Robert Basic
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Wie viel bezahlt Daimler für meine Meinung?

Ist Robert der Meinungs-Wuffel von Daimler?

von Robert Basic am 16. August 2018

Ich mach den “Scheiss” als Blogger seit rund 15 Jahren. Der primäre Grund ist einfach und schnell erklärt: Die Vorstellung, in einem Kleinkaff im Taunus (nördlich von Frankfurt gelegen) verzweifelt nach Gesprächspartnern mit einem Bappschild vor der Brust zu suchen, war mir unsäglich. Du wollen wisse Twitter? Du wollen habe Technik? Du kennen Space-Time? Dafür sind und waren meine Interessen am Fortschritt der Menschheit viel zu breit, um einen Kleinhasendiskussionsverein zu gründen, in dem ich mich regelmäßig mit zweieinhalb Personen alle Monate wieder austauschen kann. Die Welt ist groß, der menschliche Geist ist herrlich plemplem und neugierig bis zum letzten Winkel der Galaxis. Auf einem Blog kannste wunderbar ähnlich gelagerte Freaks finden, die über technische Spinnereien reden. Zudem gilt mir: Es geht nicht darum, auf Instagram deinen blankpolierten Hintern zu zeigen, was man für eine tolle Type mitten im Einhorn-Schischi-Life ist, sondern die vornehmste Aufgabe ist, die wir alle haben, die Weitergabe von Wissen.

Neuerdings mache ich nun auch MobileGeeks unsicher. Nicole – die Göttin und Chefin hier – fragte mich, ob ich Bock hätte. Da ich meine 100-200 monatlichen Postings auf Facebook über Alien-Kommunikation bis zum kommenden Star am Autohimmel namens Byton oder die Kalkulation des Verdrängungspreises autonomer Fahrzeuge versus Öffentlichen eh aufs Blog verlagern wollte, nutzte ich das Angebot. Hier soll es auch Freaks und Leser geben, die sowas lesen.

Robert Basic
Ja, ich kann auch predigen, selbst wenn ich nicht an Gott im Himmel glaube. Aber für meine Patenkinder lege ich dennoch bisschen auf ihn schimpfend ein gutes Wort ein. Die Pastorin hatte mich zum Glück nicht gekreuzigt.

Da ich nicht total auf den Kopf gefallen bin (teilweise ja), war mir schon klar, dass es im Bereich Mobilität in Teilen besondere Liebschaften zwischen MobileGeeks und den Liebenden gibt. Ich mag falsch liegen, aber vieles drehte sich um „versagte Tesla-Liebe, bezahlte Daimler-Schecks und Palle“. So ungefähr richtig? Da ich ein großer Freund der offenen und direkten Worte bin, gehe ich das lieber früh als später an.

Um es vorwegzunehmen: Ich bin nicht dafür da, um jemanden meine Meinung aufzubürden noch aufzuzwingen. Im Gegenteil, wer einfach so das schluckt, was er irgendwo liest, ohne sich selbst den Kopf zu machen und nur nachplappert, den trete ich gerne persönlich in den Hintern. Umgekehrt ist es mir egal, ob jemand Tesla, Ferrari, Lada (unglaublich originelle Kiste), Citroen, Mercedes, Geely oder Mazda lieber mag. Oder Rad-Veganer ist. Oder Straßenbahnen über alles liebt. Jeder und Jede hat ihr Ding. Jemand der Meinung, die deutsche Autoindustrie geht unter? Ok, dein Ding. Ich meine etwas ganz anderes. Mein Ding. Das dazwischen sind Argumente, Fakten, Daten, Vorwürfe. Yeah, alles gut, voll mein Ding. Elon ist ein Held? Für manche ein unternehmerisches Genie. Gut! Ich finde Elon Musk einen aberwitzigen Regenbogenmacher, der nur einen vor sich hat, der damit sogar US-Präsident wurde. Wunderbar, wenn ihr Musk toll findet. Er hat mit lumpigen 10 Milliarden US-Dollar an Ausgaben eine gesamte Autobranche (mit 2 Billionen US-Dollarumsatz pro Jar) auf Links gedreht. Meinung versus Meinung, Haltung vs Haltung. Und es ist nicht immer versus/vs, sondern dennoch ein Miteinander im Versus.

