Apple: iPhone-Milliardäre ohne Steuersorgen – clevere Masche oder mieses Spiel?

Gratulation an Apple: 18 Milliarden Dollar Gewinn hat das Unternehmen allein in drei Monaten erwirtschaftet. Das meiste davon verdankt Apple dem reißenden Absatz des iPhone 6 (Plus) - und den Steuertricks, mit denen man dafür sorgt, dass das schöne Geld auch auf dem eigenen Konto bleibt.

Gegen Apple kann man argumentativ gerade nicht viel vorbringen. Produkte wie das iPhone oder das iPad dominieren nicht nur technisch als auch vom Design her die jeweiligen Märkte, kein zweites Unternehmen hat seine Marke so zum Kult machen können und niemand scheffelt so viel Kohle wie die Kameraden aus Cupertino. All die, die direkt nach dem Tod von Steve Jobs den Abgesang auf Apple angestimmt haben, wurden nicht bestätigt.

Auch wir haben uns hier bei den Mobile Geeks Gedanken gemacht, wie es mit Tim Cook statt mit Steve Jobs an der Spitze weitergeht: Da war jahrelang der Visionär, die Kultfigur und der Innovationsmotor Jobs – abgelöst wurde er dann vom eher nüchternen, sachlichen Tim Cook, Archetyp Buchhalter. Vielleicht ist man tatsächlich nicht mehr so innovativ, wie man es einmal gewesen ist, aber dennoch verdient man auch mehr Geld als jemals zuvor. Wie das sein kann? Dafür gibt es mehrere Gründe:

Klar – die Produkte sind großartig und deswegen ist es nur fair, dass sie sich wie geschnitten Brot verkaufen. Dabei dürfen wir den Kult-Faktor nicht vergessen, der Apple in die glückliche Lage versetzt, hohe Preise verlangen zu können, die die Kunden aber auch gerne zu zahlen bereit sind. Wie die meisten anderen Hersteller lässt auch Apple äußerst preisgünstig in Asien produzieren, so dass man in der Herstellung ähnlich wenig zahlen muss wie die Konkurrenz, sich aber über wesentlich höhere Gewinnmargen freuen kann. appledollar

Diesen guten Ruf und die treue Anhängerschaft hat sich Apple über viele Jahre hart erarbeitet, so dass man dem Konzern wahrlich nicht vorwerfen kann, dass man mit dem reichlichen Verkauf guter Produkte zu hohen Preisen die eigenen Konten füllt. Dennoch gibt es auch bei all der Anerkennung und all dem Respekt für Apple immer lauter werdende Stimmen, die kritisieren, wie genau dieser hohe Gewinn zustande kommt.

Tim Cook, der “Steuer”-Mann

Die Rede ist von den Steuertricks, die man in Cupertino blind beherrscht und die uns wieder daran erinnern, dass da jetzt ein gewiefter Buchhalter die Geschicke des Unternehmens leitet und nicht mehr der Visionär. In diesem Fall denkt man bei “Buchhalter” aber weniger daran, wie ein Tim Cook im Gegensatz zu Steve Jobs auftritt, sondern viel mehr daran, dass da jetzt jemand das Ruder in der Hand hat, der mit allen Steuer-Wassern gewaschen ist.

Sehr beliebt unter dem Gesichtspunkt “Steuern” sind dabei die Tochterunternehmen im guten, alten Europa. Nicht nur Apple nutzt die unzähligen Schlupflöcher, die verschiedene europäische Staaten bieten – auch Amazon, Google, Facebook und Co freuen sich darüber. “Die Anstalt” ist eine Sendung, die mich regelmäßig zum Lachen bringt und bei der mir ebenso regelmäßig das Lachen im Halse steckenbleibt. Wieso das so ist, seht ihr im folgenden Ausschnitt aus einer Sendung von letztem Oktober, der sich mit exakt dieser Steuer-Problematik auseinandersetzt und dabei auch Apple ins Visier nimmt:

