Neue Nutzungsbedingungen
Nur noch heute! WhatsApp – Widerspruch gegen Datenweitergabe an Facebook

Die neuen Nutzungsbedingungen von WhatsApp sehen u.a. vor, dass der Chat-Dienst enger mit Facebook verzahnt wird. Ihr könnt verhindern, dass eure Account-Daten von WhatsApp an Facebook weitergegeben werden und wir zeigen euch, was ihr tun müsst.
von Carsten Drees am 25. September 2016

Update vom 25. September 2016:

Heute ist der 25. September und damit Stichtag für all diejenigen, die künftig WhatsApp weiter nutzen möchten, ohne dass Daten der WhatsApp-Accounts  zu Werbezwecken an Facebook weitergegeben werden. Weiter unten im ursprünglichen Artikel erklären wir euch ausführlich, wie ihr da widersprechen könnt, selbst wenn ihr die neuen Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien bereits durchgewunken habt.

Heute ist das also letztmalig möglich, wobei wir euch nochmal ausdrücklich drauf hinweisen wollen, dass ihr damit nicht die Datenweitergabe von WhatsApp an Facebook komplett unterbindet, sondern lediglich der Weitergabe zu Werbezwecken widersprecht. Wenn ihr generell ein Problem habt damit, dass Facebook auf bestimmte WhatsApp-Daten wie eure Telefonnummer zugreifen kann, bleibt euch keine Wahl, als dem beliebten Messenger komplett den Rücken zu kehren.

Original-Artikel vom 26. Oktober 2016:

WhatsApp hat es getan – seine Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien aktualisiert. Auf dem eigenen Blog erklärte man gestern, dass das nun erstmals seit vier Jahren der Fall ist. Dort heißt es:

Heute aktualisieren wir zum ersten Mal seit vier Jahren die Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinie von WhatsApp, als Teil unserer Pläne in den kommenden Monaten Wege zu testen, wie Personen mit Firmen kommunizieren können. Die aktualisierten Dokumente spiegeln auch wider, dass wir jetzt ein Teil von Facebook sind und wir kürzlich viele neue Funktionen, wie Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, WhatsApp Call und Messaging-Werkzeuge, wie WhatsApp für Web und Desktop eingeführt haben.

Damit ist das auf den Weg gebracht worden, was uns die Schwarzmaler, Datenkrake-Rufer und die Kollegen aus der Aluhut-Abteilung schon seit Jahren mit erhobenem Zeigefinger predigen: Facebook als Konzern-Mutter erhält mehr Zugriff auf WhatsApp-Daten. Obwohl diese Änderungen augenscheinlich nicht den Untergang des Abendlands einleiten, richte ich mich dennoch schon mal auf die obligatorischen Widerspruchs-Meldungen auf Facebook ein und auf dazugehörige empörte Spruchbilder – das moderne Pendant des mit Fackeln ausgestatteten pöbelnden Mobs. Den vollständigen Text der aktualisierten Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie könnt ihr übrigens hier lesen.

Die engere Verzahnung von WhatsApp mit der Facebook-Unternehmensgruppe sieht vor, dass einige Account-Daten an Facebook weitergegeben werden. So wird dem blauen Riesen dann bekannt sein, wann ihr WhatsApp zuletzt genutzt habt und auch die Telefonnummer wird mit Facebook abgeglichen. Mit den gewonnenen Informationen will Facebook beispielsweise die personalisierte Werbung verbessern, indem man zum Beispiel Werbung einspielt von Unternehmen, mit denen wir eh schon in Kontakt stehen, anstatt uns Werbung von völlig neuen Unternehmen vorzuschlagen.

Persönlich halte ich die Entwicklung für nachvollziehbar und wenig dramatisch, allerdings tut WhatsApp/Facebook wieder alles dafür, dass die Änderungen nicht für jedermann auf Anhieb durchschaubar sind und so diejenigen befeuert, die eh stets über beide Dienste schimpfen. Logischerweise sind eure Chat-Inhalte nicht betroffen, mittlerweile wird ja auch bei WhatsApp von Ende zu Ende verschlüsselt und auch eure Telefonnummer wird natürlich nicht auf Facebook veröffentlicht.

