Windows 10 Mail und Kalender versus Outlook – lohnt ein Upgrade?

Microsoft hat mit Windows 10 Mail und Kalender zwei Apps im Store, die dem eigenen Outlook ein wenig Konkurrenz machen. In Sachen Funktionsumfang kommen sie zwar nicht an die professionelle Lösung aus Redmond heran. Doch was können die Apps und wann lohnt sich ein Upgrade auf Outlook?
von Marco Wilde am 14. Februar 2017

Der Windows Store ist nach Microsofts Wünschen das Herzstück von Windows 10, wenn es darum geht neue Software installieren. Daher legen die Redmonder viel Wert darauf, dass die wichtigsten Programme für die tägliche Arbeit leicht und unkompliziert zugänglich gemacht werden. Neben diversen kleinen Tools, hat Microsoft auch Apps für Mail und Kalender im Angebot.

Damit machen sie sich indirekt selbst Konkurrenz, denn die beiden Apps decken den Bedarf fast vollständig ab, ein Installieren von Outlook ist in dem Fall für viele Nutzer nicht mehr nötig. Anderen mag der Funktionsumfang der Mail und Kalender Apps nicht genug sein, daher die Frage: Lohnt sich ein Upgrade auf Microsoft Outlook, oder reichen für die tägliche Arbeit auch die App-Alternativen?

Outlook vs. Windows 10 Mail

Wenn man Outlook mit den Apps Mail und Kalender von Microsoft im direkten Vergleich sieht, so fällt auf, dass die Apps eine gewisse Ähnlichkeit zum großen Bruder Outlook aufweisen. Dies ist auch so gewollt, denn Microsoft tut viel um eine gewisse einheitliche Nutzererfahrung über all seine Dienste zu schaffen.

Windows 10 Mail App - Userinterface

Das Design der Mail App erinnert stark an die Benutzeroberfläche von Outlook, jedoch fällt auf den zweiten Blick auf, dass einige Funktionen fehlen. Ein Grund dafür liegt auf der Hand. Ist die Mail App für den Heimanwender gedacht, so liegt bei Outlook der Fokus klar auf dem Geschäftsumfeld. Ein weiterer Grund ist natürlich auch der Preis, der irgendwie gerechtfertigt werden muss. Outlook gibt es nur käuflich zu erwerben, entweder einzeln, oder in Kombination mit der Microsoft Office Suite – die Mail App hingegen ist völlig kostenlos und obendrein gibt es sogar noch die Kalender App dazu.

Outlook Mail Userinterface

Hier kann die Mail App überzeugen

Der Funktionsumfang reicht vom Verfassen über das Organisieren hin zum Archivieren von Mails. Dies sind wohl die häufigsten Aufgaben, die ein Mailprogramm bewerkstelligen sollte. Darüber hinaus lassen sich verschiedene Ordner erstellen und verwalten, sowie mehrere Konten hinzufügen. Die Synchronisation über mehrere Konten hinweg funktioniert reibungslos, dabei ist es unerheblich ob nun Outlook.com, Google Mail, oder Dienste anderer Anbieter genutzt werden. Das Design hilft zudem dabei, den Überblick zu behalten und die Aufmerksamkeit auf die wesentlichen Bestandteile zu lenken.

Über zwei Schaltflächen in der unteren rechten Ecke gelangt man zudem direkt in die verknüpften Apps für den Kalender, sowie zu der Kontakte App. Auch dies erinnert stark an Outlook, denn der Aufbau ist hier identisch – nur das bei Outlook eben keine separate App geöffnet wird, sondern alles im selben Fenster geschieht.

Die Mail App haben gegenüber Outlook aber auch wesentliche Vorteile, denn sie lässt sich auch durch Touch-Eingaben bedienen. Alle Aktionen können also auch per Wischgeste, oder Drücken und Halten durchgeführt werden. Ein weiterer enormer Vorteil ist die Interaktion mit dem Action Center von Windows 10.

Eingeschränkter Funktionsumfang der Mail App

Wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. So ist es auch im Falle der Mail App im Vergleich zu Outlook. Liegt der Fokus ganz klar auf der einfachen Bedienung und dem schlanken aber übersichtlichen Userinterface, entfallen einige Features natürlich.

So ist das Funktionslimit schnell erreicht, wenn es daran geht komplexere Aufgaben zu bewerkstelligen. Ein mächtiges Werkzeug von Outlook im Bereich der Archivierung und Organisation sind die Filter bzw. die Regeln, die nach belieben konfiguriert werden können und einem helfen bei vielen Mails die Übersicht zu behalten. Die Mail App kann hier nicht weiterhelfen, denn von Hause aus ist eine solche Funktion nicht vorgesehen. Ein Umweg über die Webseite des Mail-Konto-Anbieters ist hier unumgänglich um diese Funktion zu ermöglichen. Um also eingehende Mails automatisch in bestimmte Ordner zu verschieben, muss man dies direkt in der Weboberfläche, von beispielsweise Outlook.com, definieren.

