„Yo“: Teste Deine Spermaqualität mit einer Smartphone-App

Zeugungswillige Männer und Paare sollen nun mit „Yo“ in der Lage sein, die Qualität des für die Fortpflanzung normalerweise benötigten Spermas mit einem Smartphone zu testen. Das Ejakulat wird über ein Kit, die Kamera eines iPhones oder Samsung Galaxy und eine zugehörige App auf seine Fertilität getestet. Was klingt wie ein Scherz soll nicht viel komplizierter sein als ein Blutzuckertest.

Wer sich als Mann jemals mit einem Kinderwunsch beschäftigt hat, dürfte früher oder später vom engeren Freundes- und Familienkreis mit wertvollen Ratschlägen zur möglichst erfolgreichen Fortpflanzungsstrategie bedacht worden sein. Schließlich muss – so munkelt man – z.B. sorgfältig geplant werden, ob der Nachwuchs lieber im April oder doch im November zur Welt kommen sollte, damit dem bereits gebuchten Sommerurlaub nichts im Wege steht. Nun kann man die Natur leider naturgemäß nur begrenzt beeinflussen und so kann es passieren, dass es trotz ernsthafter “Bemühungen” einfach nicht “klappt”.

Die Gründe für eine ausbleibende Schwangerschaft können vielfältig sein und haben schon viele Partnerschaften vor eine ernstzunehmende Belastungsprobe gestellt. Stress, Zigaretten, eine ungesunde oder mit Chemikalien belastete Ernährung, frühere Erkrankungen, genetische bzw. familiäre Vorbelastungen oder zig andere Gründe können die Ursache sein, dass es bei “ihr” oder “ihm” partout nicht mit der Fortpflanzung funktionieren will. Für viele Männer bedeutet das nach absehbarer Zeit, dass sie sich auf den Weg in eine Klinik begeben, um dort ihre Spermienqualität überprüfen zu lassen.

Offenbar treibt bereits der Gedanke an diese Prozedur einigen Männern die Schamesröte ins Gesicht und sorgt proportional dazu für eine nachlassende Blutzirkulation in der unteren Körperhälfte. Die Vorstellung, mit von freundlichem Klinikpersonal bereit gehaltenen Hilfsmitteln in einen Becher zu ejakulieren scheint so abwegig, dass viele Männer diesen Termin um alles in der Welt vermeiden wollen. Zudem könnte sich im anschließenden persönlichen Gespräch herausstellen, dass es um die eigene “Männlichkeit” tatsächlich nicht gut bestellt ist. Das kratzt im geringsten Fall ein wenig am Ego, im schlimmsten Fall sorgt es bei den betroffenen Paaren für das endgültige Platzen eines Lebenstraums.

Ein Smartphone-Aufsatz der Firma Medical Electronic Systems samt zugehöriger App namens “Yo” (mit Nachdruck aussprechen) soll es nun Männern erlauben, die eigene Samenflüssigkeit auf ihre Spermienhäufigkeit und -qualität zu überprüfen. Der peinliche Gang in die Klinik würde damit – vorerst – entfallen, stattdessen kann man sich in aller Ruhe, vielleicht gemeinsam mit der Partnerin oder dem Partner den kleinen kaulquappenähnlichen Freunden widmen.

Möglichen Spermien-Killer im Überblick
 
zu hohe Hodentemperatur
Verletzungen und Erkrankungen der Hoden
Nikotin und Alkohol
Schlechte Ernährung oder Umweltgifte
Alter, Stress, mangelnde Bewegung
Medikamente oder Anabolika
Unter- oder Übergewicht

Die gesamte Test-Prozedur soll nicht lange dauern und recht unkompliziert ablaufen. Die zu überprüfende Spermaprobe landet zuerst in einem Becher und wird dort mit einem pinkfarbenen Puder gemischt. Nach einer kurzen Wartezeit soll die so vorbereitete Probe auf einem Teststreifen getröpfelt werden, der im zugehören Kit enthalten ist. Dieser wird in den Aufsatz geschoben, der die Smartphone-Kamera eines handelsüblichen Smartphones durch die eingebaute Lampe in ein Mikroskop verwandeln soll, durch das man wiederum die eigenen Spermien betrachten kann.

Das entscheidende Feature des Kits soll die App sein, die nicht nur die Anzahl der Spermien zählt, sondern auch die auch tatsächlich befruchtungsfähigen Spermien erkennen kann. Dazu analysiert die App offenbar hauptsächlich, ob sich eine signifikante Zahl von Spermien in der abgegebenen Menge aktiv verhält, was nach allgemeiner Ansicht ein Indiz für die Qualität sein soll.

Die Analyse der App wird als Videosequenz gespeichert, die sich vergrößern und verkleinern lässt. Auf diese Weise soll man recht nah an die eigenen Spermien heranzoomen können. Sofern die abgegebene Probe weniger als die daraus errechneten 6 Millionen Spermien pro Milliliter enthält, ist es um die Qualität wohl weniger gut bestellt (subfertil). Ein höherer Wert will als durchschnittlich bis gut bewertet.

Der Hersteller versichert in dem bereitgestellten Anleitungsvideo, dass man tatsächlich nicht auf sein Smartphone ejakulieren muss und alles ganz sauber abläuft. Dennoch wird eine abschließende Reinigung des Geräts und des Kits empfohlen. Das Spermien-Video kann jederzeit wieder abgespielt werden, eine Upload-Funktion zu YouTube, Facebook, Twitter oder einer anderen Sozialen Plattform konnten wir jedoch auf Anhieb nicht entdecken. Im Bereich “Fun, Social and Gamification” gibt es also durchaus noch Verbesserungspotential.

In Zeiten, in denen sich immer wieder irgendwelche Marketing-Fuzzis mit viralen Kampagnen einen Namen machen wollen, muss man natürlich bei einem solchen Produkt vor der tatsächlichen Auslieferung ein wenig skeptisch sein. Dennoch scheinen der Ansatz und das gezeigte Prozedere recht schlüssig zu sein und der Gedanke, dass man sich hier mit dem Kinderwunsch von Eltern einen blöden Scherz erlaubt ist abstoßend. Zudem muss man festhalten, dass die Komponenten moderner Smartphones und eine darauf basierende App durchaus mit hochwertigen medizinischen Erstdiagnose-Geräten in vielen Praxen mithalten könnten.

Was das Kit und die App nicht bieten, sind jedenfalls professionelle Beratung und Hilfe im ein oder anderen Fall. Wer beispielsweise zu große Angst vor einer möglichen Enttäuschung hat, sollte so einen Spermientest nur mit den professionellen Ratschlägen eines Mediziners durchführen. Der kann nämlich über die reine Zahl und Bewegungsfreude der Spermien hinaus auch Aussagen über andere Faktoren und mögliche Hilfen treffen. Auch die Nachkontrolle einer eventuell durchgeführten Vasektomie sollte man vermutlich lieber einem Mediziner überlassen.

In diesem Sinne: Habt Spaß!

via yospermtest.com