Kampf dem Plastikmüll
“Aus Versehen” entdeckt: Enzyme, die PET-Flaschen fressen

Wissenschaftler haben zufällig ein mutiertes Enzym geschaffen, das PET-Flaschen zersetzen kann. Vollständiges Kunststoff-Recycling rückt so in greifbare Nähe. 

Verdammte Axt, wir brauchen einfach wieder mehr gute Nachrichten. Zwischen den News um Giftgas-Anschlägen, übereilten Kriegseinsätzen, peinlichen Staatschefs und Daten-Skandalen ist immer noch genügend Platz, um auch noch über eingeschläferte Kampfhunde und lächerliche Möchtegern-Gangster-Rapper zu berichten.

Wieso man über diesen Hund und die beiden rappenden Pfeifen in Deutschland mehr diskutiert als über Syrien, ist dabei aber vermutlich ein Thema für einen anderen Artikel. Mir geht es gerade eher darum, dass durch all diese negativen Schlagzeilen manchmal das Bild entstehen kann, dass die Menschheit komplett am Arsch ist. Dem ist erfreulicherweise aber nicht so, auch wenn wir die Belege dafür nicht so massiv präsentiert bekommen wie die Negativbeispiele menschlichen Tuns.

Ich hab jedenfalls eine gute Nachricht aus dem Wissenschafts-Hut gezaubert und mir dazu fest vorgenommen, dass jetzt hier auf dem Blog mal wieder öfter zu tun. Konkret geht es in diesem Beitrag um den Plastikmüll in der Welt und einer höchst interessanten Entdeckung, die dazu beitragen könnte, diesem Müll endgültig den Garaus zu machen.

Die University of Georgia hat berechnet, dass bis zum letzten Jahr über 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert wurden und etwa ein Drittel davon landet letzten Endes als Müll in der Umwelt. Mittlerweile weiß jeder, welche Auswirkungen das allein in den Ozeanen dieses Planeten hat. Dort wachsen riesige Müll-Inseln heran und die Tatsache, dass eine PET-Flasche über 400 Jahre braucht, trägt auch nicht sonderlich zur guten Laune bei.

Trotzdem gibt es halt auch immer mal wieder gute News, beispielsweise vor zwei Jahren, als nämlich ein Bakterium entdeckt wurde, welches sich genau diese PET-Flaschen bzw. Plastik reinknuspert. Der Haken an der ganzen Nummer: Die Biester sind so unglaublich langsam, dass ein Film aus Plastik, der deutlich dünner ist als das bei PET-Flaschen verwendete Material, immer noch 14 Monate braucht, bis er von diesen Bakterien verdaut wurde.

Damit rückt man unseren Müllbergen natürlich nicht wirklich zuleibe, da wir nach wie vor im Erschaffen von Müll deutlich flotter und engagierter sind als im Beseitigen desselben. Eine gute Nachricht war es dennoch und Wissenschaftler überall auf dem Planeten haben davon ausgehend weiter experimentiert und geforscht.

Jetzt scheint es Wissenschaftlern der britischen University of Portsmouth gelungen sein, einen riesigen Durchbruch zu schaffen, an dessen Ende tatsächlich mal stehen könnte, dass man das Problem mit dem Plastikmüll in den Griff bekommt. Nicht nur, dass sie feststellen konnten, dass man mittels dieses Bakteriums neben der Zersetzung von PET auch andere Kunststoffe in den Griff bekommen könnte.

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Deutlich spannender ist noch, dass die Wissenschaftler — mehr oder weniger aus Versehen — entdeckten, dass man ein Enzym dieses Bakteriums verändern und dabei geringfügig verbessern konnte. Insgesamt konnte die Effektivität bei diesem mutierten Enzym um 20 Prozent gesteigert werden, was immer noch meilenweit davon entfernt ist, flott eine PET-Flasche zersetzen zu können, aber das ist hier auch gar nicht der entscheidende Punkt.

Entscheidend ist nämlich das Wissen, dass es überhaupt möglich ist, diese Enzyme zu verbessern. Wir wissen nämlich von industriellen Enzymen, die beispielsweise zur Verbesserung von Biokraftstoffen oder Waschpulver eingesetzt werden und wo diese Enzyme in nur wenigen Jahren so optimiert wurden, dass sie tausend mal schneller arbeiten als ursprünglich.

Wir wissen nun also, dass man dieses plastikfressende Enzym ähnlich optimieren kann und ganz am Anfang dieser Entwicklung stehen wir aktuell. Die Enzyme sind ungiftig, biologisch abbaubar und können in großen Mengen von Mikroorganismen produziert werden. Der Plastikmüll kann also wirklich komplett recycelt werden und nicht nur ein kleiner Prozentsatz, wie es heute der Fall ist.

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Damit wir dahin kommen, wird mit diesen Bakterien und Enzymen natürlich noch eine Weile geforscht werden müssen, aber der Weg ist zumindest jetzt vorgezeichnet. Bis dahin wäre es vielleicht ganz pfiffiger, wenn wir schlicht dazu übergehen würden, weniger Plastik und somit auch weniger Müll zu produzieren. Aber über kurz oder lang dürften wir mit der jetzt gemachten Entdeckung dahin kommen, dass wir zumindest dieses große Problem der Menschheit in den Griff bekommen.

Quelle: The Guardian