CO2 Ausstoß
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Weltklimarat IPCC versus Realität

von Robert Basic am 8. Oktober 2018

Im brandneuen Bericht des IPCC wird ein radikales Umschwenken eingefordert, um überhaupt einen hauchdünne Chance zu haben, einen Temperaturanstieg von über +2 Grad zu verhindern. Bestenfalls könne man +1,5 Grad erreichen, wenn man wie gesagt radikalst umschwenkt. Die internationalen Medien sind heute voll davon.

Warum +1,5 Grad

Die Klimawissenschaftler fingerzeigen in verschiedene Risikofolgen, die nicht nur den Anstieg der Meeresspiegel betreffen. Der Meeresspiegel würde normalerweise kaum eine Rolle sielen, wenn nicht 40% der Menschheit entlang der Küstenlinien leben würde. Laut UN (.pdf) leben rund 2,6 Mrd. Menschen in weniger als 100 km Entfernung von den 356.000 km langen Küsten rund um die Welt. Davon befinden sich 600 Millionen Menschen unmittelbar in Gebieten mit bis zu +10m über Meereshöhe (Beispiel: Rund 50% des Gebietes der Niederlande liegt +1m oberhalb des Meeresspiegels, 25% unter Meereshöhe). Laut UN-Schätzungen arbeiten ungefähr 260 Millionen entlang der Küstenlinien und ernähren sich von Fischfang und Aquawirtschaft i.a.S. 90% des Tourismus konzentriert sich auf die Zieldestination Küste. Die gesamte Küsten-Wirtschaftsleistung inklusive Hafenbewirtschaftung wird auf 3-6 Billionen US-Dollar/Jahr geschätzt.

Ohne auf die ebenfalls betroffene Lage der Menschen an Flüssen entlang lebend einzugehen, liegt es auf der Hand, das Thema Klimaerwärmung und Meeresspiegel in den besonderen Fokus zu nehmen. Bei einer Erwärmung bis zum Jahr 2100 um +1,5 Grad werden die Folgen eines Meeresspiegelanstiegs als handhabbar eingeschätzt. Alles was über +2 Grad liegt, wird als katastrophal eingeschätzt. Im Vordergrund steht nicht nur der Verlust von Jobs, sondern auch eine dramatische Völkerwanderung. In Zeiten von Fencing riecht das förmlich nach militärischen Konflikten in einem erheblichen Ausmaß. Fencing? Wissenschaftler meinen damit: Wenn Menschen von A nach B wandern, werden sie bei B auf andere Menschen treffen, die ihr Gebiet bereits besiedelt und kultiviert haben. Sämtliche Lebensräume der Erde sind mittlerweile „eingezäunt“.

Ich erspare euch die weitere Aufzählung von Risikofaktoren, die mit einer deutlichen Erwärmung einhergehen. Am Rande: Klimazweifler bleiben bitte einfach in den Sammelgebieten der Erdscheiben-Fans. Sprich: ich habe keine Lust, mich mit Grundschulmathematikern zu befassen.

Was ist die Forderung des IPCC?

Ihr könnt es euch denken:

  • Energiesektor: weniger CO2 Ausstoß über radikales Hochfahren regenerativer Energieproduktion.
  • Transportsektor: deutlichen weniger Verkehr und Umstellung auf Batterietechnik.
  • Landwirtschaft: deutlich weniger Fleischkonsum, was zu einer extremen Senkung von Methanausstoß führen würde.
  • Konkrete Zielvorgaben: „The report finds that limiting global warming to 1.5°C would require “rapid and far-reaching” transitions in land, energy, industry, buildings, transport, and cities. Global net human-caused emissions of carbon dioxide (CO2) would need to fall by about 45 percent from 2010 levels by 2030, reaching ‘net zero’ around 2050. This means that any remaining emissions would need to be balanced by removing CO2 from the air.

Die bittere Realität?

Ich bin kein Pessimist, der sich miesepetrig jeden Tag über die unpünktliche Bahn aufregt, auch nicht in jedem Trara den Weltuntergang sieht. Dennoch stecke ich meinen Kopf nicht in den Sahara-Sand und hoffe, dass es irgendwie Wunder gibt oder gar ein neuer Prophet vom Himmel herabschwebt und allen den Kopf verdreht (an diese höchst abstrusen Märchen konnte ich schon als Kind nicht glauben).

Schnappen wir uns hierzu den Energy Outlook von BP, der „bösen“ Ölfirma. Der umfasst recht anschaulich, wie es mit den Energieverbräuchen aussieht. Zusammengefasst? Anstieg der Weltbevölkerung, mehr Energiebedarf, mehr Transport, mehr Nahrungsproduktion, marktwirtschaftliche Deckung durch günstige, fossile Ressourcen.

