Autowelt

Weltherrschaft: Wer dominiert die Autowelt?

von Robert Basic am 27. August 2018

Das erste Halbjahr 2018 ist herum und wir können uns in Ruhe einige Daten anschauen, welche Markenhersteller nach Verkaufszahlen dominieren, unterteilt nach den drei Kontinenten Asien, Europa und Nordamerika, je nach Sitz des Markenherstellers und des Mutterkonzerns.

1. Ranking nach Markenhersteller

Absatz PKWs und Light Trucks 1. HJ 2018
Die Statistik umfasst PKW, Light Trucks und Nutzfahrzeuge (bis hin zum schweren LKW). Einige Hersteller bieten nur PKWs an (Porsche, Tesla), andere wiederum vom Kleinstwagen bis hin zum 40-Tonner. Datenquelle: Fast2Move. Ein Hinweis, da dazu eine Frage kam: Die Top 50 Liste beruht auf der besagten Datenquelle. Die insofern kleine bis kleinste Hersteller außen vor läßt, da diese statistisch nicht mehr ins Gewicht fallen. Beispiel wäre smart, die auf rund 65.000 Einheiten im ersten Halbjahr kamen. 50 +2 ? Tesla und Porsche sind rein der Bekanntheit wegen enthalten. Kann gut sein, dass irgendein Hersteller etwas mehr als Tesla absetzt und Tesla daher nicht an reeller Position 52 zu listen wäre.

2. Ranking nach Kontinent und Absatz

Sortieren wir die Chart etwas um und zeigen damit auf, welche Kontinente die absatzstärksten Markenhersteller aufweisen:

Absatz nach Kontinent und Hersteller

Es wird deutlich, dass Asien den Absatzmarkt mit einem Weltmarktanteil von über 50% dominiert. Die Rechnung ist leider nicht auf das Prozentkomma genau zu unterteilen, da die Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi gemeinsam agiert. Jedoch können wir deutlich herauslesen, dass in Asien die wichtigsten Herstellerländer China, Japan, Südkorea und Indien sind. In Nordamerika geht es lediglich um die USA und in Europa um Deutschland, Frankreich und Italien.  Aber auch Tschechien glänzt mit Skoda.

3. Herstellerranking nach Mutterkonzernen

Hersteller nach Kontinent

So siehts aus: Asien deutlich vor Europa und die USA sind im Grunde genommen abgehängt. Summarisch kommen wir auf knapp 30 Mutterfirmen. Mehr teilen sich den größten Anteil in der Autoindustrie nicht auf. Natürlich gibt es kleinere Markenhersteller, die aber unter 100.000 Einheiten absetzen. Tesla ist hier nur der Prominenz wegen aufgeführt. Die auf dem gesamten Weltmarkt außer als Innovationsgeber zu gelten statistisch gesehen nahezu nichts zu melden haben, wenn es um Marktanteile geht. Auch wenn aktuell freudige Sales-Charts rotieren, wie Tesla in den USA das Mittelklassesegment dominiert. Ein schöner Erfolg. Auf dem Weltmaßstab jedoch ist das nichts Aufregendes. Asiatische Anbieter bleiben bis auf Weiteres die dominierenden Akteure. Etwas, das vor zwei Jahrzehnten völlig undenkbar war. Da war die Welt unter den USA, Deutschland, Japan und Frankreich aufgeteilt.

4. Produzierende Weltregionen 2017

Schauen wir uns noch einige weitere Charts auf, um das Bild zu komplettieren. Anbei einige Statistiken aufbereitet von der europäischen Herstellervereinigung ACEA.

Die Daten zur Produktion (!) von PKWs:

Produzierende Regionen

Produktion PKWs
Angesichts der Handelsstreitigkeiten mit den USA zwei Charts, wie viele PKWs in die EU aus welchen Ländern importiert werden:

Importe in die EU

Umgekehrt die Exportländer der EU. Zu beachten ist allerdings hierbei, dass die Hersteller schon längst deutlich mehr PKWs vor Ort in den Absatzregionen außerhalb der EU zusammenschrauben, anstatt sie komplett zu verschiffen. Teilweise werden nur Module verschifft und dann vor Ort zusammengesetzt. Je nach Zoll und Steuern vor Ort.

Die Neuzulassungszahlen für 2016 und 2017 nach Land und Region:

Entwicklung der PKW-Dichten von 2005 – 2013

Globale PKW-Dichte

Eine maßgebliche Chart, die zum Verständnis der Marktdynamik wichtig ist. Asien, Süd- und Mittelamerika sowie Russland und die osteuropäischen Staaten bieten die größten Wachstumschancen für die Autohersteller. Bedingt durch das regionale Wirtschaftswachstum und die deutlich niedrigeren PKW-Dichten im Vergleich zu Nordamerika, Japan, Australien und der EU. Zwar garantieren saturierte Märkte wie Westeuropa und USA für absolut hohe Absatzzahlen, jedoch sind die Steigerungsraten nur noch minimal. Anders in den Regionen, die noch viel Luft nach oben bieten.

