Yurt: US-Universität richtet beeindruckenden 3D-Raum ein [Video]

An der Brown University in Providence in den USA hat man jüngst einen Virtual Reality-Raum eingerichtet. Er ist nicht der erste seiner Art, aber vermutlich der bislang beeindruckendste. Dank einiger Fotos und eines Videos können auch wir einen Blick drauf werfen.

2015 ist wohl das Jahr, in welchem Virtual Reality in seinen verschiedenen Spielarten auch im Mainstream in den meisten Köpfen angekommen ist. Die Technologien, um uns in der dritten Dimension spielen und arbeiten zu lassen, oder per Augmented Reality zusätzlichen Nutzen aus unserer Umgebung zu ziehen, werden immer ausgefeilter und über kurz oder lang wird auch die passende Hardware für uns alle bereitstehen – und dann auch deutlich über das hinausgehen, was beispielsweise das Google Cardboard oder andere günstige VR-Headsets zu bieten haben.

Öfters kommt die Frage auf, welchen tieferen Sinn oder Mehrwert das alles hat und ob es nicht nur eine weitere Technik-Spielerei ist (ähnlich den Debatten, die derzeit auch bei Smartwatches geführt werden), also quasi mehr Machbarkeits-Studie ist als eine wirklich anwendbare Technologie. Erinnerungen kommen auf an Smartphones und Tablets mit 3D-Features und selbst 3D-Fernseher haben beim Konsumenten nie den wirklich großen Durchbruch erfahren.

Was ist ein “Yurt”?

Wieso ich euch all das erzähle? Weil zu Virtual Reality und 3D-Technologien mitunter mehr gehört als ein äußerst beschränktes Sichtfeld und ziemlich genau das hat man in Providence, Rhode Island an der Brown University auch erkannt. An dieser renommierten US-Universität hat man bereits im Jahr 1998 ein 3D-Device entworfen, war aber nicht wirklich glücklich damit: Zu geringe Auflösung, zu eingeschränktes Sichtfeld, keine Decke und es war zu blass.

Mit “Yurt” hat man nun in den letzten Jahren das Nachfolge-Projekt entwickelt, welches nun jüngst fertiggestellt wurde. Wie sein Vorgänger handelt es sich dabei um ein höhlenähnliches Konstrukt, welches in seiner Form an eine Jurte (englisch: Yurt) erinnert, also an ein traditionelles Nomaden-Zelt, wie man sie beispielsweise aus der Mongolei kennt. Gleichzeitig kann man den Begriff Yurt auch als Akronym nutzen für die eigentliche Bezeichnung “YURT Ultimate Reality Theatre”.

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Es handelt sich dabei um einen 3D-Raum, der beileibe nicht der erste seiner Art ist, aber von dem Professor für Computer-Wissenschaften Henry Fuchs als “the greatest in all kinds of ways” bezeichnet wird. Und in der Tat sprengt die Ausstattung den Rahmen dessen, was man von vergleichbaren Räumen kennt Die Wände und die Decke sind gewölbt, der Plexiglas-Boden ist mit Screens ausgestattet und für die dreidimensionalen Bilder sorgen insgesamt 69 Stereo-Projektoren, die auf die Wand hochauflösende, helle Bilder zaubern können, die aus ungefähr 100 Millionen Pixeln bestehen.

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Hier will man sowohl Biologie, Geologie und Mathematik mithilfe der dritten Dimension erforschen, das Konstrukt ist aber auch dazu geeignet, sich intensivst mit Kunstwerken zu beschäftigen. So zeigt man dort beispielsweise ein etwa 80 Meter breites Werk von Garibaldi und kann sich jeder noch so feinen Facette widmen.

Wer in den Genuss dieser dreidimensionalen Darstellungen kommen will, wird mit einer entsprechenden 3D-Brille ausgestattet und navigiert wird mittels eines Stabes. Insgesamt 2,5 Millionen Dollar wurden in dieses Projekt investiert, welches uns mal förmlich in ein Gedicht eintauchen lässt, ein anderes mal ein mathematisches Objekt näherbringt und noch ein anderes Mal einen Mondkrater aus nächster Nähe zeigt. Dabei wird man den Raum nicht nur dazu nutzen können, die oben genannten Wissenschaften zu erforschen, auch die 3D-Technologie selbst will man dabei weiter erkunden.

Es entbehrt sicher nicht einer gewissen Ironie, dass “Yurt” just in einer Phase fertiggestellt wird, in der auch Projekte wie die HoloLens oder die Oculus Rift auf den Weg gebracht werden und somit virtuelle Welten zu jedermann nach Hause kommen. Allerdings ist der 3D-Raum der Brown-Universität komplett anders ausgerichtet: Man kann ihn mit einer sehr leichten 3D-Brille nutzen statt mit einer doch deutlich komplexeren Helm-Konstruktion, bewegt sich frei im Raum und kann sich dabei auch jederzeit selbst sehen. Alles in allem denkt man, dass diese Vorgehensweise zum Forschen und Unterrichten deutlich besser geeignet ist als ein VR-Headset. Werft am besten selbst mal einen Blick auf das Video und sagt uns, wie ihr darüber denkt:

Quelle: Boston Globe