Windows 10 S: Microsoft macht Schule #MicrosoftEDU

Microsoft hat heute in New York einen Ableger von Windows 10 vorgestellt. Der Zusatz "S" im Namen der neuen Version steht im übertragenen Sinne für "Schule", denn genau hierfür ist das Betriebssystem konzipert worden.

Windows 10 S heißt Microsofts neuer Ableger von Windows 10. Mit der neuen Version des Betriebssystems fokusieren sich die Redmonder voll und ganz auf den Bildungssektor. Dabei soll Windows 10 S in Konkurrenz zu Chrome OS stehen und einen günstigen Einstieg in die Windows Welt schaffen. Das S im Namen der neuen Version von Windows 10 steht laut Terry Myerson, Chef des Windows Teams, für „streamlined“ „superior performance“ und „secure“. Weiterhin aber auch für die „soul“ vom künftigen Windowsgedanken.

Windows 10 S Event New York

Gerade im Bildungssegment hat Microsoft aktuell nicht viel zu bieten gehabt, doch dies ändert sich jetzt. Der neue Ableger von Windows 10, der vorab schon immer mal wieder im Gespräch war – Stichwort „Windows 10 Cloud“ – wird dabei einen etwas anderen Weg, als gewohnt gehen. Mit Windows verbunden sind bisher immer die Möglichkeiten Programme nach belieben zu installieren, sei es aus dem Store oder ganz klassisch per Installationsdatei.

Dies wird wohl der größte Unterschied in der abgespeckten Variante sein. Denn Windows 10 S beschränkt sich bei der Softwarebeschaffung auf den Windows Store und wird ausschließlich mit Apps befeuert. Doch der größte Kritikpunkt wird auch die größte Stärke von Windows 10 S, denn durch den limitierten Zugang zu Programmen, schränkt man das Risiko sich mit Malware oder Viren zu infizieren deutlich ein.

Dies bedeutet nun aber nicht, dass man zukünftig auf seine geliebten Programme verzichten muss, denn Microsoft arbeitet schon seit einiger Zeit daran die klassichen Win32 Anwendungen in den Store zu bringen. Dazu stellen sie den Entwickler die Desktop App Bridge zur Verfügung. Dadurch konnten bereits einige namenhaften Anbieter in den Store gelangen – zum Beispiel Evernote, Kodi oder Slack.

Dennoch ist die Appauswahl im Windows Store noch nicht vergleichbar mit der der anderen Stores. Der viel beklagte Umstand, dass es im Windows Store zu wenig Apps gibt und der limitierte Zugriff auf Anwendungen aus unbekannten Quellen, könnte dem Unternehmen aus Redmond in diesem Zusammenhang sogar in die Hände spielen. Gerade im Schulumfeld werden die Verantwortlichen dies sicherlich begrüßen. Beim Versuch ein Programm aus einer anderen Quelle zu installieren, verweigert Windows 10 S die Installation und gibt eine entsprechende Meldung aus.

Windows 10 S App Sicherheit

Der Vergleich mit Windows RT liegt hierbei auf der Hand, ist jedoch vollkommen falsch. Zunächst sieht Windows 10 S sehr nach einem Nachfolger aus, doch der Umstand, dass man durch einfaches Upgraden des Betriebssystem auf Windows 10 Home oder Windows 10 Pro den vollen Umfang von Windows 10 freischalten kann, widerlegt diesen Umstand. Sollte man künftig also doch eine Win32 Anwendung missen, so muss kein neues Gerät her, sondern lediglich die Windows 10 Lizenz erweitert werden.

Dieses Upgrade können die Lehrer oder IT-Verantwortlichen der Schulen durchführen, sofern sie dies für nötig halten. Gerade letzteren gibt Microsoft weitere Mittel an die Hand um den Wartungsaufwand für Windows 10 S gering zu halten. Mittels eines Setupwizards können spezielle USB-Sticks erstellt werden, mit denen dann die jeweiligen Geräte mit einer vorher konfigurierten Softwareausstattung aufgesetzt werden. Mit Windows InTune, einem neuen Verwaltungstool speziell für Schulen, lassen sich die System zudem auf einfache und schnelle Art administrieren und aktualisieren. Auch den Weg in die andere Richtung bietet Microsoft an. Schulen, die aktuell bereits Windows 10 in der Verwendung haben, können einfach und schnell auf Windows 10 S umsteigen – und das kostenlos.

