Windows 10 S vs Windows 10 Pro – Lohnt ein Upgrade?

Microsoft hat vor kurzem eine neue, auf den Bildungssektor abgestimmte, Konfiguration von Windows 10 Pro vorgestellt. Diese hört auf den Namen Windows 10 S. Dies ist aber nicht nur für Schulen verfügbar, sondern beispielsweise auch auf dem Surface Laptop vorinstalliert.

Windows 10 S ist laut Microsoft für Bildungseinrichtungen und kommt gegenüber den anderen Versionen mit einigen Funktionseinschränkungen daher. Diese sind im Schulalltag von großer Bedeutung, denn die Vorteile liegen hier auf der Hand – einfache Administrierbarkeit und Performance, da auf Installationspakete verzichtet wird. Doch wie sinnvoll ist dies im Alltag als Privatanwender, abseits von Bildungseinrichtungen?

Machen die Einschränkungen von Windows 10 S auch Sinn, wenn man zu Hause selbst die Administration von Windows übernimmt? Ein Umstand, der besonders dann ins Auge tritt, wenn man mit dem Gedanken spielt sich den Surface Laptop anzuschaffen. Ist ein Upgrade auf Windows 10 Pro hier obligatorisch?

Dazu muss man sich zunächst anschauen, wo die grundlegenden Vor- bzw. Nachteile bei Windows 10 S liegen. Diese können im Umkehrschluss als Nach- bzw. Vorteil der klassischen Windows 10 Version angesehen werden.

Grundlegende Vor- und Nachteile von Windows 10 S

+ Windows 10 S: Performance pur

Microsoft bewirbt bei der Präsentation von Windows 10 S vor allem die Performance. In einem Vergleich beim Hochfahren des Rechners macht sich dies bereits bemerkbar. Auch der Login-Vorgang ist wesentlich schneller. So soll Windows 10 S innerhalb von 15 Sekunden nach dem Starten betriebsbereit sein – Windows 10 Pro braucht hier meistens etwas länger. Der Grund hierfür ist, obwohl beide Versionen auf dem gleichen Core aufbauen, dass Windows 10 S in vielerlei Hinsicht entschlackt ist. Daher sind die Harwareanforderungen für die neue Version von Windows 10 gering, dies erlaubt günstigere Hardware. Daher werden die Geräte mit Windows 10 S auch preislich sehr attrativ.

+ Akkulaufzeit wesentlich verbessert

Microsoft verspricht zudem eine wesentlich bessere Akkunutzung und damit verbunden eine längere Laufzeit. Dies zeigt sich auch auf dem Datenblatt des Surface Laptop. Hier wird von bis zu 14,5 Stunden mit einer einzigen Akkuladung gesprochen. Bedenkt man, dass ein 13,5 Zoll Touchscreen mit FullHD Auflösung verbaut ist, so ist dies mal eine Ansage. Wie sich dies im Alltag auswirkt ist noch abzuwarten, es ist jedoch, auf Grund der Gegebenheiten des Betriebssystems, davon auszugehen, dass die Laufzeit mit Windows 10 S höher ausfallen wird als unter Windows 10 Pro bei gleichen Hardwarevoraussetzungen.

– Einschränkung in Bezug auf Programmauswahl

Der große Vorteil von Windows 10 S wird auch gleich zum größten Nachteil des Betriebssystems. Die Installation von klassischen Win32-Programmen ist nicht möglich, die einzige Möglichkeit an Programme zu gelagen ist der Windows Store. Dem einen mag dies ein Dorn im Auge sein, denn das bedeutet, dass man auf einige Programme, wie beispielsweise Google Chrome, Adobe Photoshop, Steam oder andere Anwendungen verzichten muss. Doch der Sicherheitsaspekt muss hier beachtet werden. Die Apps im Store sind sicher, das heißt das Risiko sich mit Malware oder Viren zu infizieren sinkt erheblich durch die Nutzung von Windows 10 S.

Damit verbunden ist auch die Einschränkung bei der Browserwahl. Windows 10 S lässt derzeit nur den Edge Browser zu. Das liegt daran, dass derzeit keiner der alternativen Browser im Store als App vertreten ist. Sollte sich Google irgendwann aber dazu entscheiden auch eine App zu veröffentlichen, so sollte dieser Umstand aus der Welt geschafft sein. Des Weiteren bringt die Limitierung auf Apps einen weiteren Vorteil mit sich – das System „müllt“ mit der Zeit nicht zu. Laut Aussagen von Microsoft soll somit gewährleistet werden, dass ein Laptop mit Windows 10 S auch nach Jahren noch so performant ist wie am ersten Tag.

– Einschränkungen auch bei der Treiberwahl

Ähnlich wie bei den Programmen, lassen sich nicht alle Treiber unter Windows 10 S installieren – besser gesagt: Die manuelle Installation von Treibern ist nicht möglich. Microsoft lässt bei der Installation von Treiber unter Windows 10 S keine Ausnahmen zu. Es werden also nur noch Geräte unterstützt, für die Windows den Treiber bereits mitliefert. Man ist hier also darauf angewiesen, dass zukünftig alle Treiber über Windows Update bereitgestellt werden. Sollte man Hardware nutzen, die spezielle Treiber voraussetzt, so wird diese unter Umständen unter Windows 10 S nicht korrekt funktionieren.

Wann ergibt Windows 10 S Sinn?

An diesem Punkt muss man sich sein persönliches Nutzungsverhalten vor Augen halten. Sofern man mit nur die gängigen Office-Tätigkeiten, Surfen und Mailen nutzt, dürfte man kaum einen nennenswerten Unterschied zu Windows 10 Pro erkennen. Office ist als App im Store, der Edge-Browser eignet sich gut zum täglichen Internetkonsum und die Mail-App hat in der letzten Zeit auch viele Features spendiert bekommen, sodass sie durchaus überzeugen kann. Sofern man hier also nicht unbedingt auf andere Software angewiesen ist, dürfte die Nutzung von Windows 10 S zu empfehlen sein. Denkt hier einmal an die Fälle in der Familie, von denen man immer wieder gebeten wird, das Betriebssystem neu aufzusetzen, oder panische Anrufe bekommt, weil „irgendwas komisch ist“. Die Eingeschränktheit von Windows 10 S dürfte hier ein klarer Vorteil sein.

Für die Nutzer, die aber mehrere zusätzliche Programme (etwa CAD-Software, Software für Bild- und Videobearbeitung, etc.) dürfte sich die Frage eigentlich gar nicht stellen. Das Upgrade ist zum aktuellen Zeitpunkt auf alle Fälle angemessen, da der Store derzeit einfach noch nicht die beste Auswahl an Alternativen bietet. Herkömmliche Programme müssen also installierbar sein – daher spricht alles für ein Upgrade auf Windows 10 Pro.

Zu empfehlen ist allemal das neue, schlanke Windows 10 S auszuprobieren. Vielleicht liegt im Store ja doch eine gute Alternative für die täglich genutzten Programme zur Verfügung. Die Vorteile von Windwos 10 S, wie die verbesserte Akkulaufzeit, würden mich persönlich dazu antreiben, meine Alltagsgewohnheiten über Bord zu werfen – zumindest für eine kurze Zeit, als eine Art Selbstversuch und um zu klären, ob ich persönlich auf Win32 Anwendungen verzichten könnte.