Android Go: Google präsentiert Betriebssystem für leistungsschwache Smartphones #IO17

Mit Android Go stellt Google auf der disjährigen #IO17 eine besondere Variante seines Betriebssystems vor, die auch auf weniger leistungsstarken Smartphones zum Einsatz kommen kann. Das Unternehmen hat damit besonders Schwellen- und Entwicklungsländer im Blick, in denen man "die nächste Milliarde" Nutzer gweinnen will.

Mit Android Go stellt Google bei der diesjährigen Entwicklerkonferenz #IO17 eine besondere Variante des Smartphone-Betriebssystems vor, das auch auf Geräten mit begrenzten Hardware-Ressourcen einwandfrei funktionieren soll. Nachdem man verkünden konnte, dass es mittlerweile weltweit zwei Milliarden aktive Android-Geräte gibt, besteht die nächste Herausforderung in der Eroberung von Entwicklungs- und Schwellenländern. Dort soll “the next billion users” für Android gewonnen werden, auch mit weniger leistungsstarken Geräten.

Google-CEO Sundar Pichai und seine Kollegen nannten erste konkrete Daten. Demnach soll Android Go auch auf Smartphones laufen, die mit 512 Megabyte oder 1 Gigabyte Arbeitsspeicher auskommen müssen und sich dementsprechend nicht mehr für ein aktuelles Android eignen würden. Ähnliche Pläne gab es bereits mit dem bereits vor drei Jahren vorgestellten Android One, dessen Entwicklung sicherlich Auswirkungen auf Android Go hatte.

Zudem sollen speziell optimierte Apps unter Android Go zum Einsatz kommen. Die Anwendungen sind schlanker und belegen auf dem jeweiligen Gerät wesentlich weniger Speicherplatz, dürften aber in der Regel auch nicht die volle Funktionsvielfalt bieten. Ein in diesem Zusammenhang anschauliches Beispiel könnten die Lite-Varianten der Facebook- und Messenger-Apps sein, mit der das Soziale Netzwerk ebenfalls auf die beschränkten Hardware- und Netzwerk-Ressourcen in verschiedenen Ländern reagieren will.

YouTube Go
YouTube Go
Entwickler: Google LLC
Preis: Kostenlos

Bisher nur in Indien: YouTube Go

Google wiederum kündigt bereits an, dass es zukünftig auch außerhalb Indiens eine spezielle YouTube Go App geben werde. Mit der App sollen sich Videos im WLAN oder über eine Peer-to-Peer Verbindung zu anderen Smartphones herunterladen lassen, eine Mobilfunkverbindung inklusive dem dabei anfallenden Datenverkehr wäre dann nicht zwingend nötig. Mit dem ebenfalls angekündigten Chrome Go Browser verfolgt man einen vergleichbaren Ansatz.

Gleichzeitig möchte Google den Betreibern der Mobilfunknetze entgegenkommen. Android Go wird hierzu offenbar eine spezielle Schnittstelle beinhalten, mit der ein Anbieter die aktuellen Verbrauchsdaten direkt an das Smartphone übermitteln kann. Der Traffic muss also nicht mehr vom System gemessen werden, sondern stimmt exakt mit dem tatsächlich berechneten Datenverkehr des Anbieters überein. Neigt sich das zur Verfügung stehende Datenvolumen dem Ende zu, kann man ein weiteres Datenpaket direkt aus Android Go heraus hinzubuchen.

Spannend wird, ob genügend Drittanbieter auf den Zug aufspringen und ihre zusehends aufgeblähten Apps ebenfalls für Android Go optimieren werden. Grundsätzlich darf man davon ausgehen, denn besonders in Ländern wie Indien oder in eigenen afrikanischen Staaten könnte eine frühzeitige Verfügbarkeit entsprechender Apps ein enormes wirtschaftliches Potential mit sich bringen. Denkbar wäre auch, dass ein paar Programmierer die Gelegenheit nutzen und Android Go bzw. eine entsprechende Abwandlung abwärtskompatibel zu älteren Smartphones gestalten, so dass eigentlich in der Schublade verschwundene Geräte ein neues Leben erhielten. Mit CyanogenMod bzw. neuerdings LineageOS gab und gibt es ja bereits vergleichbare Bestrebungen.

Android Go soll im kommenden Jahr verfügbar sein, bis dahin wird es sicherlich noch ergänzende Informationen geben. Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt vor allem, ob der Rollout regionalen Beschränkungen unterliegen wird.