China ist natürlich aufgrund des brachialen Wachstums zum klaren Autoland Nr. 1 geworden, mit Abstand vor den USA. Sowohl von der Absatzmenge her als auch von der Produktionsmenge pro Jahr. China wird dieses Jahr soviel PKWs zulassen wie die EU und Nordamerika zusammen. Das ist auch der Grund, warum China wohl als das neue Signal-Land für künftige, automobile Trends und momentan auch Elektroautos gilt. Dort fechten die ausländischen Anbieter gegen die einheimischen Staatsbetriebe die Aufteilung des riesigen Marktes China erbittert aus. Stets nach den Regeln der KP China.  Wie der Kampf ausgeht, kann man sich ausmalen, solange die Chinesen rigoros von oben herab die Spielregeln nach Belieben ändern.

Die USA sind als herkömmliche Autoindustrienation im Grunde hoffnungslos im Rückstand. In Asien tanzt der Bär, während die Amerikaner ihre Wunden lecken. Der Hoffnungsträger Tesla bemüht sich verzweifelt, einen regulären Betrieb aufzunehmen. Mehr muss man im Grunde nicht wissen: Jeder weiß, worin die Zukunft der USA strategisch im Mobilitätsgeschäft liegt. Und die basiert auf dem Plattformgeschäft der Mobilität. Hier liegen noch die Sternenkreuzer von Google, Apple und Amazon im Dock und schweißen fleißig an den einzelnen Modulen. Und Uber? Beißt sich derweil die Zähne an den Behörden aus. Gegen Didi – den unmittelbaren Wettbewerber – haben sie in China ohne Hilfe der KP bereits verloren.

Was Deutschland angeht? Die haben sich ihre exzellente “Nische” im Premiumsegment gesichtert. Ungefähr 80% aller Premiumautos kommen aus den Schmieden von Mercedes, BMW und Audi. Angesichts des deutlichen Wachstums im Bereich der wohlhabenderen Kundschaft, stehen diesen drei Anbietern rosige Zeiten bevor. Erneut China: aus dem Mittelstand von rund 200 Millionen Chinesen werden die höheren Einkommenssschichten rekrutiert. Bis hin zu den Millionären und Superreichen, deren Anzahl demnächst die der USA überholen wird. Und Volkswagen? Volkswagen platziert sich als eigenständige Marke sehr nahe am Premiumsegment und meidet damit immer stärker den Preiskampf im Volumensektor.  Hierzu platziert es die Marke Skoda und Seat. Skoda hat erst jüngst einen der wohl herausfordernsten Aufgaben zugeschustert bekommen: Den Zukunftsmarkt Indien aufzurollen. Die Steigerungsraten liegen deutlich über China, die Gesamtentwicklung des Landes hinkt aber immer noch deutlich hinter dem nördlichen Nachbarn hinterher. Aus diesem Grund sind dort Miniautos populär, die nicht einmal annähernd 10.000 USD kosten. Was die Absatzpotentiale angeht, ist es logisch, in den Markt zu gehen.

Aber?

Ich habe bewusst das Wort “Peak Car” in Anlehnung an Peak Oil vermieden. Wann wird die maximale Absatzmenge erreicht? Wie werden die Staaten den Verkehr in Zukunft regulieren? Wie kommen wir global mit der zunehmenden PKW-Dichte, den Emissionen und dem Energiebedarf (gilt ebenso für Elektroautos, nicht zu früh freuen) klar? Was werden die gigantischen Metropolregionen unternehmen? Wie schnell kommen Carsharing und Ridehailing vor allen Dingen auch mit Robocars zum Zuge? Noch sind es immer noch Randgeschäfte, allerdings mit deutlichen Steigerungen. Wird es den öffentlichen Nahverkehr killen? Wird die Verkehrsdichte nicht dann eher noch zunehmen, wenn immer mehr Menschen PKWs nutzen? Auch wenn der Bestand radikal heruntergehen wird? Und wird die Produktionsmenge eher fallen als nicht vielmehr noch steigen? Denn die immens hohen Fahrleistungen von Robocars werden zu einer extremen Abnutzung führen. Und nicht zu vergessen: Marschieren wir in eine protektionistische Welt oder eine offene Handelswelt? Beide Szenarien sind denkbar.