One more thing: Apple patentiert sich eine Papiertüte

Nach dem seit Jahren nahezu unverändertem iPhone und den optisch gewöhnungsbedürftigen AirPods besinnt sich die Design- und Produktentwicklungsabteilung bei Apple wieder auf ihre Tugenden. In den streng geheimen Büros wurde ein Produkt erschaffen, das die Welt revolutionieren wird: eine Papiertüte. In einem genialen Marketing-Schachzug tauft das Unternehmen die Erfindung "Bag". So simpel, so amazing, einfach nur "Bag"! Genial.

Wer sich nach einem Blick auf die AirPods und das erneut nicht veränderte Design des iPhone 7 gefragt hat, was Jony Ive eigentlich den ganzen Tag so macht, bekommt nun die Antwort. Der Mann, seines Zeichens Chief Design Officer bei Apple, beschäftigt sich ausgiebig mit Einkaufstüten. Das Ergebnis seiner Arbeit ist die vermutlich beste und amazingste Papiertüte, die dieser Planet je gesehen hat.

Die “Bag” – nicht iBag, wie man vielleicht vermuten mag – stellt alles bisher dagewesene in den Schatten und wird dementsprechend durch ein Patent geschützt. Schließlich kann es nicht angehen, dass eine derart revolutionäre Innovation nach jahrelanger Forschung und Entwicklung von Konkurrenten auf dem hart umkämpften Markt für Papiertüten kopiert würde. Das, so weiß Apple, ist man nicht nur den Aktionären, sondern auch der eigenen Kundschaft schuldig, die nach mehreren Milliarden iPhones, iPads, iMacs und iWasauchimmer auch bei modischen Accessoires wie einer Papiertüte viel Wert auf Individualität legt.

“Bags are often used for containing items. For example, retail bags may be used to contain items purchased at a retail store.” Apple

Falls ihr euch überraschenderweise noch nie mit der Papiertüten-Technologie des 21. Jahrhunderts auseinandergesetzt habt, könnte eine intensive Beschäftigung mit dem Patentantrag Nummer 20160264304 zu einer spirituellen Erleuchtung führen. So weiss Apple zu berichten, dass Tüten öfter zum Transport von Dingen benutzt werden, die wundersamerweise in Geschäften gekauft werden. Dies trifft offenbar auch auf Papiertüten zu.

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Interessierte Eltern oder Grundschullehrerinnen erfahren in dem Patentantrag zudem, wie man so eine Papiertüte faltet, um eine optimale Tragefähigkeit zu erreichen. Statt sich also im Herbst mit so einem Blödsinn wie Kastanienmännchen zu beschäftigen, könnte man mit dem öffentlich zugänglichen Dokument der übernächsten Generation von Verpackungsdesignern den Weg ebnen. Ganz nebenbei könnte man den kleinen Rackern dabei auch physikalische Grundgesetze wie das der “Schwerkraft” nahebringen.

Das bisher Geschriebene mag ein wenig belustigt klingen, doch damit tut man der Papiertüte unrecht. Es hat einen Grund, warum theverge.com (in Fachkreisen auch als “iVerge” bekannt) seinen Lesern nahelegt, die Papiertüte in jeder nur erdenklichen Weise zu unterstützen.

“Can Apple’s bag be so revolutionary, so groundbreaking, as to require its own patent? The answer is yes. The bag is good, and deserves all the support we can give it.” Russell Brandom, The Verge

Zum einen sei sie “elegant”, was im Umkreis von circa 5 Kilometern um einen Apple Store ein durchaus wichtiges Argument sein kann. Vermutlich wird die Bag auf beiden Seiten einen Apfel zeigen, der – wie wir alle wissen – für ein bestimmtes Lebensgefühl steht und der zu +80% dominierten Android-Welt ein Statement entgegenschleudert.

Zum anderen besteht die Papiertüte zu 60% aus Recycling-Materialien, was offenbar nach einhelliger Meinung der IT-Fachpresse ein recht hoher Anteil für eine Papiertüte sein soll. Dieser hohe Teil an recyceltem Material stellt Designer von Papiertüten offenbar regelmäßig vor bisher unbekannte Herausforderungen, denen Apple nun begegnen will. Zur Strategie des Konzern gehören dabei sowohl bequemere Tragegriffe als auch Möglichkeiten, die “Farbe” der weiß gebleichten Tüte über eine längere Dauer beizubehalten.

Neben den zu Tragegriffen geflochtenen Papierfasern weist Apple zudem besonders darauf hin, dass bei der Produktion der Papiertüte kein Klebstoff benötigt werde, was besonders umweltfreundlich sei.

Credo des Tages: Fremdschämen mit Apple
Credo des Tages: Fremdschämen mit Apple

Und hier, liebes Apple, kommen wir zum springenden Punkt: wenn euch Umweltschutz tatsächlich wichtig wäre, dann würdet ihr diese offenbar patentwürdige Produktionsmethode nicht durch das Patent der gesamten Welt entziehen. Ihr würdet das, mit zig Milliarden Dollar auf den Virgin Islands, einfach auf eure Hochglanz-Internetseite packen und die Papiertüten-Hersteller dieser Welt bitten, die Erkenntnisse zu nutzen.

Werdet ihr aber nicht machen, so tickt ihr einfach nicht, egal wie oft ihr euer Credo von einer besseren Welt trällert. Und genau deshalb machen sich so viele lustig über eure Papiertüte.

via theguardian.com