In meiner Freizeit kuschel ich mit Wölfen. Ein Biss und der Wolf ist tot:) Die Wahrheit ist? Wölfe sind unglaublich herrliche, komplette Raubtiere, mit einer irren Vorsicht, extremer Intelligenz, sie riechen nicht, sie hörst du nicht kommen. Wundervolle Tiere! Wenn wir Menschen wollen, können wir mit ihnen koexistieren. Als größtes Raubtier auf Erden fällt uns das jedoch sehr schwer, leider. Foto: Tanja Askani, die Wolfshüterin. Dachtet ihr, ich spaziere einfach so unbehütet nach Mordor?

Was Palle angeht, hat der alles richtig gemacht und bei Daimler – die im Schwabenland einen Ruf wie Donnerhall genießen – sein Auskommen gefunden. In einer Phase der Autowelt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit die aufregendste und spannendste Zeit ever erlebt. Vielleicht sogar größer als zu Zeiten von Apotheker-Benzintanken und als es mehr Kutschen denn Autos gab. Er wäre gepudert gewesen, hätte er das Angebot ausgeschlagen.

Nur, er hat hier – er wird es verkraften, wenn ich das so direkt sage – nichts zu melden. Er kann mich nicht anrufen und sagen “Rob, du Arsch, schreib nett über Daimler und scheiße über Tesla“. Auch wenn ich erneut schreibe, dass das EQC-Elektrokonzept mehr wie ein langweiliges Pummelchen wirkt. Ok, er könnte es versuchen, für Aluhütler gedacht. Die Frage ist nicht einmal, ob ich gehorche, was per se schon eine dämliche Vorstellung ist. Kennt ihr übrigens die Szene, als der spartanische König in dem Film 300 vor dem persischen König knien soll und Leonidas meint zu Xerxes „kneeling will be hard for me“?

Nein, gehorchen, die Tatsache, dass sich diesen Kinderkram überhaupt jemand vorstellen könnte, ist Aluhut. Daimler, der Riesengorilla, soll auf ein einziges, einsames Blog soviel Druck erzeugen, um in geheimen Vorstandssitzungen und UK-Projekten andauernd zu überlegen, wie sie MobileGeeks am besten beugen, biegen und nutzen? Ok, ich ruf mal kurz Putin an, ich hab da als Blogger eine Idee, wie er mein Blog nutzen kann, um die Welt zu erobern. Mit viel LSD komme ich noch drauf, wie das bloß geht. Ich bin zu alt für Kinderfantasien, das ist alles.

Kehren wir in die normale Welt zurück, die nicht ganz so Hollywood ist, sondern sehr viel bunter und noch viel geiler. Weder Daimler noch Tesla werden sich die Autowelt aufteilen können. Am Ende des Tages sind es verschiedene Player, die ein Stück herausreißen wollen. Andere Giganten am Himmel, von VW bis Google, Toyota, Amazon, Alibaba, Baidu, Uber, Apple belauern sich wie Tiger, die erbarmungslos jede Schwäche der anderen nutzen werden. Um in der zukünftigen Welt der fahrenden Automobile mit Güter- und Personentransport vom 10 Billionen US-Dollar Mobilitätskuchen maximal etwas abzubekommen. Denn auf diese Summe wird der künftige Gesamtmarkt geschätzt. Setze Dr. No, Goldfinger, Largo, Blofeld, LeChiffre, Musk, Zetsche, Barra, Breitfeld, Bezos, Cook, und wie sie alle heißen an einen Pokertisch und es kommt genau das heraus: Einer der packendsten Wirtschaftskrimis aller Zeiten.

Haben wir uns insofern verstanden? Ich bin ich und mache es auf meine Art. Wir batteln, wir fighten, wir tauschen uns aus. Offen und fair, persönlich und unpersönlich. Wie heißt es beim Fußball? Respekt.

Einstein hat immer Recht, der Rest sind nur Krümel.

Titelbild: Sandra Schink.