Das iPad 5 ist eigentlich ein vier Jahre altes iPad Air

Soviel zum Thema Innovation: Die Reparaturspezialisten von iFixit haben das “neue” iPad 5 mit 9,7 Zoll Display unter die Lupe genommen und kommen zu dem Schluss, dass es sich bei dem Tablet im Wesentlichen um ein ein mittlerweile vier Jahre altes iPad Air der ersten Generation handelt. Das damals durchaus aufsehenerregende Gerät erschien im Herbst 2013.

Apple legt seit Jahren viel Wert auf seinen Ruf als vermeintlich innovatives Unternehmen. So will man z.B. in Europa keine Steuern zahlen, weil die eigentliche Wertschöpfung der Produkte in der Entwicklung neuer Technologien liege und sich die dafür zuständigen Abteilungen in den Vereinigten Staaten befinden. Dementsprechend beobachten nicht nur Branchenkenner mittlerweile aufmerksam, wie es denn bei iPhone, iPad, MacBook & Co. tatsächlich um die Innovationen bestellt ist.

Während das neue iPad 5 auf der Außenseite tatsächlich einige Änderungen aufweist, scheint es sich lt. iFixit bei einem Blick ins Innere des Gerät weitestgehend um ein ziemlich altes iPad Air zu halten. Außen fehlt nun z.B. der Schalter zur Feststellung des Displays, zudem fallen die Löcher für das Mikrofon etwas kleiner aus und die Löcher für den Lautsprecher sehen anders aus.

Sowohl der eingebaute Akku mit 32,9 Wh als auch die Display-Einheit des Tablets sind unverändert und entsprechen damit dem Stand der Technik vor vier Jahren. Nachgebessert hat Apple beim Prozessor, hier handelt es sich beim iPad 5 um den A9 (64Bit, 3rd Gen.). Auch die Touch-ID ist “neu”.

Nachtrag: in einem ausschliesslich via Twitter verbreiteten Nachtrag weist iFixit darauf hin, dass weitere Tests des Geräts eine wesentlich bessere Helligkeit des Displays offenbart hätten:

Unverändert hingegen bleiben auch die beiden Kameras mit acht bzw. 1,2 (!) Megapixel Auflösung, die beiden Lautsprecher, der Kopfhöreranschluss, der Homebutton und der Lightning-Anschluss. Mit all diesen übernommenen Komponenten mutiert das “neue” iPad 5 zum bisher momentan dicksten iPad (7,5 Millimeter), auch das Gewicht von rund 470 Gramm ist kein Fortschritt.

„Apple spricht gerne über Innovationen. Jedes Gerät ist dünner, schneller, macht mehr Spaß. Heute hat Apple der Welt ein aufgehübschtes vier Jahre altes iPad Air gebracht (A9-Prozessor und Touch ID) und nennt es schlicht das iPad.“ Julia Bluff, Repair Advocate iFixit

Insgesamt lassen die Erkenntnisse Reparatur-Experten den Schluss zu, dass sich speziell in puncto Gehäusedesign bei Apple einfach nicht mehr viel tut. Seit mehreren Jahren ändert sich auch die Erscheinungs- und Bauweise des iPhones nur marginal, was die im Vergleich zur Konkurrenz mittlerweile wirklich schlechte Screen-to-Body Ratio erklärt. Eines der auffälligsten Beispiele war das iPhone SE, das sind einer Neuauflage 2016 ebenfalls extrem an einen mittlerweile wesentlich älteres Vorgängermodell erinnerte.

Dabei wäre Innovation auch in anderen bereichen dringend angebracht, wenn Apple auf seine Kunden und unabhängige Reparaturdienste hören würde. Das iPad 5 (2017) ist wegen seinem erneut vollverklebten Display und dem ebenfalls vollständig verklebten Akku nur eingeschränkt reparierbar, weshalb bei iFixit wieder einmal nur 2 von 10 möglichen Punkten erreicht wurden.

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Ein derart verklebtes Display lässt sich bei einem Defekt oder Bruch nicht nur schwierig als solches austauschen, es behindert auch die Reparatur oder den Austausch andere Komponenten enorm. Schon beim Öffnen des Geräts kann es wegen der auftretenden Spannungen zu Bruch gehen. Das Display-Glas und das dahinterliegende LCD-Panel waren mit einem nahezu unlösbaren Schaumstoff-Klebeband verklebt, was offenbar auch dafür sorgt, dass es einen für das menschliche Auge sichtbaren Abstand zwischen den beiden Flächen gibt. Eine Antireflex-Beschichtung gibt es für das Display nicht, so dass es vergleichsweise stark spiegelt. Zudem fehlt die Unterstützung für einen Stift, wie man sie vom iPad Pro gewohnt ist.

Einen positiven Eindruck hinterließ das iPad 5, weil der für die Verarbeitung der Touch-Eingaben zuständige Digitizer nicht mit dem LCD-Panel verbunden ist und beide Bauteile somit einzeln ausgetauscht werden könnten. Zudem scheint der Akku zwar verklebt, aber nicht verlötet zu sein, was in den Händen eines Experten die Möglichkeit eines Austauschs zumindest nicht vollständig versperrt.

Interessant an solchen Teardowns ist ungeachtet der tatsächlichen Reparierbarkeit immer, dass erstmals Details zu den tatsächlich verbauten Komponenten und zu deren Herstellern bekannt werden. So wissen wir nun, dass dem oben bereits erwähnten A9 Prozessor 2 Gigabyte LPDDR4-RAM von Samsung zur Seite stehen, während der mit 32 Gigabyte bemessene interne Speicher von SK Hynix stammt. Beim Touch-Controller stößt man ebenfalls auf einen alten Bekannten: der Chip stammt von Broadcomm und kam nach den bisher vorliegenden Angaben schon im iPhone 5, iPhone 6, iPhone 6 Plus, iPhone SE sowie in den beiden letzten iPads zum Einsatz.

Quelle: ifixit.com