Apple: Kommt das MicroLED-iPhone in 3 Jahren?

Laut Bloomberg betreibt Apple eine "geheime" Fabrik in Kalifornien, die MicroLED-Displays produziert. In zwei Jahren könnten die in der Apple Watch eingesetzt werden, später dann auch im iPhone. 

Apple und Samsung — eine unendliche Geschichte. Nicht nur bei den Smartphones sind sie Konkurrenten und dennoch kann der eine irgendwie nicht ohne den anderen. So verdient Samsung beispielsweise säckeweise Geld damit, dass der Erzfeind aus Cupertino auch im iPhone X OLED-Panels aus Samsung-Produktion nutzt.

Und damit sind wir auch schon beim Thema: Bloomberg — gewöhnlich sehr gut informiert beim Thema Apple — berichtet derzeit von einer „geheimen Fabrik“ in Kalifornien, die sich nur wenige Minuten entfernt vom Apple Park befinden soll. Diese Fabrik befindet sich den Quellen zufolge ebenfalls in Apple-Besitz und dort lässt das Unternehmen in kleinen Mengen MicroLEDs produzieren!

MicroLED sagt euch was? Genau: Samsung (wer sonst?) kam bei der CES mit einem wirklich beeindruckenden Fernseher um die Ecke, der auf diese Technologie setzt. The Wall nennt sich das gute Stück und kommt mit einer Bildschirmdiagonale von 146 Zoll! Das wirklich innovative bei diesem riesigen Ungetüm ist aber eben nicht die schiere Größe, sondern besagte MicroLED-Technologie.

Laut Samsung sollen diese Fernseher noch dieses Jahr in den ersten Märkten in den Verkauf gehen, wobei ihr euch da eines sicher exorbitant hohen Preises gewiss sein könnt. Die neue Technologie besitzt gleich mehrere Vorteile: Hintergrundbeleuchtung und Farbfilter werden nicht benötigt, die Displays sind haltbarer, leistungsfähiger und energieeffizienter als aktuelle Panels und bieten schlicht ein überlegenes Bild.

Kein Wunder also, dass nicht nur Samsung diese Technologie für den kommenden Standard hält und ebenso kein Wunder, dass sich Apple da zeitnah bemüht, nachdem man die OLED-Nummer bei den Smartphones ja ein bisschen verpennt hat und erst mit dem iPhone X erstmals auf OLEDs setzte.

Neu ist hingegen, dass Apple probiert, dieses Bauteil nun selbst produzieren zu lassen, anstatt sich wie üblich auf andere Hersteller wie LG, Foxconn oder eben Samsung zu verlassen. Ein erstes Indiz dafür, in welche Richtung Apple denkt, war da schon die Übernahme von LuxVue im Jahr 2014. Das kleine Unternehmen hat sich schon früh auf die Micro-LED-Technologie spezialisiert und demzufolge waren diese Panels zumindest Gerüchten nach schon für die allererste Apple Watch vermutet worden.

Genau diese Apple Watch dürfte dann auch das erste Produkt aus Cupertino sein, welches mit MicroLED-Displays ausgestattet wird. Das dürfte den Quellen Bloombergs zufolge aber noch zwei Jahre im optimalen Fall dauern — von Marktreife kann also noch lange nicht die Rede sein. Sollte das klappen, sind selbstverständlich auch größere Displays denkbar. Bis wir aber ein iPhone mit MicroLED-Panel zu sehen bekommen, sollen im günstigsten Fall noch drei bis fünf Jahre vergehen.

In dieser unscheinbaren Fabrik in Santa Clara lässt Apple die MicroLED-Displays entwickeln und fertigen (Bild: Bloomberg)

Dass es noch so lange braucht, hängt vor allem damit zusammen, dass die Produktion dieser neuen MicroLEDs sehr kompliziert ist und aktuell noch sehr viel Ausschuss produziert wird. Das geht sogar so weit, dass das ganze Projekt angeblich noch auf sehr wackligen Beinen steht und Apple den Quellen zufolge sogar die ganze Geschichte vor einem Jahr um Haaresbreite eingestellt hätte.

Jetzt allerdings erzielt man große Fortschritte, so dass die Technologie mit Feuereifer vorangetrieben wird. Dennoch braucht es seine Zeit, bis man nicht nur ausreichend gute Panels produziert, sondern diese eben auch so zuverlässig herstellen kann, dass man damit in Serie geht. Für diese Serienfertigung wäre das Werk in Santa Clara sowieso zu klein, dort wird lediglich entwickelt und in kleinen Mengen produziert.

Was bedeutet das für die Konkurrenz?

Die Börse hat natürlich sofort auf dieses Gerücht reagiert. Sowohl der Kurs von Samsung (-1,4 Prozent) als auch Japan Display (-4,4 Prozent) und Sharp (-3,3 Prozent) sackten unmittelbar nach Bekanntwerden dieser neuen Infos ab.

Das hat auch seinen guten Grund: Bislang ist Apple auf diese anderen Hersteller angewiesen. Diese verdienen sich damit also selbst eine goldene Nase und haben natürlich auch die Hand drauf bei der Qualität der Bauteile. Also selbst, wenn Samsung beispielsweise ein besseres Panel im iPhone X verbaut, als es im Galaxy S8 seinerzeit zu sehen war, hat das Unternehmen die Gewissheit, diese Qualität künftig eben auch in der eigenen Hardware bieten zu können, weil man an der Spitze der Entwicklung steht.

Damit können weder Samsung noch andere Konkurrenten besonders glücklich sein. Zwar dürfte Apple auch künftig die Fertigung selbst auslagern, um die benötigten Mengen produzieren zu können, aber Samsung würde den fehlenden Auftrag spürbar in der eigenen Kasse merken und zudem könnte sich Apple schlimmstenfalls bei der MicroLED-Technologie zum Marktführer aufschwingen. Auch das dürfte den führenden Display-Herstellern wenig schmecken.

Urteilen wir aber mal lieber nicht zu vorschnell. Selbst, wenn Bloomberg auf sehr gute Drähte zu Apple und deren Zulieferern verweisen kann und wir mal davon ausgehen, dass die „geheime“ Fabrik tatsächlich schon MicroLEDs produziert, können wir derzeit noch nicht sehr viel daraus ableiten. Apple muss augenscheinlich noch einige Brocken aus dem Weg räumen und selbst dann dauert es eben noch mindestens zwei Jahre bis zu einer MicroLED-Watch und noch länger bis zum MicroLED-iPhone.

Zeit genug also für alle anderen, sich bis dahin ebenfalls ordentlich aufzustellen und man muss den Koreanern von Samsung zugestehen, dass sie mit einem bereits öffentlich gezeigten und dieses Jahr bestenfalls schon kaufbaren MicroLED-Fernseher zumindest aktuell mindestens eine Nasenspitze vorne liegen dürften.

Quelle: Bloomberg via WinFuture.de