Berlin setzt auf Hybrid-Taxis: “Abwrackprämie” für alte Diesel

Berlin will mit einer "Abwrackprämie" rund 2000 alte Diesel-Taxis aus der schadstoffbelasteten Innenstadt entfernen. Die Betreiber sollen sich stattdessen Fahrzeuge mit Plug-In-Hybrid Antrieb (PHEV) anschaffen, die über innerstädtische Distanzen rein elektrisch und somit lokal emissionsfrei unterwegs sind.

Wer in den vergangenen Jahren ein Taxi oder ein Uber in vielen US-amerikanischen Metropolen bestieg, wird höchstwahrscheinlich in einem voll- oder teilelektrisch betriebenen Fahrzeug gesessen haben. Für viele deutsche Großstadtbewohner ist das ein noch relativ ungewohntes Erlebnis, denn noch immer dominieren – vor allem aus Kostengründen – dieselbetriebene Fahrzeuge die Flotten der Betreiber.

Das Land Berlin will nun mit einem bis Ende Juni 2018 befristeten Förderprogramm in Höhe von bis zu fünf Millionen Euro die Umstellung auf Benzin-Hybridtaxis unterstützen. Dies geht aus einer Zusammenfassung der zweiten “Berliner Mobilitätsgespräche” hervor. Wer sein Diesel-Taxi mit der Abgasnormen Euro 0 bis Euro V verschrottet und durch ein Hybridmodell ersetzt, erhält eine Prämie von 2.500 Euro. Die Benzin-Hybridtaxis sollen kurzfristig „einen schnellen Beitrag zur Reduktion von NOx und damit zur Verbesserung der Luftqualität in Berlin leisten“. Das Berliner Taxigewerbe besteht aus mehr als 7000 Taxis, die von rund 3000 Taxi-Unternehmen, mehreren Taxizentralen und vier Verbänden betrieben und organisiert werden. Rein rechnerisch könnte die “Abwrackprämie” also dafür sorgen, dass 2000 Taxis in Zukunft teil-elektrisch gefahren werden.

Die Auszahlung der Förderung ist an den Nachweis der Verschrottung eines Diesel-Taxis der oben genannten Klassen und an den Nachweis des Erwerbs (inkl. Leasing) eines erstzugelassenen Hybrid-Taxis gebunden. Der Antrag kann ab dem 01. März 2018 bei der Investitionsbank Berlin (IBB) gestellt werden, ausgezahlt wird die Landesförderung bis Ende 2018.

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Die Fahrzeugprämie für Benzin-Hybrid-Taxis ist als kurzfristige Maßnahme gedacht, die einen schnellen Beitrag zur Reduktion von NO2 und damit zur Verbesserung der Luftqualität in Berlin leisten soll. In den vergangenen Monaten hatte es eine Reihe von Studien gegeben, die den Fahrzeugen vor allem im Rahmen des typischen Fahrverhaltens vieler Pendler ein gutes Umweltzeugnis ausgestellt hatten. Entgegen den Vorurteilen vieler besonders enthusiastischer Befürworter der Elektromobilität hatte sich gezeigt, dass Plug-In-Hybride von ihren Besitzern überwiegend elektrisch und nur in Ausnahmefällen nicht-elektrisch gefahren werden. Ob man diese Erkenntnisse 1:1 auf den typischen Betrieb eines Taxis übertragen kann sei dahingestellt. Vermutlich werden die Betreiber aber versuchen, den tatsächlich vorhandenen Kostenvorteil auszunutzen und die entsprechenden Fahrzeuge vorzugsweise auf Strecken einzusetzen, die rein elektrisch zu bewältigen sind – zum Beispiel im rein innerstädtischen Verkehr.

An das Förderprogramm anknüpfend wird voraussichtlich ab dem 01.07.2018 ein weitergehendes Förderprogramm zur Elektrifizierung anderer gewerblicher Flotten – neben dem Taxigewerbe u.a. auch Pflege- und Sozialdienste, Handwerksbetriebe und Lieferfirmen – aufgelegt.

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Parallel zu diesen Fördermaßnahmen will das Land Berlin selbst mit gutem Beispiel vorangehen und den öffentlichen Fuhrpark konsequent auf emissionsarme Fahrzeuge in den verschiedenen Fahrzeugkategorien umstellen. Mit über 300 Elektrofahrzeugen verfüge man zwar bereits im nationalen Vergleich über eine der größten elektrisch betriebenen Flotten aller Städte, in einem nächsten Schritt sollen auch leichte Nutzfahrzeuge (bis 3,5 t) elektrifiziert werden. Bei diesen leichten Nutzfahrzeugen sollen in Zukunft bevorzugt Fahrzeuge mit voll-elektrischem Antrieb ausgewählt werden, während Dieselfahrzeuge nur noch in begründeten Einzelfällen zulässig sein sollen.