Minecraft Education Edition

Das wäre aber noch nicht alles. Weiterhin kommt Windows 10 S mit mit neuer Software daher. Der Code Builder für Minecraft: Education Edition soll den Schülern fortan spielerisch das Programmieren beibringen soll. Das erste Jahr Minecraft: Education Edition spendiert Microsoft jedem Nutzer von Windows 10 S. Außerdem wird Office 365 und Microsoft Teams im selben Zuge kostenlos für Schulen angeboten.

WIndows 10 S Slide

Man könnte aktuell also von einer Art Windows 10 Lite sprechen, denn das Look and Feel gleicht sich bei beiden Versionen. Dem Nutzer, abseits von Bildungseinrichtungen, wird die freie Wahl gelassen, ob einem der Zugriff auf den Windows Store ausreicht, oder ob später dann doch die Funktionalität von Win32 Anwendungen geschaffen werden soll.

Gerade dies dürfte einigen von uns auch gefallen, wenn man einmal an die Eltern oder Großeltern denkt (Ich spreche hier aus eigener Erfahrung). Wie oft ist es schon vorgekommen, dass man zu Familientreffen den PC-Supporter spielen musste, weil wieder einmal etwas falsches installiert wurde, oder sich irgendein Schädling auf das System geschlichen hat? All dies hat zukünftig ein Ende, sofern man den (technisch nicht so versierten) Verwandten ein Windows 10 S Laptop an die Hand gibt.

Vorteile gegenüber Chrome OS

Da Microsoft Windows 10 S als Konkurrenz zu Chrome OS etablieren möchte, müssen die Redmonder mit besonderen Features locken. Google hat mit den Chromebooks in den USA bereis eine beachtliche Nutzerbasis geschaffen, gegen die Microsoft nun ankämpfen muss.

Dies versucht Microsoft aber nicht nur softwareseitig, denn auch hardwaretechnisch fahren sie mit dem Surface Laptop einen Konkurrenten zu den Chromebooks auf – wobei „Konkurrenz“ hier eher im Sinne eines Referenzmodells zu verstehen ist. Mit Sicherheit werden in den kommenden Wochen und Monaten noch weitere Notebooks von Microsft-Partnern auftauchen, die ebenfalls auf Windows 10 S setzen und in anderen Preisklassen verortet sind.

Windows 10 S hat außerdem noch einige Vorteile gegenüber ChromeOS. So zum Beispiel bei der Stiftunterstützung. Windows 10 S bietet von Hause aus alle Möglichkeiten von Windows Ink, also ist es durchaus möglich auch handschriftliche Notizen, Diagramme oder Skizzen zu erstellen und diese digital abzuspeichern. Natürlich kommt es hier auf die verbaute Hardware an, doch sicherlich wird es (abseits vom Surface Laptop) das ein oder andere erschwingliche Gerät geben, das dies unterstützten wird. Die OEM’s wie Acer, ASUS, Dell, Fujitsu, HP, Samsung und Toshiba werden in den kommenden Monaten mit einigen neuen Geräten speziell für den Bildungssektor aufwarten.

Auch die Appsituation könnte sich im Nachhinein als Vorteil für Microsoft herausstellen. Zwar können unter Chrome OS auch Android Apps ausgeführt werden, der Umfang an möglichen Apps ist hier fast unendlich, doch leider sind die Apps nicht unbedingt optimiert in Bezug auf die Darstellung auf größeren Displays. Weiterhin sind viele dieser Apps für die Bedienung mit dem Finger optimiert und genau dies verwehren die Chromebooks auf Grund fehlendem Touchdisplays.
Hier kann Microsoft mit seinem touchoptimierten Betriebssystem punkten. Zudem sind die Apps im Store größtenteils auch auf größeren Displays ansehnlich – ein Dank an die Designrichtlinien von Microsoft.