Umfrage
Zerstört Social Media kostbare Momente im Leben?

Eine Studie verrät aktuell, dass sehr viele Menschen glauben, wegen Facebook und Co wertvolle Momente im Leben zu verpassen. Wir wollen von euch wissen, ob ihr das ähnlich seht und wie ihr damit umgeht, das richtige Gleichgewicht zwischen Posten und Leben zu finden.

Als Blogger fällt es einem manchmal auf, dass die gleiche Sau immer wieder mal durchs Dorf getrieben wird. Eine dieser Säue ist unser Social Media-Verhalten und welche Auswirkungen Facebook, Twitter usw. auf unser Leben um uns herum haben. Gestern bin ich über die Studie von Joseph Grenny und David Maxfield – Co-Autoren des Bestsellers „Crucial Conversations“ – gestolpert, bei der man über 1.600 Menschen zu ihren Social Media-Gewohnheiten befragten.

Crucial Conversations: Tools for Talking When Stakes Are High

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Von diesen exakt 1.623 Personen gaben 58 Prozent an, dass sie es mitunter verpassen, das Leben zu genießen, während sie mit ihrem Smartphone etwas posten und drei von vier Teilnehmern der Studie ist es bewusst, dass sie sich manchmal von der Gruppe ausgrenzen oder gar unhöflich sind, während sie ihr mobiles Device im Blick haben. 91 Prozent müssen zugeben, dass sie selbst schon kostbare Momente versäumt haben, weil sie gerade damit beschäftigt waren, das eben gemachte Foto zu posten. Hier ist eine Infografik, die gleich auch ein paar gute Ratschläge beinhaltet:

Infographic_LikesOverLife_Trophy-Hunters_March-2015

Ich persönlich kann mich nicht beklagen über kostbare Momente, die mir wegen Facebook, Whatsapp, Instagram oder sonstwas durch die Lappen gegangen sind. Für mich gibt es bei keiner Facette des Lebens nur Schwarz oder Weiß. Das gilt besonders für Technik, die uns so unfassbar viel ermöglicht, von der man sich aber dennoch nicht komplett abhängig machen sollte. Mich nerven gleichermaßen die Leute, die 90 Minuten lang mit ihrem Smartphone beim Konzert mitfilmen als auch diejenigen, die pauschal jeden technischen Fortschritt abwatschen – wie so oft liegt für meinen Geschmack die Wahrheit in der Mitte.

Casi beim Champagner-Picknick im Grand Canyon
Ich beim Champagner-Picknick im Grand Canyon 2012

Auf dem Bild oben seht ihr mein protziges Angeber-Foto aus dem Grand Canyon, ein Foto von 2012. Für mich ein unfassbar schönes Erlebnis und damit meine ich nicht speziell das Trinken eines komplett überschätzten Getränks unten im Grand Canyon. Vielmehr den kompletten Trip, der uns mit dem Helikopter aus Las Vegas an diesen Ort brachte und später wieder zurück, wo man nach einem Flug – dem Sonnenuntergang entgegen – schließlich die hell erleuchtete Stadt aus der Luft bestaunen konnte.

Dieses Beispiel habe ich ausgewählt, weil ich auf diesem Trip selbst ’ne Menge geknipst und gefilmt habe, aber auch genügend Zeit hatte, den Augenblick wirklich zu genießen. Ich bin heilfroh, dass ich diese tolle Erfahrung machen durfte, bin aber auch fast genauso froh darüber, dass ich ein paar schöne Erinnerungen an diesen Tag habe. Das kann natürlich nun jeder so halten, wie er möchte, aber ich würde jederzeit empfehlen, dass ihr da ebenfalls ein gesundes Maß findet. Setzt euch einfach mal einen Moment lang hin, wenn ihr euch an einem besonderen Ort befindet, hängt euren Gedanken nach, entschleunigt, genießt die Aussicht. Wenn ihr darüber hinaus dann die Szenerie festhaltet in ein paar Bildern, habt ihr beides – den tollen Augenblick und die wertvolle Erinnerung daran.

Das Selbe gilt für andere Situationen: Wenn in einer Runde – im Club, Restaurant, whatever – über einen längeren Zeitraum niemand mehr mit dem anderen kommuniziert, nervt es mich, aber den Login beim entsprechenden Ort, ein Gruppenfoto, welches man bei Facebook postet oder den Aufruf bei Twitter, wer eventuell noch gleich vorbeikommt, finde ich allemal legitim.

Mehr als 1 Posting pro Tag = Problem?

Noch so ein Grund, wieso sich jeder Einzelne darum bemühen sollte, ein eigenes, vernünftiges Maß zu finden: Wir alle sind unterschiedlich, haben andere Ressourcen, andere Ausgangslagen etc., so dass man schwerlich pauschal einen Tipp geben kann, wie das ideale Social Media-Verhalten aussieht. Wenn ihr euch das Infobild oben komplett angeschaut habt, dann wird euch unten aufgefallen sein, dass dazu aufgefordert wird, die Zahl der Interaktionen in den sozialen Netzwerken zu limitieren. Guter Gedanke eigentlich, aber wenn dort erklärt wird, dass mehr als ein Posting pro Tag bedenklich sind, fasse ich mir an den Kopf.

Schließlich erleben wir unterschiedlich viel, haben unterschiedlich große Freundeskreise, die zudem unterschiedlich weit verstreut sind. Wohnen alle meine wichtigen Bezugspersonen mit mir in einer WG werde ich viele Dinge eher persönlich mit ihnen besprechen, als sie zu posten. Ist das aber nicht der Fall, erreiche ich sie eben via Facebook. Wir hatten das Thema wie bereits erwähnt schon mehrfach auf dem Tisch, vor zwei Jahren gab es ein Video dazu, welches Viele zum Nachdenken anregte:

Mich nervt es zugegebenermaßen, wenn einzelne Apps, Dienste oder auch pauschal Hardware abgewatscht wird, unabhängig davon, wie bzw. wie dosiert man sie einsetzt. Mag aber sein, dass ihr dazu andere Ansichten habt und deshalb möchte ich von euch wissen, welcher Meinung ihr seid. Ich gebe euch bei unserem Poll exakt drei Optionen. Ihr könnt mit Ja oder Nein antworten auf die Annahme, dass Social Media bzw. unsere Smartphone-Abhängigkeit uns das ‚echte‘ Leben vermasselt, oder ihr entscheidet euch für den Mittelweg. Eure weiteren Gedanken dazu könnt ihr wie immer in den Kommentaren hinterlassen und uns mitteilen, ob ihr zu denjenigen gehört, die durch ihr Social Media-Verhalten schon mal bei den Freunden anecken – oder ob ihr vielleicht eher zur anderen Fraktion gehört.

via Medienrauschen.de