Wie die Universal Apps Windows Phone retten können

Windows Phone und Apps, das ist derzeit ein heikles Thema. So fehlen viele große Namen im App-Portfolio von Microsofts mobilen Betriebssystem. Doch die Universal Apps sollen diesem Problem ein Ende machen. Wie Satya Nadella sich dies vorstellt, erfahrt ihr hier.

In der letzten Woche habe ich die Frage gestellt, wie es mit Windows Phone weiter gehen wird und was geändert werden muss, damit die Plattform erfolgreicher wird, als es derzeit der Fall ist. In den Kommentaren zu diesem Artikel fiel immer wieder das Stichwort „App Gap“ (zu Deutsch: App Lücke), was schlicht heißt, dass dem Windows Phone OS einfach die Apps fehlen. Dieser Punkt ist, verständlicherweise, für viele ein K.O-Kriterium, denn was bringt ein noch so smartes Phone, wenn man damit, auf Grund fehlender Apps, nicht viel anfangen kann?

Nachdem Satya Nadella auf der Worldwide Partner Conference seine Keynote gehalten hat, ging er Backstage, um sich von Mary Jo Foley (MJF) interviewen zu lassen – das komplette Interview könnt ihr euch auf ZDNet anschauen. Dabei kamen ein paar wirklich interessante Punkte der aktuellen Strategie in Bezug auf Windows 10 Mobile (der Nachfolger von Windows Phone) zur Sprache.

Nadella macht dabei klar, dass die Strategie ein Windows auf allen Geräten aktueller denn je ist. Es ist nicht nur wichtig, die Apps wie Office, Skype und co. auf alle Geräte zu bringen, sondern auch die Microsoft Experience aufrecht zu erhalten. Dazu gehört nun mal auch, dass man auf dem mobilen Markt mit einem eigenen Smartphone OS aufwartet. Doch dabei geht es nicht einfach nur darum, eine Kopie von dem zu erstellen, was die anderen (Android und iOS) machen, sondern etwas zu entwickeln was einzigartig ist – Stichwort Continuum.

So when I think about our Windows Phone, I want it to stand for something like Continuum. When I say, wow, that’s an interesting approach where you can have a phone and that same phone, because of our universal platform with Continuum, and can, in fact, be a desktop. That is not something any other phone operating system or device can do. And that’s what I want our devices and device innovation to stand for. Satya Nadella

Nadella ist sehr stolz darauf, was Microsoft dort geschaffen hat. Die Möglichkeit, das Telefon im Zusammenhang mit den Universal Apps zu einem fast vollwertigem PC zu machen, ist wirklich einzigartig und das ist enorm wichtig, denn man muss den Kunden schließlich etwas bieten, was sie woanders nicht bekommen. Im Zusammenhang mit der Ankündigung, dass Microsoft mit den eigenen Smartphones fortan nur noch 3 Segmente bedienen wird, fragt MJF ob dies der Anfang vom Ende von Windows Mobile ist – viele Blogs und Magazine sagen dies ja bereits voraus. Nadella dagegen sagt, dass er den Fokus auf wenige Geräte legt um die Einzigartigkeit des Betriebssystems aufzuzeigen. Dabei zieht MJF die Analogie zu der Strategie der Surface Geräte, hier hat Microsoft es geschafft, mittels eines einzigen Gerätes den Weg vorzugeben, wie Windows Convertible Geräte auszusehen haben und was alles möglich ist. Der Punkte wurde schon von Microsofts COO Kevin Turner angesprochen. Heißt also, dass Microsoft in Zukunft die Windows Phones als Referenzgerät präsentieren wird, mit dem man die OEM’s dazu animieren möchte etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen.

If no OEM stands up to build Windows devices we’ll build them. There will be Lumia devices. So I’m not afraid of saying, okay, it’s all about the OEMs, or it’s all about the ecosystem. It’s about Windows. Satya Nadella

Doch auch falls diese Strategie nicht aufgeht, so hat Nadella einen Plan, der ziemlich simpel ist. Denn sollte sich keiner der OEM’s dazu überwinden, Windows Phones zu produzieren, so macht Microsoft es einfach selbst. Windows Phone wird also weiterhin auf dem Markt bleiben, es besteht vorerst keine Sorge, dass das System eingestampft wird, denn es gehört immer noch zur Windows-Strategie.

Doch auch dies ändert immer noch nichts daran, dass die Apps auf dem System echt rar gesät sind und auch das weiß Nadella. Doch der Punkt der Universal Apps kann und wird diesen Mangel beheben. Doch wie soll dies geschehen, werdet ihr euch jetzt vielleicht fragen. Die Entwickler sind bei einem geringen Marktanteil nicht gewillt, für die Windows Mobile Plattform zu entwickeln. Doch das müssen sie auch gar nicht, denn sie entwickeln nicht nur für Windows Mobile, sondern für Windows und da zieht nun mal das Desktopsystem mit Milliarden von Nutzer einfach die Aufmerksamkeit auf sich. Mit Windows 10 hat Microsoft, sofern die kostenlose Update-Strategie aufgeht, eine Nutzerbasis, die weit mehr Potential für Entwickler bietet, als es das Smartphone-Segment je tun wird. Und genau da setzt die Universal App an. Denn wenn die Entwickler eine App für Windows 10 schreiben, so ist diese mit minimalem Aufwand auch auf der Windows Mobile-Plattform vorhanden, dabei werden keine weiteren Kosten erzeugt. Also warum sollte man die paar Millionen Windows Phone Nutzer einfach auslassen, wenn man nicht mehr Aufwand betreiben muss?

Universal Windows apps are going to be written because you want to have those apps used on the desktop. The reason why anybody would want to write universal apps is not because of our three percent share in phones. It’s because a billion consumers are going to have a Start Menu, which is going to have your app. You start the journey there and take them to multiple places. Their app can go to the phone. They can go to HoloLens. They can go to Xbox. Satya Nadella

Den Punkt verdeutlicht Nadella auch noch einmal mit dem Beispiel, dass die Apps die für HoloLens, die Xbox, oder Windows 10 entwickelt werden auch auf dem Phone lauffähig sind. Wenn also ein Entwickler mit der HoloLens-Plattform liebäugelt und für diese einen App schreibt, so ist die dann auch auf den anderen Plattformen, also auch auf dem Phone, verfügbar.

If you come to Windows, you are going to be on the phone, too. Even if you want to come to Windows because of HoloLens, you want to come to it because of Xbox, you want to come to the desktop, all those get you to the phone. Satya Nadella

Somit kann also das Problem der fehlenden Apps über kurz oder lang auch auf Windows Mobile in den Griff bekommen werden. Damit fällt dann das K.O.-Kriterium der fehlenden Apps weg. Dieser Punkt und die Tatsache, dass Continuum das große Ding der neuen Lumia Phones werden wird, ist einfach ein unschlagbares Argument für die gesamte Plattform. In der Theorie hat Microsoft das Problem also erkannt und geht es konsequent an. Wie sich das aber nun in der Realität äußert und ob die Entwickler Windows 10 als App-Plattform annehmen werden, das wird sich spätestens ab Ende dieses Monats zeigen, wenn Windows 10 für den PC und Tablet auf den Markt kommt.

Wie seht ihr die Strategie? Was könnte Microsoft noch machen um die Appsituation langfristig zu verbessern? Glaubt ihr daran, dass die Surface-Strategie auch auf die Phone-Sparte übertragen werden kann und dass die OEM’s die Windows Mobile Plattform in Zukunft verstärkt bespielen werden?