“Überaus anstößig”: Apple zensiert App, die über Drohnen-Angriffe informiert

Seit nunmehr fünf Jahren verhindert Apple mit fadenscheinigen Begründungen, dass "Metadata" für iOS im App Store verfügbar ist. Das Programm informiert sachlich und fundiert über Drohnen-Angriffe, die weltweit militärische und zivile Opfer fordern. Apple findet die Software "anstößig", hat aber überhaupt kein Problem mit Kriegsspielen und ähnlichen Apps.

Apple hat zum wiederholten Male eine App aus dem App Store verbannt, welche über tatsächlich stattfindende Drohnenangriffe auf der Welt informiert. Nachdem “Metadata” für wenige Stunden zum Download zur Verfügung stand, wurde sie kurz danach wieder aus dem Verzeichnis verbannt. Bei mehreren vereblichen Anläufen hatte Apple argumentiert, die Software enthalte „überaus anstößige oder geschmacklose Inhalte“, sei “nicht hilfreich” und “nicht unterhaltsam”.

Metadata hieß früher Drone+ und wurde bereits insgesamt 13 Mal aus dem App Store entfernt. Dabei macht die App eigentlich nichts Schlimmes: wenn irgendwo auf der Welt ein Drohnenangriff stattfindet, dann greift Metadata diese Information aus unterschiedlichen News-Quellen auf, verifiziert die Angaben und ibt eine entsprechende Meldung aus.

Auf dem Bildschirm der Nutzer erscheint dann die Meldung, dass mit einer Drohne in einer bestimmten Region ein ferngesteuerter Angriff durchgeführt wurde und dass dabei eine bestimmte Zahl von Menschen ums Leben gekommen ist. Mit einer ebenfalls eingeblendeten Landkarte wird gezeigt, wo der Angriff stattgefunden hat.

Technische Begründungen gab es für die wiederholten Entfernungen nie, immer wieder rettete sich Apple in eigentlich nichtssagende oder lediglich vorgeschobene Begründungen, die App werde von vielen Nutzern als “anstößig” empfunden. Dieser Kleinkrieg (sic!) gegen eine App, die lediglich Fakten journalistisch aufbereitet, zieht sich nun bereits seit mehreren Jahren hin.

Am vergangenen Dienstag tauchte Metadata nun nach einer wiederholten Einreichung überraschend im App Store auf, was den Entwickler Josh Begley zu einem entsprechenden Tweet veranlasste. Zu voreilig, wie sich kurz danach herausstellte, denn Apple kickte die Software kurzerhand wieder aus dem Store:

Technische Zensur

Begley will mit der App demonstrieren, dass es solche Drohnenangriffe weitestgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit auf der ganzen Welt gibt. Oftmals berichten nur noch wenige Medien darüber, dass irgendwo auf diesem Planeten mal wieder eine ferngesteuerte Angriffswaffe unterwegs war, um ein “Ziel” zu eliminieren. Der Name der App basiert auf der Tatsache, dass derartige Angriffe nicht selten auf unzureichenden “Metadaten” basieren und nur wenige Details zum vermeintlichen Sinn, zu den Opfern und den eventuellen menschlichen “Kollateralschäden” bekannt werden.

Eventuell anstößiges Bild- oder Videomaterial zu den Drohnen-Angriffen wird in der App nicht eingebunden, die Informationen und das ausreichend erschreckende Zahlenmaterial sollen offenbar bewusst “sachlich” übermittelt werden.

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Entwickler wie Josh Begley sind mit ihren Apps auf den guten Willen Apples angewiesen, denn ohne den App Store lässt sich keine App auf einem iPhone oder iPad installieren. Die Möglichkeit, wie bei Android einen sogenannten Sideload von Apps auszuführen gibt es bei iOS nicht. Das eröffnet Apple selbstverständlich die Möglichkeit, technisch eine Zensur von Apps zu erzwingen, die dem Konzern nicht passen oder in irgendeiner Weise der Firmenpolitik entgegenstehen.

Metadata
Metadata
Entwickler: Josh Begley
Preis: Kostenlos

Google wiederum scheint an “Metadata” nichts anstößiges finden zu können, die App ist im offiziellen Play Store verfügbar, während Apple wiederum miit anderen Drohnen-Apps überhaupt kein Problem zu haben scheint. So wird die App Drone: Shadow Strike ganz offen mit der Beschreibung

“Drone: Shadow Strike ist das phänomenalste militärische Kriegsspiel mit einer packenden Mischung aus Strategie, rasanten Kämpfen und realistischer Action! Steuern Sie die besten Drohnen der Welt mit einem Arsenal an Waffen und lassen Sie es Feuer regnen!”

beworben, was offenbar niemand bei Apple anstößig findet. Unklar ist, ob die mitunter ziemlich teuren In-App Käufe bei solchen Kriegssimulationen die Entscheidung von Apple beeinflussen.

Via theintercept.com