Im Bereich der Junk-Mails hat die Mail App mittlerweile ein wenig Boden gut gemacht. Jedoch geht die Funktionsvielfalt nicht viel weiter als unerwünschte Mails per Klick in den Junk-Ordner zu verschieben. Absender oder ganze Domänen direkt zu sperren ist hingegen nicht möglich.

Wenn man eine Mail kennzeichnen möchte, so hat man in der Mail App nur die Möglichkeit eine Kennzeichnung zu setzen. Weitere Funktionen, wie das Kategorisieren, oder die Nachverfolgung und Wiedervorlage sind Features, die Outlook vorbehalten sind.

Outlook vs. Windows 10 Kalender

Outlook kann mehr als nur den Posteingang auf den Computer zu holen. Neben der Mail-Funktion steht auch ein umfangreicher Kalender mit verschiedenen Terminplanungstools, sowie eine Aufgabenverwaltung bereit.

Outlook Kalender Userinterface

Microsoft versucht diese Funktion ebenfalls in einer vereinfachten Variante mit der Kalender App abzudecken. Dies gelingt in den Grundfunktionen ebenfalls sehr gut. Die Kalender App zeigt übersichtlich die Termine an, dabei lässt sich die Darstellung zwischen der Jahres-, der Monats-, der Wochen und der Tagesansicht umschalten.

Die Verwaltung mehrerer Kalender ist kein Problem. Um auch bei mehreren Terminen den Überblick zu behalten, werden Termine aus verschiedenen Kalendern farblich unterschieden. Zudem wird auch eine Wettervorhersage eingeblendet, falls dies gewünscht ist.

Windows 10 Kalender App - Userinterface

Mit der Kalender App lassen sich Termine anlegen oder bearbeiten. Zudem können Skype-Besprechungen geplant werden. Darüber hinaus ist der Funktionsumfang aber beschränkt. Aufgaben können hier nicht geplant werden. Auch das importieren von anderen Kalendern ist ohne Umweg über die Webseite des Mail-Anbieters nicht möglich. Es lassen sich lediglich die Kalender einbeziehen, die bereits mit dem Mail-Konto verknüpft sind.

Ein großer Vorteil der Kalender App ist jedoch, und hier schlägt sie Outlook in Sachen Feature, die Integration in die Agenda von Windows 10, die über einen Klick auf die Uhr in der Taskleiste angezeigt werden kann.

Lohnt sich das Upgrade auf Microsoft Outlook?

Ob sich das Upgrade auf Microsoft Outlook lohnt? Das liegt am eigenen Nutzungsverhalten. Wem die grundlegenden Funktionen eines Mail-Programms ausreichen, der wird mit der Mail App in Kombination mit der Kalender App zufrieden sein. Hiermit lassen sich alle gängigen Dinge erledigen. Dabei sticht das aufgeräumte Design besonders ins Auge, denn man wird nicht von einem überladenen Interface geplagt. Die Übersichtlichkeit dient dem Fokus auf die wesentlichen Dinge – nämlich den Emails.

Die Kalender App ist für die einfache Terminverwaltung völlig ausreichend. Die App bietet ebenfalls eine gute Übersicht, ist schlank und direkt mit der Mail App verknüpft. Ein Klick genügt um zwischen den beiden Apps zu wechseln. Das große Plus an den Apps ist die Integration in Windows 10. So ermöglichen die Live-Kacheln direkte Information darüber, ob man eine neue Email erhalten hat, oder welcher Termin als nächstes ansteht.

Bei allem was über die Grundfunktion hinausgeht, wird Outlook schon fast obligatorisch. Der Funktionsumfang entspricht dem, was man unter einem Email-Programm für den professionellen Einsatz versteht. Durch die Regeln und die vielfältigen Möglichkeiten bei der Archivierung und Nachverfolgung, unterstützt Outlook beim täglichen Workflow. Für den Heimanwender dürfte dies aber im Regelfall zu viel an Funktion sein.

Kurzum: Wer ein schlankes, übersichtliches Email-Programm benötigt ohne viel Schnick Schnack, der kann ohne Probleme zu den Apps greifen. Wer sich jedoch täglich durch massig Emails kämpfen darf, der wird in Outlook einen wahren Freund und Helfer finden.