird entlastet und muss das System nur überwachen.”

1-CC-21167

Als Steigerung dazu kommt dann der irgendwann der Autobahnpilot, man munkelt, dass es 2020 soweit sein könnte. Doch Bosch hat noch mehr zu bieten, vieles was sich oft die Hersteller auf die Fahnen schreiben kommt in Wirklichkeit von Zulieferbetrieben wie Bosch. Parkplätze finden, melden, sicher parken oder parken lassen, das kann die Technik von Bosch.

Ein Fahrzeug mit Anhänger autonom bzw. per Touchscreen einparken lassen? Das funktioniert auch schon: “Die Basis bilden dabei Schnittstellen zur elektrischen Servolenkung, zum Bremssystem und Motormanagement, zum automatischen Getriebe und einer Knickwinkelmessung. Per App kann der Fahrer außerhalb des Fahrzeugs Fahrtrichtung und Geschwindigkeit vorwählen. Mit dem Finger kann er dann den Anhängerwinkel steuern und das Gespann sicher einparken.”

1-GS-21523

Quelle: Pressemitteilung Bosch 01.09.2015

Verrückt, oder? Stehen wir bald mit unserer Smartwatch neben dem Fahrzeug und rufen es? Wird meine kindliche 80er Jahre “Michael Knight” Hoffnung doch noch Realität? Ich weiß es nicht, freue mich aber in der derzeitigen Zeit zu Leben, denn ich glaube das ist die Beste Zeit die man als Mensch haben kann und das sollten wir uns auch bewusst machen und während wir ja mehr Zeit haben, weil uns die Technik hilft, können wir doch auch mal anderen Menschen helfen. Menschen die unsere Hilfe benötigen. Warum? Weil wir es können. Weil es menschlich ist und weil es eine Sache gibt, die uns Maschinen und Technik nicht abnehmen können: In Krisensituationen menschlich agieren und denjenigen helfen die unsere Hilfe benötigen.