Kommentar
Xiaomi zeigt dem Westen beim CES Debüt die lange Nase

Zum ersten Mal tritt Xiaomi bei der CES an, zeigt tolle Technik wie den neuen Mi TV 4 - und dennoch bleibt die Keynote hinter den Erwartungen zurück. Wer auf den großen Xiaomi-Angriff Richtung USA und Europa hoffte, wurde enttäuschend.

Das Apple Chinas – so wird Xiaomi oft tituliert und ich glaube, im Unternehmen mag man das durchaus auch, mit dem Tech-Riesen aus Cupertino verglichen zu werden. Der Vergleich ist auch nicht völlig aus der Luft gegriffen, denn in vielen Punkten scheinen die Chinesen tatsächlich dem Branchenprimus nachzueifern und das bisweilen auch sehr erfolgreich hinzubekommen.

Die Smartphones verkaufen sich in China und einigen anderen Ländern wie geschnitten Brot, dazu sind Handsets wie das Xiaomi Mi Mix echte Design-Offenbarungen. Xiaomi ist umtriebig und versorgt seine Kundschaft mit eigenen Software-Lösungen, ist aktiv auf dem Smart-Home-Sektor, bietet eigene Segway-Varianten, Wearables, Luftreiniger, Fernseher und vieles mehr an. Das alles ist insofern erstaunlich, als das Unternehmen erst seit knapp sieben Jahren existiert.

Schritt für Schritt tastet sich Xiaomi auch aus China hinaus und bietet seine Produkte aktuell in 20 Ländern an. Die wirklich spannendsten Gerätschaften – gerade die Fernseher und Smartphones – schaffen es aber bislang nicht in westliche Gefilde. So können wir hier zwar berichten, dass der jetzt neu vorgestellte Mi TV 4 – ein 4K-Fernseher – dünner als ein iPhone ist, aber wir machen es auch immer mit der Gewissheit, dass man die Produkte hierzulande nur über Umwege und Aufpreise erhalten kann.

Da kam uns die CES-Keynote des Unternehmens gerade recht: Das CES-Debüt Xiaomis ließ viele vorher eifrig darüber spekulieren, was sie wohl zeigen würden und noch viel mehr, was sie erzählen würden. Sie zeigten dann tatsächlich auch jede Menge – all die Gerätschaften, die uns schon länger bekannt sind und in China bereits im Handel erhältlich sind.

Das wäre auch weder Schande noch verschenkte Zeit gewesen, hätte Xiaomi das ausgesprochen, was sich alle erhofft hatten: „Ab sofort bekommt ihr den ganzen Krempel auch in den USA und in Europa“. Sie sagten es jedoch nicht. Klar – Xiaomi hat immer beteuert, dass man global zwar expandieren möchte, das aber sehr bedacht tue. Dennoch: Wer zur CES – das Wohnzimmer der US-Techwelt – kommt, der hat normalerweise auch vor, den Markt zu bedienen.

Dem war jedoch eben nicht so. Neue Hardware gab es dennoch zu sehen, wenngleich auch die nur partiell überzeugte: Ein neuer Router wurde gezeigt, das bereits bekannte Xiaomi Mi Mix in einer neuen Farbe (Weiß) und dann der eben bereits erwähnte Fernseher – alles Technik, die zunächst einmal für China angekündigt wurde.

Nicht falsch verstehen: Der Mi TV 4 macht einen großartigen Eindruck! Es handelt sich um einen nahezu rahmenlosen 4K-Fernseher, der in 65″-Größe unter 2 000 Dollar kosten soll. Besonders erwähnenswert ist die modulare Bauweise des Fernsehers: Die eigentliche Mattscheibe ist hauchdünn (teilweise unter 5 mm) und sowohl Technik wie der Quad-Core-Prozessor und die Boxen als auch die Anschlüsse sind in die „TV Bar“ ausgelagert worden, die wie eine Soundbar unter dem Bildschirm Platz nimmt. Die durchsichtigen Füsse verstärken dabei den Eindruck, dass ihr es mit einem nahezu schwebenden TV zu tun habt.

Das Prinzip der ausgelagerten Technik bedeutet, dass ihr eure Geräte einfacher an den Fernseher anschließen könnt, aber auch, dass ihr den Fernseher partiell erweitern könnt. Aber wie gesagt: Schön, wenn wir auch hierzulande in den Genuss kämen. So war der Auftritt Xiaomis unterm Strich für mich eher sowas wie ein „schaut mal, was wir können“ auf genau der Veranstaltung, bei der die Konkurrenz aus Fernost – beispielsweise Samsung, LG und Sony – gerade bei den Fernsehern schwer auftrumpfen wollen.

Wir haben uns hier schon unzählige Male darüber unterhalten, was für beeindruckende Technik das Unternehmen zustande bringt und auch durch die Einführung vom Mi Ecosystem – ein Ökosystem für IoT-Geräte – beweist Xiaomi, wie nah sie am Puls der Zeit sind. Aber wer nach Las Vegas kommt, der Presse alte wie neue Geräte vor die Nase hält und dann in bester Nelson Muntz-Manier erklärt, dass man aber schon nach China kommen müsse, wenn man sie kaufen will, der wirkt auf mich wie der ungeliebte Party-Crasher, der kurz reinschaut, mit der Faust in die Torte boxt und wieder verschwindet.

Ihr könnt gerne wiederkommen, Xiaomi – aber hey: Lasst doch nächstes mal ein paar Gadgets da. Und nur unter uns, Xiaomi: Stellt doch wenigstens Smartphones und Fernseher für Europa vor – wir verraten es den Amis auch nicht.

Quelle: Xiaomi via Android Central