Smartphone mit "Windows 10"-Build 12544.

Wie geht es mit Windows Phone weiter?

Nachdem Microsoft die Entlassung von 7800 Mitarbeitern und die Abschreibung von 7,6 Milliarden Dollar nach der Nokia-Übernahme (Sascha hat dazu eine wirklich gute Analyse geschrieben) bekannt gegeben hat, steht nun die Frage im Raum, wie es mit den Windows Phones in Zukunft weiter geht. Es ist kein Geheimnis, dass Windows Phone eher schlecht als recht läuft und die Marktentwicklung in dieser Richtung stagniert. Windows Phone schafft es seit Jahren nicht, die Kunden anzusprechen und das obwohl mit Windows Phone 8 und dem Update auf Windows Phone 8.1 endlich ein sehr solides und alltagstaugliches System entstanden ist. Dennoch kommt es einfach nicht am Markt an. Warum das so ist? Diese Frage stelle ich mir schon sehr sehr lange und ich habe bis heute keine wirkliche Antwort darauf. Es gibt mehrere Punkte, die dort mit hineinspielen. Der größte Kritikpunkt, den ich immer wieder von Freunden und Bekannten zuhöre kriege sind fehlende Apps.

Des Weiteren ist es einfach die Tatsache, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist und Umstellungen einfach schwer durchzusetzen sind, das beginnt schon bei der Zahnpasta und endet schließlich auch bei der Smartphone-Wahl. Aber auch Empfehlungen von Freunden und Kollegen spielen eine wichtige Rolle, hat man im Bekanntenkreis überwiegend Leute mit Android-Smartphones, so ist es nicht verwunderlich, dass dort die Empfehlungen zum selbigen Smartphone gehen, ähnlich ist es bei Apple. Denn mal ehrlich, wenn man sich ein teures Gadget kauft, gesteht man sich selbst vielleicht noch ein, dass es nicht das Gelbe vom Ei ist, aber gegenüber Freunden und Bekannten möchte man einen Fehlkauf meist nicht zugeben und verteidigt seine Investitionen – so ist der Mensch halt.

Aber genug der Spekulationen, ich wollte eigentlich darauf hinaus, dass Microsoft, bzw. auch Nokia schon zuvor, mitschuldig an dem Desaster ist, denn die Produktpalette ist einfach viel zu groß und unübersichtlich geworden. Es gibt Lumias in allen Größen, Farben und für jeden Geldbeutel. Dies ist zunächst einmal noch nicht weiter schlimm, doch wenn man sich die Produktpalette einmal genauer anschaut, stellt man fest, dass die Grenzen zwischen den einzelnen Geräten nicht wirklich genau definiert sind. Warum ist die Produktpalette nicht enger gefasst und jedes Gerät hat seine Unique Selling Points? Zumal man den Markt nicht alleine mit Windows Phones befeuern müsste, wenn man den OEMs denn noch Spiel geben würde.

Der Schritt mit den Low-Budget Geräten ist ja okay, um in den Markt zu drängen und Windows Phone als Betriebssystem bekannter machen möchte, aber müssen es gleich so viele sein? Brauchen wir neben einem Lumia 6xx auch ein Lumia 5xx, welches technisch fast auf der gleichen Welle schwimmt nur mal mit Frontkamera, mal ohne daher kommt?

Windows Phones mit Windows 10 for Mobile
Die Produktpalette wuchs enorm schnell von drei Modellreihen (7xx, 8xx und 9xx) auf neun (ich hoffe ich habe mich jetzt nicht verzählt) Modellreihen an. Dazu kommt noch das Chaos der Bezeichnungen, ihr wisst ja 435, 540, 640, 735, 830, 930, 1020, 1320, 1520 etc. Wer soll da bitte noch durchblicken? Woran erkennt man als Normalbürger, der sich nicht tagtäglich mit Technik befasst, welches Telefon die besseren Ausstattungsmerkmale hat, wenn sich dies nicht einmal durch die Bezeichnung definieren lässt. Ich könnte hier noch viel mehr aufzählen, aber ich denke zum Verständnis reicht es. Das Problem der vielen Lumia Telefone scheint Microsoft selbst erkannt zu haben, denn Satya Nadella hat es in der letzten Mail an seine Belegschaft auf den Punkt gebracht:

„In the near term, we will run a more effective phone portfolio, with better products and speed to market given the recently formed Windows and Devices Group. We plan to narrow our focus to three customer segments where we can make unique contributions and where we can differentiate through the combination of our hardware and software.“ Satya Nadella

Die Produktpalette wird also in Zukunft wieder etwas kleiner, genauer gesagt kommen wir wieder zurück zu drei Modellreihen mit denen Nokia damals gestartet ist. Dabei werden die drei Segmente wie folgt unterteilt:

  • Einsteiger-Geräte, für den schmalen Geldbeutel
  • Mittelklasse-Geräte, die sich an Business Kunden richten
  • Flaggschiff-Geräte, für die wahren Fans von Windows Phone

Dieser Schritt ist enorm wichtig, denn somit kann man die vorhandenen Ressourcen besser nutzen und womöglich noch bessere Smartphones bauen. Aber der Schritt gibt auch den OEMs eine Chance, sich nun wieder mit Windows Phones zu beschäftigen, denn der Markt ist fortan nicht mehr von Microsoft dominiert. Man sollte es meiner Meinung nach lieber ähnlich wie beim Surface machen, wo Microsoft quasi das Referenzmodell stellt und den OEMs einen Anreiz gibt, selbst auf das Pferd aufzuspringen und konkurrenzfähige Produkte zu entwerfen. Lenovo, HP, Dell etc. haben seitdem erstklassige Geräte produziert, in meinen Augen sogar besser als sie dies jemals zuvor getan haben.

Fazit der ganzen Sache: Es werden also weiterhin Windows Phones von Microsoft gefertigt. Das steht zumindest für die nächsten zwei Jahre erst einmal fest. Hoffen wir einfach mal, dass sich einige der großen Namen dazu hinreißen lassen, mal wieder über den Tellerrand zu schauen und vielleicht das ein oder andere Windows Phone auf den Markt zu bringen. HTC hatte mal, mit dem One als Windows Phone, einen schönen Ansatz gehabt, ihn bis jetzt jedoch nicht weiter verfolgt. Schade, aber mal sehen was die Zukunft mit Windows 10 for Mobile noch so mit sich bringt. Es bleibt nur zu hoffen…

Wie seht ihr das Ganze? Wie sieht bei euch die perfekte Produktpalette aus, um in dem hart umkämpften Smartphonemarkt doch mal wieder ein wenig Marktanteile erobern zu können? Welche Features sollte ein Windows Phone haben und wie kommt man aus dem unteren Bereich der Marktanteile heraus?