WhatsApp, Skype & Co.: Im Urlaub „kostenlos“ via VoIP telefonieren

Mit ein wenig Vorbereitung oder dem Kauf einer günstigen Prepaid-SIM lassen sich auch im Urlaub günstige oder sogar kostenlose Telefonate nach Hause führen. Wer auf WLAN-Netze achtet oder vor Ort einen gar nicht mal zwingend üppigen Datentarif nutzen kann, erhält via VoIP bzw. WhatsApp, den Facebook Messenger, Google Hangouts, Skype & Co. eine mittlerweile hervorragende Gesprächsqualität.

Ab dem 15. Juni 2017 ist es soweit, dann ändern sich in Europa die bisher exorbitant hohen Roaming-Gebühren. Für die meisten von uns bedeutet das, dass Telefonate, SMS-Kurznachrichten und mobiles Internet im europäischen Ausland wesentlich billiger werden. Von einer vollständigen Abschaffung der Roaming-Gebühren kann zwar keine Rede sein, doch gerade für den typischen Urlauber, der sich im Jahresverlauf nur eine überschaubare Zeit fernab der Heimat aufhält, können die Einsparungen enorm sein.

Ab Mitte Juni dürfen die Mobilfunknetzbetreiber einander nur noch Zustellungsentgelte von 3,2 Cent pro Minute bei Telefonaten. 1 Cent pro SMS und maximal 7,70 Euro pro Gigabyte bei der Nutzung mobiler Internetzugänge in Rechnung stellen. In fünf Jahren – ab dem 01. Januar 2022 – soll dieser immer noch hohe Preis auf 2,50 EUR pro Gigabyte fallen. Die neuen Obergrenzen gelten in insgesamt 28 Ländern Europas und sollten in der Regel die üblicherweise ausgewählten Urlaubsländer erfassen. Dem Kunden sollen diese Kosten für die Nutzung fremder Netze nicht mehr separat in Rechnung gestellt werden, Aufschläge auf den ursprünglich vereinbarten Inlandspreis soll es nicht mehr geben, was den Eindruck einer vollständigen “Abschaffung” der Roaminggebühren erweckt.

Viele Kunden einiger Netzbetreiber können über das späte “Geschenk” der EU nur müde lächeln, denn eine ganze Reihe größerer Anbieter haben einen Teil ihrer Tarife bereits seit geraumer Zeit angepasst und rechnen das EU-Roaming bzw. die Zustellungsentgelte schon längst in den Preis ihrer “Flatrates” ein. Dazu wurden in der Regel – in weiser Voraussicht – die Preise angehoben, so dass sich die von EU versprochene Ersparnis von bis zu 90% für den Kunden wieder relativiert. Besonders ärgerlich ist das für Kunden, die den “Auslands-Service” gar nicht in Anspruch nehmen, sie subventionieren mit ihren Tarifgebühren den von Günther Oettinger gefeierten “Durchbruch” gegebenenfalls ungewollt mit.

Wer in Deutschland eine Flatrate für Telefonate, SMS und mobile Daten vereinbart hat, kann diese Leistungen spätestens ab dem 15. Juni auch im europäischen Ausland in Anspruch nehmen – theoretisch, siehe unten. Ein Anruf ins Hotel oder zu einem örtlichen Restaurant darf dann ebensowenig separat berechnet werden wie ein Anruf nach Hause. Kostenpflichtig sind jedoch weiterhin Telefonate, die ein Kunde unabhängig von seinem Aufenthaltsort ins europäische Ausland führt, z.B. von Deutschland nach Italien oder von Frankreich nach Spanien. Ohne Aufschläge nutzbar soll auch das im Tarif vereinbarte Datenvolumen sein, dieses kann nun auch in Spanien, Frankreich, Italien & Co. aufgebraucht werden, ohne dass der jeweilige Anbieter hierfür Extra-Gebühren verlangen darf.

„Fair Use“? Drosselung der Übertragungsgeschwindigkeit

Allerdings lohnt sich bei der Vorbereitung des Urlaubs ein Blick ins Kleingedruckte des Vertrags. Einige Anbieter bewerben schon heute eine im Tarif enthaltene „Roaming Flat“, eine „Flat Ausland“ oder eine „EU Flat“, schränken aber die tatsächlich zur Verfügung gestellte Leistung ein und drosseln die im Inland zugesicherte Übertragungsgeschwindigkeit im Ausland ab einem wesentlich niedrigeren Datenvolumen. So kann es passieren, dass ein innerhalb Deutschlands zugesichertes ungedrosseltes Datenvolumen von z.B. 5 Gigabyte im Urlaubsland bereits nach 1 Gigabyte (oder noch früher) effektiv nicht mehr nutzbar ist, weil die Übertragungsgeschwindigkeit ins Bodenlose sinkt. So enthalten z.B. die Vertragsbedingungen (PDF) des “o2 Free” Tarifs von Telefonica bereits heute folgende Einschränkung:

“Ab 15.06.2017 gilt für Kunden, die dann den regulierten EU-Roaming-Tarif (siehe Preisliste Teil 2 Nr. 1) nutzen, d.h. keinen alternativen Roaming Tarif gewählt haben: O2 Free Datenverbindungen können im EU-Ausland sowie Liechtenstein, Norwegen und Island genutzt werden, die Bandbreite dieser Verbindungen ist dort allerdings auf bis zu 250 kbit/s (Up- und Download) begrenzt. Video-Streaming und Internet Anwendungen mit ähnlich hohen oder höheren Bandbreitenanforderungen sind damit nicht oder nicht uneingeschränkt möglich.”

