Apple: Null Steuern bei 4,2 Milliarden Dollar Umsatz in Neuseeland

Der iPhone-Hersteller Apple praktiziert die in Europa erfolgreich erprobte Steuervermeidungstaktik auch auf der anderen Seite des Globus. In Neuseeland hat der Konzern in den vergangenen jahren faktisch keine Steuern bezahlt, besitzt aber einen marktanteil von 25 Prozent. Nun macht sich Widerstand breit.

Dem iPhone-Hersteller Apple droht nun neben dem anhaltenden Steuerstreit mit der Europäischen Union weiterer Ärger auf der anderen Seite des Globus. Offenbar kommt man auch in Neuseeland langsam auf den Trichter, dass Tim Cook & Co. die Grenzen der Steuervermeidungspraxis etwas zu weit auslegen. Im Land der Schaafe ärgert man sich darüber, dass Apple trotz einem Umsatz von 4,2 Milliarden Dollar sage und schreibe null Dollar Steuern bezahlt hat. Damit unterbieten die US-Amerikaner sogar die 0,005% Steuern, die in den vergangenen Jahren in Irland abgeführt wurden.

Wie der New Zealand Herold berichtet, besitzt Apple in Neuseeland einen Marktanteil von rund 25%. Besonders das iPhone ist bei den “Kiwis” äußerst beliebt und nimmt mit circa 221.000 verkauften Einheiten eine Spitzenposition am Markt ein. Dementsprechend erzielt der Konzern in dem Land den vergangenen 10 Jahren hohe Umsätze, von denen der neuseeländische Staat aber de facto nichts hat.

In den vorliegenden Geschäftsberichten des Unternehmens werden Steuerzahlungen von 37 Millionen Dollar ausgewiesen, die allerdings nie bei den neuseeländischen Finanzbehörden ankamen. Vielmehr landeten diese Steuerzahlungen auf den Konten des Australischen Finanzamts, denn Apple verbucht die in Neuseeland verkauften iPhones als australische Exporte.

Diese Praxis basiert auf einem Steuerabkommen, dass Apple offenbar bereits vor Jahren mit den Australiern geschlossen hat. Würde man die in Neuseeland üblichen Steuersätze zur Berechnung der Steuerschuld heranziehen, dann hätte Apple nach den bisher vorliegenden Angaben eigentlich circa 356 Millionen Dollar zahlen müssen.

„Apple aims to be a force for good and we’re proud of the contributions we’ve made in New Zealand over the past decade. Because our products and services are created, designed and engineered in the US, that’s where the vast majority of our tax is paid.“ Apple

Gegenüber den in Europa erhobenen Steuerforderungen von rund 13 Milliarden Euro wirkt diese Summe lächerlich gering. Doch Apple argumentiert in einer ersten Stellungnahme zu den neuseeländischen Medienberichten ähnlich wie in Brüssel: die Wertschöpfung bei einem iPhone finde ausschließlich in den Vereinigten Staaten statt, denn dort befände sich die Design- und Entwicklungsabteilung des Unternehmens. Dementsprechend wolle man die in Neuseeland bzw. Australien erwirtschaften Gewinne in den USA versteuern.

Das wiederum sehen sogar die US-amerikanischen Steuerbehörden kritisch. Nach deren Meinung nutzen Apple und andere Unternehmen bereits seit Jahren eine Klausel im amerikanischen Steuerrecht aus, die das Parken von enormen Gewinnen auf ausländischen Konten ermöglicht. Eine Versteuerung erfolgt erst, wenn das Geld tatsächlich in die USA transferiert wird, was die Firmen aber tunlichst vermeiden. Die EU hatte im laufenden Steuerstreit mit Cupertino bereits angemerkt, dass man selbstverständlich auf Steuerforderungen verzichten werde, wenn Apple im Rahmen existierender Steuerabkommen mit den Vereinigten Staaten eine tatsächliche Zahlung nachweisen könne.

via winfuture.de