Erst die Chart, dann der Text dazu jeweils.

BP Energy Outlook

BP projiziert diverse Szenarien. Das Beobachtbare zur Zeit wird als Evolving Transition bezeichnet.

Der globale Energiemix wird bis 2040 so vielseitig sein wie nie zuvor. Öl, Erdgas, Kohle und nicht-fossile Energieträger werden jeweils einen Anteil von ungefähr 25 Prozent am weltweiten Energieverbrauch besitzen. Mehr als 40 Prozent des gesamten Wachstums der Energienachfrage wird durch erneuerbare Energien befriedigt werden.

Klar zu sehen: Gelingt der Umstieg schleunigst auf Erneuerbare im Sinne von CO2 = orangene Linie = wird der CO2 Ausstoß extrem gesenkt (wozu auch Nuklearenergie gezählt werden könnte, wenn man CO2 und nicht Erneuerbar in den Vordergrund stellt. Was bspw. in Deutschland allerdings zu einem absoluten Tabu wurde).

BP Energy Outlook

Diese Chart betrachtet den Transportsektor. Und projiziert die Bevölkerungsentwicklung sowie Einkommenssteigerungen minus Effizienzgewinne (bessere Verbrenner sowie mehr E-Autos). Ergebnis = deutlicher Anstieg des Energiebedarfs. Wir drehen uns immer um die Frage = mehr Energie bedeutet woher beziehen und bestenfalls CO2-neutral oder mindernd.

BP Energy Outlook

Diese Chart versucht den anteiligen Anstieg von E-Autos zu verdeutlichen. Der winzig aussieht, jedoch angesichts der riesigen Bestandsmenge an Verbrennern (die weiterhin fröhlich zunimmt) kaum Wirkung zeigt. Etwas, das ich immer und immer wieder betone, dass wir uns nicht zuviel Hoffnungen machen sollen, wenn es um den Pkw-Beitrag für das Klima hinsichtlich CO2-Reduktion geht. Wir entscheiden das nicht mehr. Es wird an Regionen wie Asien und Afrika liegen. Wir sehen das einige Charts weiter unten noch viel deutlicher.

BP Energy Outlook

In dieser Chart zeigt sich der Wechselraten-Effekt (was ich eben meinte) = Der Austausch Verbrenner vs Elektroauto reicht nicht aus. Die Verkehrsleistungen werden weiterhin drastisch zunehmen. Und damit der Energiebedarf. Allerdings? Der Robo/Sharing-Transport wird drastisch zunehmen. Mit der Hoffnung: mehr Insassen pro Fahrzeug je Kilometer => deutlich weniger Fahrzeug-Einheiten nötig => effektivste Weg überhaupt, Energiebedarf zu senken. Größter Dreh und Angelpunkt bleibt = wenn der steigende Energiebedarf des Transportsektors nicht nachhaltig vom Energiesektor gedeckt wird, ist der Umstieg auf Batterie-Fahrzeuge klimatechnisch nur ein netter klingender Killer. Dämpfend könnte der Umstieg auf Roboflotten mit mehr Insassen pro Fahrt wirken. Die beste und schnellste Methode überhaupt! Heute befahren wir unsere Kisten mit 1,2 Personen im Schnitt. Was lächerlich wenig ist.

Kommen wir auf eine statistische Wahrheit: Während wir im Westen satt und reich wurden, mussten Regioen wie Asien lange Zeit darben. Das hat sich nun dramatisch verändert. Was wir an Ländern wie China überdeutlich sehen. Welch Wunder aber auch. Denn die meisten Menschen leben nun einmal in Asien. Und in Afrika, das seinen Raketenstart noch vor sich hat. Wir sehen den Aufstieg Asiens am extremen CO2 Ausstoß:

CO2 Ausstoß

CO2 Ausstoß

CO2 Ausstoß

Quelle: Statistisches Bundesamt

Und was nun?