Offen bleibt, wie die Betreiber der Mobilfunknetze nach dem 15. Juni 2017 auch in anderen Bereichen die weit interpretierbare „Fair Use“-Klausel ausnutzen, die ihnen von der zuständigen EU-Kommission zugestanden wurde. Offiziell dient diese Klausel dem Schutz vor “Missbrauch” der neuen Roaming-Regelungen und soll ganz unverblümt verhindern, dass sich z.B. deutsche Kunden im europäischen Ausland einen günstigen Datentarif zulegen, den sie dann im Inland dauerhaft nutzen. Der freie Verkehr von digitalen Gütern findet eben nicht nur beim Streaming, sondern auch bei mobil übertragenen Datenpaketen seine virtuellen Grenzen. Die Regelung könnte dazu führen, dass gerade günstigere Netzbetreiber mittelfristig niedrige Obergrenzen für die Zahl von Telefonaten und SMS oder die effektiv nutzbaren Datenvolumen im europäischen Ausland etablieren.

Anleitung: So bereitest Du Dein Smartphone für den Urlaub vor

Prepaid-Karten für die USA und andere Länder

Wer seinen Urlaub in den USA, in Neuseeland oder anderen nicht-europäischen Ländern verbringt, profitiert von den neuen Regelungen selbstverständlich nicht. Reisende in diese Länder oder europäische Kunden mit anderweitig beschränkten Verträgen werden – sofern sie sich nicht im Ausland komplett digital ausklinken wollen – in der Regel auf eine Prepaid-Karte zurückgreifen, die man sich entweder vor Ort oder frühzeitig im Rahmen der Urlaubsplanung zulegen kann.

Diese Prepaid-Karten ermöglichen gelegentliche Telefonate nach Deutschland zu relativ günstigen Preisen und stellen im jeweiligen Land eine dem dortigen Preisniveau entsprechende Daten-”Flatrate” zur Verfügung, deren Datenvolumen und Übertragungsgeschwindigkeit in den meisten Fällen völlig ausreichen sollte.

Skype, WhatsApp & Co. im Urlaub (nicht nur) via WLAN

Nicht nur in diesem Zusammenhang lohnt sich auch ein Blick auf die auf vielen Smartphones installierten Messenger und Telefonie-Lösungen. Apps wie der Facebook Messenger, WhatsApp, Skype, Apple Facetime oder Google Hangouts (bzw. Google “Voice”) bieten bereits seit geraumer Zeit die Möglichkeit, Gespräche über eine reine Datenverbindung zu führen. Normalerweise können diese Anwendungen auf das vom Smartphone genutzte Adressbuch zugreifen und stellen immer dann problemlos eine Verbindung zum Gegenüber her, sofern dort ebenfalls die entsprechende App auf mindestens einem Gerät – Smartphone oder PC – installiert ist.

Abonnenten des Office365-Pakets von Microsoft erhalten im Rahmen ihres Vertrags die Möglichkeit, auch Festnetznummern in 60 verschiedenen Ländern anzurufen, was die Liste der potentiellen Gesprächspartner enorm erweitert. Dazu stehen ihnen 60 Anrufminuten pro Monat zur Verfügung, die Anforderung der Freiminuten ist in wenigen Augenblicken erledigt. Wer über die Freiminuten hinaus Telefonate in andere Länder führt, kann ein Guthaben für ziemlich günstige Minutenpreise anlegen oder zu überschaubaren monatlichen Pauschaltarifen telefonieren.

Wer sich tatsächlich im Rahmen eines Urlaubs oder einer Geschäftsreise in den Vereinigten Staaten aufhält, kann die Gelegenheit für eine vollständige, hierzulande nur auf Umwegen mögliche Freischaltung von Google Voice nutzen. Google koppelt die mittlerweile dazu genutzte Hangouts-App dann an eine kostenlos zur Verfügung gestellte US-amerikanische Rufnummer, die z.B. die Vorwahl von New York oder einer anderen Metropole besitzt. Unter dieser Rufnummer ist man dann fortan auch von Festnetz- oder Mobiltelefonen aus erreichbar.

Die Sprachqualität bei VoIP-Telefonaten ist bei einer entsprechend schnellen Leitung überraschend gut und kann mit einem von beiden Gesprächspartnern genutzten Headset noch verbessert werden. Entgegen einem weit verbreiteten Missverständnis hält sich das für VoIP-Gesprächen benötigte Datenvolumen durchaus in Grenzen, lt. einem aktuellen Test der c/t benötigt z.B. Skype gerade einmal 63 kBit/s.

Werbung: 69% aller Deutschen nutzen im Urlaub ungesicherte WLAN-Netzwerke

Ein weiterer Vorteil dieser Apps ist neben der üblicherweise aktivierten Gesprächsverschlüsselung, dass sie sich auch in WLAN-Netzen nutzen lassen. Wer sich also in das heutzutage durchaus übliche WiFi Netz des Urlaubshotels einloggt und dort eine entsprechend schnelle Datenleitung vorfindet, kann seine Telefonate nach Hause auch vollständig digital führen. Auf diesem Wege lassen sich während dem Gespräch auch Bilder oder kurze Videos an die Gesprächspartner übertragen, ohne dass man sich über ein evtl. beschränktes Datenvolumen des eigenen Mobilfunkvertrags sorgen muss.