Apple MacBook Pro: so viele Bestellungen wie noch nie

Trotz der anhaltenden Kritik wegen fehlender Schnittstellen und anderen Kompromissen soll sich das neue Apple MacBook Pro angeblich hervorragend verkaufen. Es gebe, so der Marketing-Vizepäsident Phil Schiller, in den zurückliegenden Tagen so viele Bestellungen wie nie zuvor. Menschen, die an den Entscheidungen in Cupertino zweifeln, erteilt Schiller eine Absage.

Das MacBook Pro ist Apples neues Flaggschiff-Notebook, erhältlich in zwei Varianten mit dreizehn oder fünfzehn Zoll Bildschirmdiagonale. Eine neue Touch Bar zählt zu den auf den ersten Blick sichtbaren Neuerungen, aber auch in anderen Bereichen hat sich einiges getan. Das MacBook Pro ist leichter, dünner und schneller als sein Vorgänger und soll – lt. Apples Marketing-Vizepräsident Phil Schiller – überaus erfolgreich sein.

Dabei ist nicht alles Gold, was glänzt. Das MacBook Pro musste sich in den vergangenen Tagen viel Kritik gefallen lassen, denn Apple musste zugunsten der Maße und des Gewichts offenbar einige weitreichende Kompromisse eingehen. Das Notebook besitzt einen kleineren Akku als sein Vorgänger, was offenbar zu einer weiterhin geltenden Beschränkung des Arbeitsspeichers auf maximal 16 (statt 32) Gigabyte führt. Profis hatten angesichts immer anspruchsvollerer Anwendungen (Stichwort: 4K Video) auf mehr RAM gehofft. Zudem das MacBook Pro neben seinen zwei bis vier Thunderbolt-Anschlüssen keine “normalen” USB-Ports oder andere Schnittstellen und kann dementsprechend in vielen Fällen nur mit verschiedenen Adaptern im Arbeitsalltag eingesetzt werden.

Kleinigkeiten wie der Wegfall des durchaus beliebten magnetischen Ladekabels und das offensichtliche Ende einer Ära, in der man als Launch-Partner von Intel die neuesten CPUs bereits Monate vor allen anderen erhielt runden bei vielen Experten das Bild ab. Seitdem Tim Cook das Ruder übernahm, hat Apple den Igel in der Tasche und steckt in einem ausweglosen Dilemma. Auf der einen Seite will man seinen Ruf als innovatives und richtungsweisendes Unternehmen aufrechterhalten, auf der anderen Seite fordert die Börse nach drei Quartalen mit Umsatzrückgängen eine Strategie für (noch) mehr Marge und Profit.

“Others are trying to turn the notebook into the tablet. The new MacBook Pro is a product that celebrates that it is a notebook.” Phil Schiller, Apple

Phil Schiller hat sich nun in einem Interview mit dem britischen Independent zu den technischen Herausforderungen geäußert, vor denen Apple steht. Viele seiner Antworten erklären zwischen den Zeilen und mit dem Wissen um die tatsächlichen Kompromisse beim MacBook Pro, wie getrieben Apple von dem Zwang ist, ein erstes “Muss-ich-haben” beim Benutzer zu erzeugen. So lobt Schiller beispielsweise im Hinblick auf die flache Bauweise seine Entwickler un Produktdesigner:

“It is. Big difference. And more rigid. And dense, too. It’s obviously harder to design something that’s stiffer when it’s so much thinner and the tolerances of the design are so much tighter than ever before on our products. To have this flatness and linearity between the huge trackpad surface and the palm rest, it took a level of engineering not possible before. So some things are transparent to the user, they just think it’s a beautiful product but the level of engineering it takes to make this the way it is, is a tremendous technical challenge compared to the past.”

Das klingt – typisch für einen Marketing-Vizepräsidenten – nach höchster Ingenieurskunst und lässt selbstverständlich unerwähnt, dass der Wegfall von mehreren Anschlüssen, ein fehlender Kartenleser, eine um 14 ISO-Tasten verkleinerte Tastatur sowie ein extrem abgespeckter Akku eher in die Kategorie “Holzhammer” als in den “Nano-Bereich” fallen. Wenn man gleichzeitig bedenkt, dass Apple sich vehement einem “echten” Touchscreen verweigert und nicht einmal in Erwägung zieht, den ja durchaus vorhandenen Apple Pencil bei einem Gerät der Pro-Kategorie zu nutzen, darf man schon skeptisch werden, wie gut es denn um die Skills (und Freiheiten) der Ingenieure bestellt ist.

apple-macbook-pro-bestellung

“[…] We are proud to tell you that so far our online store has had more orders for the new MacBook Pro than any other pro notebook before.” Phil Schiller, Apple

An der Kaufbereitschaft der Apple-Kunden scheinen die kontroversen Diskussionen um das MacBook Pro wenig geändert zu haben, ganz im Gegenteil. Auf Nachfrage teilte Schiller mit, dass sich das Notebook wie geschnitten Brot verkaufe und es bis zum jetzigen Zeitpunkt – sechs Tage nach der Vorstellung – mehr Bestellungen als jemals zuvor gebe. In diesem Punkt muss man natürlich bedenken, dass Apple mit der 13”-Variante das durchaus populäre MacBook Air beerdigt hat und nun die ehemaligen Sales für dieses Modell in den Pro-Bereich überträgt.

Den Kritikern erteilt Schiller eine Absage. Man wisse, dass man mit den Veränderungen am MacBook Pro gute Entscheidungen getroffen habe und sehe es als eine Aufgabe, Menschen durch diesen Änderungsprozess zu begleiten. Für andere Menschen seit das MacBook Pro eben noch nicht geeignet.

via independent.co.uk