Wenn ich schreibe, dass das Unternehmen nicht so durchschaubar arbeitet, wie man sich das wünscht, dann gilt das auch für die Mitteilung auf eurem Smartphone, in welcher WhatsApp euch über die Änderungen informiert und eure Zustimmung wünscht. Es gibt nämlich die Möglichkeit, dort dieser Datenweitergabe in einem gewissen Rahmen zu widersprechen, auch wenn es nicht auf Anhieb ersichtlich ist. Wir wollen euch hier mitteilen, wie ihr widersprechen könnt – zwei Wege gibt es dazu:

Direkt widersprechen

Wenn ihr auf eurem Smartphone die Info zu den neuen Nutzungsbedingungen vorfindet, fällt vor allem der fette „Zustimmen“-Button auf:

WhatsApp Nutzungsbedingungen 01

Ihr werdet im Text informiert, dass ihr entweder zustimmen – oder eben WhatsApp nicht mehr nutzen könnt. Allerdings seht ihr dort nicht direkt, dass ihr diesen Nutzungsbedingungen auch mit einer Einschränkung zustimmen könnt. Unterhalb des grünen Buttons gibt es nämlich noch eine „Lies mehr“-Ergänzung. Erst, wenn  ihr dort drauftippt, bekommt ihr angezeigt, dass es eine Option gibt, die Daten-Weitergabe zu verhindern. Um diese zu sehen, müsst ihr beim erschienenen Text ganz nach unten scrollen:

WhatsApp Nutzungsbedingungen 02

Falls ihr eben nicht eure „Facebook-Werbung und Produkterlebnisse“ verbessern wollt durch die Weitergabe eurer Account-Daten, dann müsst ihr hier lediglich den Haken entfernen.

Nachträglich widersprechen

Ach, ihr habt ein bisschen zu schnell auf den grünen Button gedrückt und die „Lies mehr“-Info gar nicht mehr aufgerufen? Auch dann gibt es noch eine Möglichkeit, der Weitergabe der Daten zu widersprechen. Aber Achtung: Das funktioniert leider nur 30 Tage lang! Sobald ihr also den aktualisierten Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie zugestimmt habt, habt ihr in der Folge 30 Tage Zeit, um nachträglich der Weitergabe zu widersprechen. Geht dazu in WhatsApp auf Einstellungen > Account > Meine Account-Info teilen und dann entfernt ihr dort besagten Haken bzw. legt den Schieberegler um.

WhatsApp Nutzungsbedingungen 03

In dem Beitrag, in welchem WhatsApp selbst erklärt, wie man der Weitergabe der Daten entgegenwirkt, lässt man aber auch keinen Zweifel daran, dass so oder so Informationen an Facebook fließen werden:

Die Facebook-Unternehmensgruppe wird diese Information trotzdem erhalten und für andere Zwecke, wie Verbesserung von Infrastruktur und Zustellsystemen, des Verstehens der Art der Nutzung unserer bzw. ihrer Dienste, der Absicherung der Systeme und der Bekämpfung von Spam, Missbrauch bzw. Verletzungshandlungen.

Im Blog-Beitrag schließt WhatsApp unabhängig davon aus, dass eure Nummern öffentlich gepostet werden, dass in irgendeiner Art auf eure Inhalte zugegriffen werden kann und erklärt auch, dass die Telefonnummer nicht verkauft oder an Werbeagenturen weitergegeben werden kann.

Ich bin überzeugt davon, dass in nächster Zeit noch massig Nutzer und Datenschützer auf die Barrikaden gehen werden und ja – auch ich denke, dass man die Zustimmungserklärung anders hätte gestalten können. Alles in allem wird es sich aber auch dabei vermutlich wieder um einen Sturm im Wasserglas handeln und die meisten „Ich hau ab“-Protestler werde ich wohl auch weiterhin in meiner WhatsApp-Liste wiederfinden. Einen Internet-Oscar für Transparenz werden aber weder WhatsApp noch Facebook jemals gewinnen – so viel scheint auch festzustehen.

Quelle: WhatsApp via BGR