Tabuthema Aids? In China ist das rote iPhone 7 einfach nur … rot

Apple nutzt mit dem roten iPhone 7 (Plus) die Gelegenheit, die Aids-Organisation Product(Red) zu unterstützen und von deren Wohltätigkeits-Label zu profitieren. Doch ausgerechnet in China fehlt die plakative Kennzeichnung aus bisher nicht genannten Gründen.

Ab dem kommenden Freitag wird das iPhone 7 in vielen Ländern auch in einem satten rot erhältlich sein, mit jedem jedem Verkauf soll die gemeinnützige Aids-Initiative (RED) unterstützt werden. Doch ausgerechnet in einem der größten Absatzmärkte vermeidet Apple möglicherweise einen Konflikt mit den Behörden: in China wird das iPhone 7 ohne das (Product)RED Label angeboten.

Den Kollegen von Techcrunch ist im Laufe des Tages aufgefallen, dass das plakative Spenden-Label der Product(Red) Initiative auf den chinesischen Websites fehlt. Im Nachbarland Taiwan taucht es hingegen auf. Die Kennzeichnung signalisiert jedem Käufer, dass ein Teil der Verkaufserlöse an die Organisation fließt, die aus den daraus resultierenden Mitteln u.a. Den Kampf gegen Aids in Afrika und anderen Ländern finanziert.

Das rote Apple iPhone 7 in China
Das rote Apple iPhone 7 in Taiwan

Zu den bisherigen Partnern der vom U2-Sänger Bono gegründeten Organisation gehören neben Apple auch Unternehmen wie Nike, American Express, Coca-Cola, Electronics Arts und andere Schwergewichte. Neben der Bekämpfung von HIV und Aids hat sich die Organisation auch dem Kampf gegen Malaria und Tuberkulose verschrieben, die in einigen Ländern immer noch weit verbreitet sind.

Apple hatte in der Vergangenheit bereits einen iPod in der aufmerksamkeitsstarken Signalfarbe angeboten, mit dem iPhone 7 folgt nun ein wesentlich hochpreisigeres Produkt aus dem Sortiment. Das Unternehmen verspricht sich – wie alle anderen Partner – von dem Charity-Label einen positiven Marketing-Effekt, schließlich tut man damit “etwas Gutes”. Bei vielen Käufern dürfte eine ähnliche Motivation eine Rolle spielen, zudem erwirbt man kurz vor dem Launch des kommenden iPhone 8 eine nicht alltägliche und irgendwie limitierte Ausführung des erfolgreichen Smartphones.

Apples Zurückhaltung in China könnte verschiedene Gründe haben, zu denen das Unternehmen bis jetzt keine Stellung genommen hat. Aids ist in China trotz durchaus existierender Fälle ein absolutes Tabuthema. Offiziell wird die Krankheit weitestgehend totgeschwiegen und gilt als ein typisches Problem des kapitalistischen Westens. Apple könnte also durchaus ganz bewusst auf das das Label verzichten, um es sich nicht mit den Behörden zu verscherzen.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass die chinesischen Wettbewerbsgesetze eine hierzulande und andernorts erlaubte “Werbung” für gemeinnützige Organisationen nicht zulassen. Auf Anhieb lässt sich zu diesem Thema nichts finden, zudem könnte es besondere Regelungen für ausländische Wohltätigkeitsorganisationen geben.

Apple: williger Erfüllungsgehilfe für Chinas Zensurmaschine

Unklar ist, ob das in China fehlende Product(Red) Label automatisch dazu führt, dass Apple für die dort verkauften iPhones keinerlei Anteile an die Organisation abführt. Theoretisch wäre es möglich, dass Apple zwar aus noch unbekannten Gründen auf die Kennzeichnung verzichtet, aber dennoch die sicherlich hohen Verkaufszahlen für eine Unterstützung der Initiative nutzt. Bedauernswerterweise verstreicht in jedem Fall eine Gelegenheit, die Krankheit in einem der bevölkerungsreichsten Länder zu thematisieren. China unterhält ausgerechnet zu vielen afrikanischen Staaten exzellente Wirtschaftsbeziehungen, ein Bewusstsein für die Probleme der Handelspartner wäre in der Bevölkerung sicherlich angebracht.

Tim Cook war erst am vergangenen Wochenende Gast auf dem China Development Forum in Peking und traf sich dort mit hochrangigen Industrievertretern und Politikern. Apple kämpft auf dem lukrativen Markt mit zunehmend erstarkten Konkurrenten wie Oppo, Vivo und Huawei und will nun in Peking und Shenzhen zwei neue Forschungs- und Entwicklungszentren bauen. Gleichzeitig hat der Apple-Auftragsfertiger Foxconn kürzlich angekündigt, dass man weite Teile der Produktion vollständig automatisieren werde und mehrere tausend Arbeiter ihre Jobs verlieren.