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Wieso Apple so außergewöhnlich ist – erklärt an einem Pizzakarton

Apple präsentiert sich in einem neuen Video als "Underdog", was natürlich so nicht wirklich stimmt. Dennoch erkennt man daran sehr schön, dass dieses Unternehmen eben immer noch anders ist als so ziemlich jedes andere, was wir kennen.

von Carsten Drees am 3. April 2019

Die Apple-Fans können erst einmal ein wenig durchschnaufen: Das Showtime-Event mit der Vorstellung neuer Streaming-Dienste ist vor einigen Tagen über die Bühne gegangen und bis zur nächsten Vorstellung neuer iPhones ist es noch Monate hin. Dennoch ist Apple ganz sicher kein Unternehmen, um das es jemals wirklich ruhig wird.

Aktuell macht zum Beispiel ein Video die Runde, welches “Apple at Work – The Underdogs” getauft wurde. Ein bisschen versucht sich Apple damit wohl in der Tat, als eine Art Underdog zu verkaufen. Als ein Unternehmen, welches die Dinge anders angeht als andere, “out of the box” denkt und dadurch immer wieder für innovative Produkte gut ist.

Würde man das Video ganz nüchtern analysieren, würde man feststellen, dass sich Apple hier weniger an die privaten Nutzer der Produkte wendet, sondern stattdessen dieses mal eher an die Business-Kundschaft. Ein Produkt soll entwickelt werden und in dem drei-minütigen Clip bekommt ihr allerhand Hardware und Services von Apple zu sehen, die ein Team von Apple-Mitarbeitern zum Erreichen der Ziele nutzt.

Wir sehen MacBooks und iPhones im Einsatz, Siri und Airdrop sind mit von der Partie, außerdem bekommt man Multitasking auf dem iPad, den Apple Pencil und einiges mehr demonstriert. Die Aussage dahinter ist eigentlich klar: Apple hat die Lösungen, die ihr im Job benötigt, um zielgerichtet arbeiten zu können, ohne dass technische Hürden eurer Kreativität oder eurer Motivation im Weg stehen.

Allerdings ist das ein sehr humoriger Clip, eine zu nüchterne Sicht ist da vielleicht nicht so angebracht. Die Akteure spielen klasse, die Dialoge sind auf den Punkt und dann ist da vor allem das Produkt, welches nämlich entwickelt werden soll und das in kürzester Zeit (2 Tage): Ein Pizzakarton!

Das klingt so, als ist das die Pointe des Videos, dass der Tech-Riese sich mit so was profanem wie einer Pizzaschachtel abgibt, aber dem ist nicht so, dazu aber später mehr. Hier jetzt erst mal das Video, von dem ich die ganze Zeit rede:

Was haben Pappkartons mit Apples Philosophie zu tun?

Gerade in der Nähe des 1. Aprils ist man geneigt, die Nummer mit dem Pizzakarton für einen Jux zu halten, aber viele von euch werden es vermutlich wissen: Diese Schachteln gibt es auf dem Apple-Gelände tatsächlich! Das Patent dazu tauchte bereits 2017 auf, eingereicht wurde es aber sogar schon 2012, hier könnt ihr euch das Patent als PDF-Datei ansehen.

Und wenn ihr euch jetzt das Patent bzw. die hier eingebettete Skizze anschaut, könnt ihr erkennen, dass Apple sich durchaus Gedanken gemacht hat, wie man so einen schnöden Pappkarton optimiert bekommt.

Zunächst einmal hat man die Ecken abrasiert — hier wird zu viel Platz und somit auch Material verschwendet. Die Schachtel ist wie die Pizza: Rund! Auf dem Boden finden sich kreisförmige Einkerbungen, die die Wärme speichern sollen. Oben im Deckel gibt es da zu acht Lüftlungslöcher, die ermöglichen sollen, dass die Feuchtigkeit der dampfenden Pizza entweichen kann. Das Resultat: Die Pizza bleibt durch diese kleinen Tricks schön warm, aber durch die abgeleitete Feuchtigkeit eben auch knusprig.

Das Bild stammt wie das Artikelbild oben von The Outline, die sogar ein Hands on zu dem Karton veröffentlicht haben.

Wir haben jetzt also ein zugegebenermaßen simples Produkt des Unternehmens aus Cupertino, welches aber charakteristisch ebenso gestaltet ist wie so ziemlich alles andere, was man bei Apple so auf die Beine stellt. Und genau das ist der Punkt, den ich hier machen möchte. Es geht nicht darum, dass Apple einen witzigen Werbe-Spot abgeliefert hat, oder dass man vom Caffé Mac seine Pizza warm und knusprig zum Arbeitsplatz befördern kann.

Nein, in Wirklichkeit geht es darum, dass Apple auch bei so etwas simplem wie einem Pizzakarton den Blick für die Details nicht verlieren. In einem Interview mit dem Magazin Wired hat Tim Cook seinerzeit eben genau darauf abgezielt:

Could we have cut a corner here or there? It wouldn’t have been Apple. And it wouldn’t have sent the message to everybody working here every day that detail matters, that care matters. Tim Cook, Apple

Das genau ist der Spirit, den der unvergessene Steve Jobs seinen Mitarbeitern vorgelebt hat. Die Frage danach, wie man ein herkömmliches Mobiltelefon besser machen kann, oder wie man in digitalen Zeiten Musik kaufen und konsumieren sollte. Es finden sich viele Beispiele in der Geschichte Apples für diese Handlungsweise und ja, selbst ein ganz simpler Pizzakarton wird mit genau der selben Verve, der selben Akribie und dem selben exakten Blick fürs Detail entwickelt.

Reden wir heute also mal nicht darüber, dass Cook vielleicht mehr auf Renditen als auf Innovationen blickt, oder dass Apple hier und da auch mal an Grenzen stößt wie jüngst beim gescheiterten Apple AirPower. Heute reden wir über einen recht witzigen und unterhaltsamen Clip, der uns vordergründig zeigt, welche Hard- und Software-Ideen ihr für euer produktives Arbeiten nutzen könnt — und eigentlich erzählt uns das Video aber die Geschichte, mit welcher Philosophie Apple zu einem der wichtigsten Konzerne dieses Planeten werden konnte.

… und ja: Ich habe jetzt unfassbaren Hunger auf Pizza :-D

via The Verge