Erstmal müssten wir uns im reichen Westen darauf einigen, noch radikaler auf die CO2/Methanbremse zu treten. Da wir immerhin mit Abstand die meiste Energie pro Kopf verbraten. Die USA sind da vorneweg. Schaut man sich um, tut sich tatsächlich Einiges. Die EU kämpft an allen Fronten in allen Sektoren des Lebens darum, dass nicht nur die Luft besser wird. Sondern auch die CO2-Ziele noch deutlicher gesenkt werden. Das geht nicht ohne gewaltigen Widerstand, wie ich es jüngst aufzuzeigen versuchte. Die Amerikaner sind dabei, die Klimaziele einzustampfen. Denn offensichtlich haben sie sich damit abgefunden, dass der Wärmeanstieg nicht mehr aufzuhalten ist. Letztlich ist dies eine inneramerikanische Angelegenheit, die Bundesstaaten und Wähler unter sich ausmachen werden. Ebenso kann niemand China vorschreiben, in bestimmten Regionen des riesigen Landes auf günstige Primärenergie (Kohle) zu verzichten. Wir im Westen waren nicht gerade die Vorbilder, die uns das erlauben könnten. Das Gleiche gilt für Indien, den schlafenden Riesen. Und Afrika ist eine tickende Energiebombe. Was werden wir denen vorschreiben können? Dass Lagos nicht zu einer 100 Millionen City werden darf? Weil es zuviel Energie und Transportenergie „vergeuden“ wird? Dass alle auf Solar und Wind setzen sollen, während wir im HighTech-Westen nicht einmal ansatzweise das Problem der Energiespeicherung aus regenerativen Quellen beantworten können?

Ergo wird das bis auf Weiteres weitergehen: Die Menschheit deckt ihren Primärenergiebedarf weiterhin auf Basis von Kohle und Öl. Denn es sind die günstigsten und am einfachsten zu nutzenden Ressourcen. Wir können nur hoffen, dass sich marktwirtschaftliche (!) Lösungen finden, die in allen Sektoren zu einer CO2-Senkung führen. Wie ich oben aufzeigte, bildet der Transportsektor nur eine Teilmenge des Energiebedarfs ab.

BP dazu:

Wachstumsraten von über 400 Prozent werden erwartet. Mehr als die Hälfte der Nachfrageerhöhung am weltweiten Verstromungsmarkt beanspruchen künftig die Erneuerbaren. Dieses starke Wachstum wird ermöglicht durch die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit von Wind- und Solarenergie. Angesichts der verbesserten Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu anderen Energieträgern werden Subventionen bis Mitte der 2020er Jahre schrittweise zurückgefahren. China wird die größte Steigerungsrate bei Erneuerbaren Energien erzielen und mehr Wachstum in dem Segment haben als sämtliche OECD Staaten zusammen. Indien wird bis 2030 das zweitgrößte Wachstum bei Erneuerbaren Energien haben.

Fassen wir zusammen: Bis ungefähr in die Mitte des Jahrtausends Jahrhunderts werden wir weiterhin einen Großteil unseres Energiebedarfs fossil abdecken (=> peak oil, peak gas und peak coal), egal wie schnell wir im Bereich Transportsektor umsatteln wollen und können. Erst dann greift das starke Wachstum im Bereich grüner Energieproduktion.

Peak Oil = „Ab 2030 geht der größte Anteil des Nachfragewachstums auf die nicht durch Verbrennung bestimmte Nutzung von Öl über, hier insbesondere als Rohstoff für die Petrochemie“.

Peak Gas = „Über den gesamten Zeitraum [bis 2040] wird die Nachfrage kräftig weiter wachsen. Eine Ursache dafür ist der steigende Industriealisierungsgrad und die erhöhte Nachfrage in schnell wachsenden Schwellenländern“.

Peak Coal = „Der Outlook prognostiziert, dass der Verbrauch von Kohle gegen Ende des Outlook Zeitraums nicht weiter wachsen wird. Ein Grund sind insbesondere rückläufige Verbrauchsmengen in China und den OECD Staaten. Der steigende Bedarf in Indien und auf den Märkten anderer Schwellenländer in Asien gleicht dieses zum Teil aus“.

Dies sind demnach sehr gute Nachrichten. Wir können umstellen. Wir werden umstellen. Bezogen aber auf die Forderungen des Weltklimarates, die eine deutliche Reduzierung jetzt und ab sofort in den Bereichen Energieprodukion, Transport und Landwirtschaft fordern? Ist es zu spät. Viel zu spät. Schlichtweg ohne Aluhut und Chemtrails die Wahrheit. Ergo? Wir werden mit mindestens +2 Grad Anstieg umgehen müssen. Egal was wir noch tun. Dann ist eben so und wir werden uns mit den Folgen befassen. Spiegel Online zitiert dazu aus einer aktuellen Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages: „Ohne Küstenschutz sind der Ausarbeitung zufolge bei einem globalen Meeresspiegelanstieg von 0,5 bis 2 Metern bis ins Jahr 2100 etwa 72 bis 187 Millionen Menschen von Landverlusten betroffen. Für Europa lautet die Schätzung, dass bei einem Meeresspiegelanstieg von einem Meter etwa 13 Millionen Menschen betroffen wären“. In Deutschland wären über 3 Millionen Menschen davon betroffen. Also ran an den Deichbau.