Burda Verlag (Focus, Chip, etc.) kauft Ghostery

Der deutsche Burda Verlag kauft das Security-Plugin Ghostery. Der Verlag betreibt u.a. die News-Portale Focus, Huffington Post und Chip Online und will mit dem Zukauf seinen eigenen Browser "Cliqz" absichern. Cliqz soll anonymisierte Suchanfragen und sicheres Surfen ermöglichen, ohne auf Werbeanzeigen verzichten zu müssen.

Der deutsche Burda Verlag entwickelt mit “Cliqz” einen eigenen Webbrowser, mit dem das Unternehmen der wachsenden Verbreitung von Werbeblockern entgegentreten will. “Cliqz” soll anonymes Surfen ermöglichen und trotzdem Werbeanzeigen einblenden, mit denen sich kostenfrei abrufbare Internetseiten normalerweise finanzieren.

Nachdem man bereits Mozilla als Investor gewinnen konnte, will man sich nun bei Burda bzw. bei der eigens gegründetetn Cliqz GmbH mit einem Zukauf verstärken. Wie das Handelsblatt in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, hat das Unternehmen das Anti-Tracking Plugin Ghostery für einen nicht näher genannten Betrag erworben.

Cliqz will die Technologie des eigenen Projekts mit der Ghostery Technologie vereinen und auf diese Weise den Browser weiter absichern. Die Browsererweiterung Ghostery wird momentan von rund 10 Millionen Benutzern regelmäßig eingesetzt und soll u.a. Daten blockieren, die beim Aufruf einer Internetseite unbemerkt und unerwünscht im Hintergrund übertragen werden.

Die Software ist als sogenanntes Plugin für verschiedene Browser erhältlich, darunter Chrome, Safari, Edge und Firefox. Zudem gibt es einen Webbrowser für iOS und Android.

Mozilla war im Sommer 2016 als strategischer Investor bei Cliqz eingestiegen, nachdem Burda den Browser rund ein Jahr zuvor als Plugin für den Firefox veröffentlicht hatte. Zentrales Element von Cliqz ist nach eigenen Angaben eine Schnellsuche, welche die Suchanfragen des Benutzers nicht protokolliert bzw. speichert. Die Suche arbeitet mit einem eigenen Index und greift anders als viele vergleichbare Lösungen nicht auf den Suchindex einer anderen Suchmaschine zu. Burda platziert Cliqz somit auch als Alternative zu Google.

Der Kauf von Ghostery macht für das Projekt durchaus Sinn, schliesslich erwirbt Burda hier eine seit mehreren Jahren etablierte Technologie. Allerdings geriet Ghostery in der Vergangenheit in die Kritik: sofern innerhalb des Plugins die Option “Ghostrank” aktiviert ist, soll Ghostery Benutzerdaten an andere Institutionen weitergeben. Nach Angaben des Unternehmens befinden sich darunter US-amerikanische Verbraucherzentralen oder Universitäten, die Daten eignen sich angeblich nicht zur Identifikation oder zur personalisierten Anzeigenschaltung. Unter den Abnehmern sollen sich dennoch auch Unternehmen aus der Werbewirtschaft befinden.

Ob der hierzulande noch recht unbekannte Browser Cliqz seine Popularität durch den Zukauf von Ghostery steigern kann, wird sich zeigen. Der Erwerb macht jedenfalls deutlich, dass die Verlage momentan händeringend nach Möglichkeiten suchen, die digitalen Werbeerlöse in irgendeiner Form am Leben zu erhalten.