Apple verliert vor Gericht: „Steve Jobs“ ist jetzt ein italienisches Mode-Label

Die Brüder Vincenzo und Giacomo Barbato haben einen langen Gerichtsstreit gegen Apple gewonnen - und haben nun das Markenrecht an "Steve Jobs" zugesprochen bekommen. Das Bekleidungs-Unternehmen bringt "Steve Jobs"-Jeans und ähnliches auf den Markt, aber auch technisches Gerät soll in Zukunft unter diesem Namen zu haben sein. 
von Carsten Drees am 28. Dezember 2017

Es ist unglaublich clever, sehr, sehr frech und ja, vielleicht ist es auch ein wenig dreist und respektlos einem großen Mann gegenüber: Die Gebrüder Vincenzo und Giacomo Barbato haben sich nach langem Rechtsstreit mit Apple als Sieger behaupten können und erstritten somit das Markenrecht an dem Namen „Steve Jobs“.

Aber der Reihe nach: Die Barbato-Brüder hatten bis dato noch nie zusammengearbeitet und wollten nun was gemeinsames auf die Beine stellen, etwas innovatives. Beim Thema „Innovation“ mussten die Brüder aus Arzano — einer Stadt nördlich von Neapel, Italien — direkt an den großen und viel zu früh verstorbenen Steve Jobs denken, einst Mastermind bei Apple.

Erstaunt stellten sie fest, dass sich Apple sich niemals Markenrechte am Namen des Apple-Gründers gesichert haben. Ausgerechnet Apple, das sich mit seiner Armee aus Anwälten alles patentieren lässt, was es in die Finger bekommt und alles verklagt, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist, hat das schlicht übersehen oder vielleicht aus anderen Gründen einfach nicht in Erwägung gezogen.

Also sicherten sich Vincenzo und Giacomo Barbato im Jahr 2012 die Marke „Steve Jobs“. Eigentlich sicherte man sich sogar gleich drei Dinge: Die Marke selbst, die Marke plus Logo und zudem auch nochmal das Logo an sich. Damit ihr wisst, worüber wir hier reden, werft einen Blick auf das nächste Bild:

Vincenzo und Giacomo Barbato stehen vor dem "Steve Jobs"-Schriftzug und -logo
Die Barbato-Brüder vor ihrem „Steve Jobs“-Logo

Wie ihr euch denken könnt, hat diese international angemeldete Marke sofort Apple und dessen Anwälte auf den Plan gerufen. Interessanterweise ging es bei den Streitigkeiten, die jetzt erst beendet wurden, stets nur um das Logo des Mode-Labels, nie um den Namen „Steve Jobs“ an sich.

Wer sich die beiden Logos im Vergleich anschaut, wird natürlich erkennen, dass das „Steve Jobs“-Logo sich frech beim „Apple“-Logo bedient. Das Logo besteht nämlich aus einem an der rechten Seite angebissenen „J“, welches zudem exakt an der Stelle ein stilisiertes Blatt besitzt, an der wir dieses Blatt auch beim Apple-Logo sehen.

Klar: Natürlich haben wir es hier mit einem angebissenen „J“ zu tun, aber mit ein bisschen gutem Willen erkennt man darin auch den Teil des Apfels, der normalerweise beim Essen übrig bleibt — der „Apfelkitsch“, wie wir hier im Ruhrgebiet sagen.

Aber genau mit der Begründung, dass es sich um einen Buchstaben handelt, konnten die italienischen Geschwister vor Gericht gegen Apple bestehen. Sie haben dieses Logo ganz bewusst gewählt, so die eigene Aussage gegenüber dem Business Insider Italien, weil man Apple eben nicht provozieren oder verärgern wollte. Das Eine ist ein Apfel, das andere ein Buchstabe — also keine Verwechslung möglich, so der Gedanke der beiden.

Apple klagte dennoch wegen Verwechslungsgefahr und ließ durchblicken, dass dem Unternehmen aus Cupertino ein Schaden in Milliardenhöhe entstehen könnte. Die Richter folgten jedoch der Argumentation der beiden Italiener: Ein Buchstabe ist kein Obst und somit nicht essbar – also keine Verwechslungsgefahr!

Die Brüder sind hier also äußerst clever vorgegangen, haben sich penibel an Vorgaben und Gesetze gehalten und dagegen war auch für Apples Anwalt-Armada kein Kraut gewachsen. Vermutlich werden die Meinungen darüber, ob es eine Glanzleistung oder eine Unverschämtheit ist, auseinandergehen — je nachdem, wie nahe man dem Unternehmen Apple steht. Fakt ist aber, dass diese Italiener nun das Recht am Namen „Steve Jobs“ haben und davon natürlich künftig eifrig Gebrauch machen werden.

Der Betrieb der beiden Barbato-Brüder versteht sich hauptsächlich auf Bekleidung und Accessoires, so dass zum derzeitig erwartbaren Produktportfolio neben der oben abgebildeten Jeans auch Shirt, Taschen und vieles mehr gehören werden.

Damit ist aber noch lange nicht Schluss: Die Barbatos wollen sich nämlich auch auf andere Märkte stürzen und haben dabei ausdrücklich auch elektronische Geräte anvisiert. Stellt euch die Begeisterung in Cupertino vor, wenn wir auf dem Smartphone-Markt in Zukunft ein „Steve Jobs“-Phone finden, das mit Android betrieben wird!

Vincenzo und Giacomo Barbato erklärten im Interview allerdings auch, dass sie einen hohen Anspruch an sich und an ihr Unternehmen haben und sich auch der Verantwortung bewusst sind, die mit diesem großen Namen einher geht. Zu erwarten ist also nicht, das der erstbeste Billig-Hersteller von Smartphones die „Steve Jobs“-Lizenz erhält, sondern dass wir absolut hochwertige Devices erwarten können.

Da die Geschwister am liebsten mit Unternehmen aus der Region um Neapel zusammenarbeiten, darf man durchaus gespannt sein, wie man da ein Premium-Smartphone produzieren möchte, welches mit Apple, Samsung und Co mithalten kann. Das ist aber zunächst eh erst einmal Zukunftsmusik — bevor so ein Produkt tatsächlich zu erwarten ist, werden die Barbatos erst noch massig Shirts, Jeans und Hemden verkaufen müssen.

Was ich darüber denke? Ja, ich halte es in der Tat für einen pfiffigen Schachzug und angesichts so mancher echt unwürdigen und unnötigen Schlacht, die Apple geschlagen hat, gönne ich es auch dem Underdog, dass er hier nach Jahren der teuren Streiterei vor Gericht das Recht an der Marke „Steve Jobs“ erhält. Andererseits mag ich den beiden Italienern aber auch irgendwie nicht abnehmen, dass es in erster Linie darum geht, die Person Steve Jobs zu ehren. Vielmehr ist es doch so, dass sie einfach ihre Chance genutzt haben, als sie bemerkten, dass der Name nicht geschützt ist. Warten wir jetzt einfach mal ab, was die beiden daraus machen – oder ob wir den Namen „Steve Jobs“ in diesem Zusammenhang vielleicht nie wieder hören.

Quelle: La Republica Napoli via The Verge