Die Zeit setzt sich im Artikel Doll! Dollar! Apple! sehr ausführlich damit auseinander, auf welch perfide Art Apple Lücken in den Steuergesetzen ausnutzt, um die zu zahlenden Steuern zu drücken und dadurch tonnenweise Kapital anzuhäufen. Erklärt wird zum Beispiel, welche Rolle immaterielle Vermögensgegenstände wie Patente und Markenrechte dabei spielen: Die Rechte und Patente verhökert man an eine Tochter, die ihren Sitz in einem Niedrigsteuerland hat – in diesem Falle ist das Irland. Dieser Tochterfirma zahlt man nun Gebühren dafür, dass man diese Rechte und Patente nutzen darf und drückt damit den Gewinn im Heimatland, während für die Tochter in Irland kaum Steuern fällig werden.

Irgendwie kann man dennoch nicht von einem Steuerbetrug reden, denn wie so oft im Leben gehören auch zu dieser Methodik zwei Parteien: Einer, der diese Steuertricks anwendet – und einer, der sie überhaupt erst ermöglicht und dafür sorgt, dass diese Vorgehensweise legal ist. Ich persönlich finde es nahezu dramatisch, dass in der EU mehr Energie darauf verschwendet wird, Normen für Bananen zu etablieren und Richtlinien für Leuchtmittel festzulegen, als sich auf ein konsistentes Steuersystem zu verständigen. Nicht jedes Land muss die gleichen Steuergesetze haben, aber zumindest sollte doch jedes Land ein Interesse daran haben, diese Schlupflöcher zu stopfen, die es vielfach gibt.

Mittlerweile hat Irland reagiert und im Land gegründete Unternehmen zahlen dort seit diesem Jahr ohne Wenn und Aber die normalen Steuersätze. Ausländischen Unternehmen – also die Apples, Amazons und Facebooks dieser Welt – hat man noch eine Gnadenfrist eingeräumt von fünf Jahren. So lange werden wir also noch ungläubig nach Irland schauen und auf die Steuern, die für so einen Weltkonzern wie Apple unverschämt niedrig gerechnet werden. Auch in London und in anderen Hauptstädten von EU-Staaten tut sich langsam was und es setzt wohl ein Umdenken ein, wieso dieses Modell nicht wirklich pfiffig sein kann, angesichts  von Steuer-Milliarden, die den Ländern durch die Lappen gehen. Bis hier aber gehandelt wird, dürfte noch eine Menge Zeit vergehen. Zeit, die Apple dazu nutzen wird, weitere Gewinn- und Umsatz-Rekorde einzufahren und schon mal auszuloten, in welchen Ländern man künftig mit diesen legalen Steuertricks dafür sorgen kann, dass der Rubel weiter rollt.

Mich persönlich kotzt es an und das hat nun wahrlich nichts mit Apple zu tun, sondern gilt für andere Unternehmen ebenso. Apple spielt dieses kranke Spiel halt einfach besser als die anderen und profitiert demnach auch mehr davon. Besser macht es das jedoch nicht und ich hoffe, dass in Europa Wege gefunden werden, diesen Steuermodellen endgültig einen Riegel vorzuschieben. Frage an euch mit der Befürchtung, dass der ein oder andere mich für einen Apple-Basher hält: Ist das der richtige Weg, weil Apple lediglich die Möglichkeiten nutzt, die sich dem Unternehmen bieten? Oder ist es eine miese Masche, die ein schlechtes Licht auf das sonst so glanzvolle Apple wirft?

Quelle: Die Zeit

Weitere Links zum Thema:

Wikipedia – Double Irish With a Dutch Sandwich

Zeit Online – Irland und der vergiftete Apfel

Spiegel Online – Apples schmutzige Milliarden

Süddeutsche.de – Apple hat den Heiligen Gral der Steuervermeidung gesucht