Windows Smartphones: Bitte wartet noch mit den Abgesängen

Gartner veröffentlicht neue Smartphone-Zahlen und lässt verlauten, dass auf weniger als einem Prozent der Geräte Windows zum Einsatz kommt. Klar, dass jetzt in den Tech-Medien die Abgesänge angestimmt werden. Ein bisschen zu früh, wie ich finde.

Microsoft hat sich weit entwickelt in den letzten Jahren und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Mit den Surface-Geräten baut man wirklich ganz feine Hardware, die sowohl technisch was auf dem Kasten hat als auch noch klasse aussieht. Mit Windows 10 haben die Jungs und Mädels aus Redmond ein Betriebssystem am Start, welches nicht nur die meisten Fehler der Vorgänger ausmerzt, sondern auch von den Nutzern deutlich besser angenommen wird als man das zuletzt beobachten konnte. Außerdem ist Microsoft – aus meinem subjektiven Blickwinkel – wieder ein Unternehmen geworden, welches für Innovationen und Visionen steht. Egal, ob man in Sachen Software auf Mitbewerber zugeht oder die Felder Augmented Reality und Virtual Reality beackert: Man merkt, dass da ein Unternehmen einen Plan hat.

Aber es gibt eine Sache, da kommt die Microsoft-Maschinerie einfach nicht ans Laufen – die Rede ist vom Smartphone-Markt. Egal, ob  wir uns über die von Microsoft selbst veröffentlichten Smartphones unterhalten oder über die Unterstützung von Windows Phone bzw. Windows 10 Mobile durch Dritte: Microsoft spielt schlicht keine wirkliche Rolle in diesem Spiel. Lange schon dümpelt man im niedrigen einstelligen Prozentbereich rum bei den Marktanteilen, Abweichungen gibt es lediglich bei einigen regionalen Ausnahmen, aber selbst dort ist man gegenüber Android nur ein ganz kleines Licht.

Neue Gartner-Zahlen: Microsoft unterhalb von einem Prozent

Wer diese Bedeutungslosigkeit des Betriebssystems mit neuen Zahlen unterfüttern will, der kann sich aktuell bei den Marktforschern von Gartner bedienen, die einen neuen Report veröffentlicht haben. Gartner berichtet, dass trotz einer gewissen Sättigung der Smartphone-Markt immer noch um 3,9 Prozent wachsen konnte, mit 84,1 Prozent bleibt Android das übermächtige Betriebssystem im mobilen Bereich schlechthin. Interessant wird es dann aber, wenn man auf der Tabelle weiter nach unten schaut:

Gartner Smartphone World Mai 2016

Über allem thront wie bereits erwähnt auch in diesem Quartal Android, iOS verliert mehr als drei Prozent und liegt nun bei nur noch 14,8 Prozent Marktanteil. Neu ist auch, dass mittlerweile Windows und BlackBerry selbst in der Summe nicht mehr auf ein einziges Prozentpünktchen kommen. War man es bei den Kanadiern leider schon gewohnt, muss man sich nun auch bei Windows-Smartphones dran gewöhnen: Die Geräte von Redmond sind spätestens jetzt zu absoluten Exoten mutiert, die in der Wahrnehmung nahezu in der Bedeutungslosigkeit versunken sind. Nach 2,5 Prozent Marktanteil im Vorjahr landete man jetzt bei lediglich noch 0,7 Prozent Marktanteil.

Ich glaube, da gibt es auch nicht viel zu beschönigen und drumherum zu reden. Dennoch nerven mich die zahlreichen Abgesänge auf das mobile Windows, wie sie beispielsweise hier oder hier angestimmt werden. Der Status Quo ist ein miserabler, fraglos. Die Frage ist aber, ob das für Microsoft jetzt wirklich überraschend kommt, oder ob man sich strategisch schon längst so ausgerichtet hat, dass man diese aktuelle Misere in Kauf nimmt.

Weder das Microsoft Lumia 950 noch das Microsoft Lumia 950 XL waren der erhoffte große Wurf oder Befreiungsschlag, das hat man in Redmond selbst sehr schnell gewusst. Das hat Microsoft selbst auch so kommuniziert, dass man mit den Geräten nicht so ganz glücklich ist. Gleichzeitig ließ man aber auch durchblicken, dass deswegen die mobilen Bemühungen nicht auf Eis gelegt würden. Wir wussten, dass Microsoft so schnell keine neuen Smartphone-Flaggschiffe mehr vorstellen wird und lange Monate nach den letzten Lumia-Releases ist es doch nun auch wirklich keine Überraschung, dass die eh schon schwachen Verkäufe nochmals nachgeben.

lumia_950XL-005

Stand jetzt dürfte selbst unter den größten Windows-Fans die Unsicherheit bezüglich der Zukunftsfähigkeit der Geräte eine sehr große sein und man mag niemandem verdenken, wenn er sich stattdessen bei seinem aktuellen Smartphone für iOS oder Android entscheidet. Was mich aber persönlich stört und worauf ich hinaus will: Es geht nicht in Ordnung für mich, wenn die Berichterstattung sich jetzt in eine Richtung bewegt, die Microsoft auf den Spuren von BlackBerry sieht.

Nicht nur sind die jeweiligen Situationen und Ausgangslagen beider Unternehmen so unterschiedlich, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Zudem ist es ein Unterschied, ob sich BlackBerry abstrampelt und dennoch nicht mal mehr den Hauch von Relevanz besitzt, oder ob Microsoft sagt, wir brechen das hier ab, weil wir uns neu ausgerichtet im nächsten Jahr zurückmelden wollen.

Zeit nehmen – die richtige Strategie

Microsoft will sich Zeit nehmen mit seiner nächsten Attacke auf den mobilen Markt. Ob man damit erfolgreich sein wird, steht selbstverständlich in den Sternen, für mich ist es aber fraglos die richtige Stoßrichtung. Ich erwähnte eingangs, dass Microsoft sehr viele Dinge richtig macht aktuell. Das Zusammenführen der verschiedenen Windows-Versionen, Features wie Continuum – das belegt für mich, dass man in Redmond einen Weg geht, der durchaus länger, deswegen aber eben nicht weniger durchdacht ist.

Mit den Lumia-Smartphones hat man sich in eine Sackgasse manövriert und es war auch wenig hilfreich, dass Windows 10 Mobile keinen sehr ausgereiften Eindruck machte auf den 950er-Geräten. Längst aber wissen wir, dass Microsoft nun von Grund auf ein neues Smartphone auf den Weg bringt, über welches wir aktuell als Surface Phone berichten. Microsoft ließ auch keinen Zweifel daran, dass die Windows 10-Strategie und die dazugehörige Update-Politik zunächst einmal andere Schwerpunkte im Vordergrund sah. Den nächsten großen Schritt Richtung mobile geht das Unternehmen erst 2017 – und dann auch werden wir erst wieder ein Smartphone-Flaggschiff sehen, welches dem Anspruch Microsofts und den Anforderungen von uns Nutzern dann hoffentlich gerecht wird.

surface-phone-microsoft-logo

Wir können also diese aktuelle Bestandsaufnahme mit einem Marktanteil von weniger als einem Prozent durchaus als das tatsächlich miese Ergebnis verbuchen, was es eben auch ist. Wir sollten dabei aber eben nicht vergessen, dass sich hier ein Unternehmen in diesem Bereich gerade neu aufstellt und mit Sicherheit auch hier Visionen hat, wie wir es aus anderen Bereichen von Microsoft kennen. Würde ich euch jetzt dazu raten, ein Windows-Smartphone zu kaufen? Nein, vielleicht nicht unbedingt – aber noch weniger würde ich euch raten, auf diese Abgesänge zu hören, für die Windows auf Smartphones scheinbar jetzt schon komplett erledigt ist.